Museum schließt

Das Antikenmuseum ist Geschichte

Das Antikmuseum im Schnoor schließt. Die Sammlung könnte nun als Dauerleihgabe nach Hamburg gehen.
11.12.2018, 22:26
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Peter Groth
Das Antikenmuseum ist Geschichte

Von Bremen nach Hamburg: Wolfgang Deter-Lüken (links) und Heidrun Zimmermann schauen beim Einpacken zu.

Frank Thomas Koch

Vasen, Amphoren, Kannen, Gefäße, alles weit mehr als 2300 Jahre alt. Das Antikenmuseum im Schnoor zeigte mehr als 13 Jahre lang großartige attische Kunst aus der Blütezeit Athens. Das kleine, feine Museum in der Marterburg ist nun Geschichte – die private Sammlung hat Bremen verlassen, bleibt aber weiter im Besitz und unter der Obhut der Stiftung Heidrun und Manfred Zimmermann.

Keine drei Stunden benötigten die Mitarbeiter einer Kunst-Spedition, um die rund 70 kostbaren Objekte sicher für den Transport in ihr neues Domizil, das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, zu verpacken. Dort wird die Sammlung Zimmermann ab Februar 2019 inmitten der Antikensammlung dauerhaft als Bremer Leihgabe zu sehen sein.

Lesen Sie auch

Die in Deutschland einzigartige Privatsammlung ist das Lebenswerk des 2011 verstorbenen Bauunternehmers Manfred Zimmermann, der sich schon als Schüler des Gymnasiums am Leibnizplatz für die antiken Helden interessierte und sich ab den frühen 1970er-Jahren immer wieder mit dem Segelschiff auf die Spuren der griechischen Götter und Helden begab.

Fortan kaufte der Inhaber der Weser-Wohnbau im internationalen Kunsthandel und bei Versteigerungen des Auktionshauses Christie´s in London und New York attische Gefäße und Keramik aus der Blütezeit der Athener Vasenkunst von 560 bis 350 v. Christus. Ein sehr spezielles Sammelgebiet, das für Archäologen und Antiken-Experten deshalb so interessant ist, weil nur auf diesen Keramiken gemalte Zeugnisse aus dieser Zeit erhalten sind. Manfred Zimmermann hat sich in seiner 30-jährigen Sammlerzeit vielfach den Rat von Experten geholt, vorrangig von Professor Wilhelm Hornbostel, dem langjährigen Leiter des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, und von dem Bremer Althistoriker Professor Hans Kloft.

70 attische Vasen im Haus

Das ausschließlich von der Familie Zimmermann bis zur jetzigen Aufgabe finanziell abgesicherte Antikenmuseum wurde im August 2005 in eigenen, modernen Räumen im Schnoor an der Marterburg eröffnet. Heidrun Zimmermann erinnert sich: „Wir hatten damals in unserem Haus etwa 70 attische Vasen stehen. Mehr ging nicht. Und deshalb entstand die Idee, diese Sammlung in einem Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“.

Ein kleines engagiertes Team sorgte für eine angemessene Präsentation und fachliche Erläuterungen, lud ab 2007 regelmäßig zu Bremer Antikengesprächen ein. 130 Vortragsabende mit ausgesuchten Referenten fanden so bis in die jüngste Zeit mit zumeist sehr gutem Zuspruch statt. Der Tod des Sammlers und Gründers Manfred Zimmermann 2011 bedeutete einen gravierenden Einschnitt, aber nicht das Ende des kleinen Museums. In seinem Sinne setzte die Familie das Engagement fort und übertrug Wolfgang Deter-Lüken als langjährigem Freund des Sammlers die Geschäftsführung.

Lesen Sie auch

Die Familienstiftung, namentlich Heidrun Zimmermann, ihr Sohn Matthias sowie der Geschäftsführer mühten sich nach Kräften, das Antikenmuseum im Gespräch zu halten, warben in Schulen, Hochschulen und der Öffentlichkeit um Besucher. Doch es zeigte sich, dass es schwierig ist, neben den Freunden der Antike größere Kreise für eine Spezialität wie Attische Vasen zu interessieren. Geschäftsführer Deter-Lüken: „Wir haben Besucherstatistiken geführt und sind im besten Jahr auf 1800 Gäste gekommen. Schulklassen sind zwar gekommen, aber es waren zu wenige.“ Die Öffnungszeiten wurden reduziert, zuletzt war der Besuch nur nach Anmeldung möglich.

Bremer Sammlung in der Fachöffentlichkeit geschätzt

In der Fachöffentlichkeit war und ist die Bremer Sammlung hingegen geschätzt. Museen aus München, Dresden, Hamburg und aktuell aus Stuttgart liehen wiederholt Exponate für Sonderausstellungen. 2017 erschien ein weiterer Sammlungskatalog, den der Autor Frank Hildebrandt mit Texten zu antiken Bilderwelten bereicherte.

Hildebrandt, seit 2008 Leiter der Antikensammlung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, begleitet die Zimmermann-Stiftung seit Jahren. Weil sein Haus anders als die Museen in Bremen über eine 5500 Exponate zählende antike Sammlung und Experten verfügt, lag es nahe, die Bremer Exponate als Dauerleihgabe in die dortige Abteilung zu integrieren. Stiftungsvorsitzende Heidrun Zimmermann: „Es ist uns zugesagt worden, dass dort unser Stiftungszweck, die öffentliche Präsentation unserer Vasen, gewährleistet ist. Die Sammlung bleibt zusammen, sie wird engagiert von Herrn Dr. Hildebrandt betreut, und sie ist jederzeit zu besichtigen. Das ist ganz in unserem Sinne“.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+