Briefmarke feiert Premiere Das Bauhaus aus Bremen

Das Bauhaus hat Sibylle und Fritz Haase geprägt. Zum großen Jubiläum stellt das Grafikerpaar aus Bremen die neueste Briefmarke in Dessau vor.
03.04.2019, 18:08
Lesedauer: 3 Min
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Das Bauhaus aus Bremen
Von Monika Felsing

Der Bremer Beitrag zum Bauhaus-Jubiläum ist formschön und alltagstauglich: Fritz und Sibylle Haase stellen am Donnerstag, 4. April, in Dessau ihre neueste Briefmarke vor. Für 70 Cent ist das Designerstück zu haben. Nützlich und erschwinglich – wie einst so vieles aus der 1919 in Weimar gegründeten Schule für Architektur und Gestaltung.

Für die Serie „Sehenswürdigkeiten“ hatte das Bremer Grafikerpaar bereits 2002 eine Bauhaus-Briefmarke im Wert von 1,60 Euro gestaltet. Zwei Jahre später folgte in der „Welterbe“-Reihe eine 55er mit den Meisterhäusern des Bauhauses. Es waren nicht die ersten ihrer Art. Eine ganze „Bauhaus“-Reihe gab es 1980 in der DDR. Die Marke mit dem Bauhausgebäude war damals für 70 DDR-Pfennige zu haben. Zum 100. Geburtstag von Walter Gropius hatte die Bundespost 1983 dann eine Achtziger herausgebracht, mit den Oberlichtern des Bauhaus-Archivs. Der Preis, 80 Pfennig, entsprach dem Briefporto. Was auch immer von der Riesenauflage (rund 31 Millionen Stück) übrig geblieben ist, hat seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 allenfalls noch Liebhaberwert.

Und jetzt kommt die Neue. Es ist seit 1978 die 129. Marke aus dem Atelier Haase & Knels im Schnoor und die fünfte in der Reihe "Design aus Deutschland", die allein von den Haases gestaltet wird. In einem Format von 33 Millimeter mal 39 Millimeter ist in der Bundesdruckerei in Berlin das von ihnen entwickelte Motiv im Mehrfarben-Offsetdruck auf "gestrichenes, weißes und fluoreszierendes Postwertzeichenpapier DP II" gebannt worden. Das Porto reicht für Standardbriefe, die im Inland verschickt werden. Ein nassklebendes Stückchen Papier, nicht für die Ewigkeit, aber für den Moment ein Beitrag zur Briefkultur.

Von Walter Gropius stammt das Zitat, ein Ding sei bestimmt durch sein Wesen: "Um es so zu gestalten, dass es richtig funktioniert, muss sein Wesen zuerst erforscht werden.“ Auch die Arbeit von Fritz und Sibylle Haase ließe sich mit diesen wenigen Worten beschreiben. Wann immer die beiden Briefmarken entwerfen, ist der Gegenstand der Betrachtung für eine Weile das Wichtigste und Geheimnisvollste auf der Welt, er wird erkundet, sein Hintergrund beleuchtet, bis selbst die Fragen beantwortet sind, die sich anfangs niemand gestellt hatte.

Sich noch einmal mit Bauhaus zu beschäftigen, war für die Haases eine ganz besondere Herausforderung. "Eine Steilvorlage" nennt es Fritz Haase. "Und dann muss man ja etwas draus machen. Wir steigen immer mit dem gleichen Enthusiasmus in die Sache ein und versuchen, die Fragestellungen mit der größten Genauigkeit zu lösen. Da kann man es sich nicht leisten, etwas aus künstlerischer Freiheit wegzulassen." Sibylle Haase stellt sich diesen Herausforderungen auf ihre eigene, pragmatische Art: "Augen zu und durch! Das finde ich das Tolle am Briefmarkenentwerfen: dass sich so viel erschließt!" Anders als die Pionierinnen des Bauhauses muss sie nicht um Anerkennung kämpfen. Im Atelier Haase & Knels sind zwei gleichberechtigte Persönlichkeiten am Werk, zwei ganz unterschiedliche Temperamente, die harmonieren und trotzdem längst nicht immer einig sind.

Wie üblich haben die beiden eine Reihe von Entwürfen gemacht, auch dynamische, das Motiv leicht gekippt. Die Post hat sich für die sachlichste, um nicht zu sagen, nüchternste Variante entschieden. Die Grundfarben Gelb, Rot und Blau geben bei der Bauhausmarke den Ton an, wie einst in Weimar und Dessau. Ein senkrechter roter Strich auf dem bearbeiteten Foto von Christoph Petras markiert die Tür. Kein beliebiger Strich, kein beliebiges Rot, sondern das Ergebnis langer Diskussionen unter Spezialisten über das, was werkgerecht ist. „Die Tür war ein Politikum“, ruft Fritz Haase mehr, als er es sagt. „100 Prozent Magenta, 100 Prozent Yellow, das liegt genau in der Mitte“, wirft Sibylle Haase fast zeitgleich ein. Das Ergebnis: 100 Prozent Bauhaus. Die Nichtfarben Schwarz und Weiß dominieren rechts und links am Rand des Zehnerbogens, bei den Strichcodes, die seit einigen Jahren aufgedruckt werden und der Fantasie Grenzen setzen.

Das Bauhaus hat Generationen von Designerinnen und Designer geprägt. Auch Sibylle Haase, die damals noch Knels hieß, und Fritz Haase sind im Studium in Bremen davon beeinflusst worden, wie sich 1962 unschwer an ihrem ersten gemeinsamen Firmenlogo erkennen ließ. "Als wir angefangen haben, sind wir von der konkreten Kunst ausgegangen und einer völligen Abstraktion", sagt Fritz Haase. "Wir waren sehr durchdrungen von dieser Idee." An ihrem ersten gemeinsamen Firmenlogo ist das unschwer zu erkennen. Inzwischen haben sie es längst gegen ein anderes, gegenständlicheres Logo ausgetauscht und sich auch von ein paar der zeitlos schönen, aber nicht wirklich ergonomischen Bauhausmöbeln getrennt. "Wie weit hat das Bauhaus unsere Arbeit beeinflusst", fragen sich die beiden auch jetzt noch, da ihre neue Briefmarke im Handel ist. In der Bauhaus-Ausstellung "Zwischen Utopie und Anpassung" in Oldenburg, die am 27. April beginnt, werden sie darauf antworten. Und es mit Wulf Herzogenrath, dem ehemaligen Direktor der Bremer Kunsthalle, halten: "Das Bauhaus gibt es nicht." Und auch nicht die Briefmarke.

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