Umstrittener Werbespot

Danke Aldi, dass du nicht Edeka bist

Der Edeka-Film zum Muttertag hat geharnischte Reaktionen hervorgerufen, die dem partout um Aufmerksamkeit buhlenden Unternehmen eine Lehre sein dürften.
08.05.2019, 16:16
Lesedauer: 1 Min
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Danke Aldi, dass du nicht Edeka bist
Von Hendrik Werner
Danke Aldi, dass du nicht Edeka bist

Sollten die überzogenen Boykottaufrufe im interaktiven Netz fruchten, dürften Edeka-Einkaufsbehältnisse – unser Bild zeigt ein ökologisch bedenkliches Exemplar – seltener auf deutschen Straßen zu sehen sein.

Oliver Berg

Aufmerksamkeit ist ein bedeutsames Kapital, zumal in der digitalen Welt. Sie ist, genau besehen, wichtiger als Zustimmung. Insofern muss es das auf Lebensmittel spezialisierte Unternehmen Edeka – zumindest auf den ersten Blick – nicht anfechten, dass sein Online-Werbespot zum Muttertag landauf, landab kontrovers diskutiert wird. Auf 8964 Reaktionen (darunter 4332 gereckte Daumen) und 6879 Kommentare kommt der Schwarz-Weiß-Film allein bei Facebook; 4949 Mal wurde er geteilt (Stand: Mittwoch, 15.40 Uhr). Keine schlechte Einschaltquote für einen Markt flüchtiger Sensationen, sollte man meinen.

Und doch ist etwas neu an den emotional grundierten Reaktionen auf eine Werbung, die ihrerseits auf große Gefühle setzt – und dabei Erwartungen der Zuschauer ins Leere laufen lässt. Teile des Publikums äußern sich verprellt über den Spot, der Mütter würdigt, indem er Väter als Versager vorführt („Danke Mama, dass du nicht Papa bist“). Klügere Protestnoten warnen davor, Elternteile gegeneinander auszuspielen; dümmere drohen mit Boykott („Danke Aldi, dass du nicht Edeka bist“). Das interaktive Netz, oft zu Recht als digitaler Pranger geschmäht, zeigt sein positives Potenzial: als pluralistisches Korrektiv, das Edeka Mores lehrt.

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