Franz-Ensemble

Ein Großes unter den Kleinen

Gleich mit seiner ersten CD hat das Franz-Ensemble aus Bremen einen der begehrten Opus-Klassik-Preise gewonnen. Die Musiker spielen Werke in ungewöhnlichen Besetzungen.
16.11.2020, 08:00
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Ein Großes unter den Kleinen
Von Iris Hetscher
Ein Großes unter den Kleinen
Ervis Zika

Bremen. Eines der Fotos, dass das Franz-Ensemble auf seine Website gestellt hat, zeigt die acht Musikerinnen und Musiker, wie sie zügig eine Dorfstraße entlang schreiten. Dieses Bild geht beinahe als Symbolfoto durch, denn das Franz-Ensemble hat seit seiner Gründung vor drei Jahren bereits einige große Schritte gemacht. Der bisher auffälligste: Gleich mit der Debüt-CD, auf der Musik des Komponisten Franz Ferndinand Ries (1784-1838) zu hören ist, gewann das Ensemble dieses Jahr einen der begehrten Opus Klassik-Preise. Die zweite CD erscheint Ende November, über eine dritte denke man bereits nach, so Kontrabassistin Juliane Bruckmann.

Das Franz-Ensemble ist dabei ganz schön umfangreich für einen Zusammenschluss von Kammermusikern. Drei bis fünf ist eine Zahl, die bei Ensembles gerne vorkommt, acht „sind fast schon ein Kammerorchester“, sagt Violinistin Yuko Hara. Doch genau das reizt die Musikerinnen und Musiker, denn so könne man Werke spielen, die selten aufgeführt werden, Septette und Oktette. Das ist eine musikalische Herausforderung und gleichzeitig so etwas wie eine Marktlücke.

Vor drei Jahren spielte das quasi frisch geschlüpfte Ensemble beim Musikfest Bremen, das „Oktett in F-Dur“ von Franz Schubert. Dafür zusammengetan hatten sich Musikerinnen und Musiker, die bereits international auf sich aufmerksam gemacht, Wettbewerbe gewonnen hatten, als Professoren wirken oder, wie Yuko Hara, als Festivalleiterinnen erfolgreich sind. Alle sind als Solisten oder in anderen Ensembles aktiv, einige Namen tauchen in Zusammenhang mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen auf. Außer Yuko Hara und Juliane Bruckmann sind dabei: die Geigerin Sarah Christian, der Cellist Tristan Cornut, der Klarinettist Maximilian Krome, die Fagottistin Rie Koyama, der Hornist Pacal Deuber und die Pianistin Kiveli Dörkens.

Die CD als „Visitenkarte“

Nach ihrem ersten Konzert sei die Euphorie sehr groß gewesen, erzählt Yuko Hara: „Wir haben gleich Pläne für die Zukunft geschmiedet und ein bisschen rumgesponnen – so à la 'kommt, lasst uns auf Japan-Tournee gehen'.“ Das haben sie dann erst einmal hinten angestellt, klar war aber, man wollte gemeinsam weiter machen. Das bedeutete auch, dass das Ensemble sich in der durchaus unübersichtlichen Klassikszene einen Namen machen musste. Oder, wie Juliane Bruckmann es nennt, „eine Visitenkarte hinterlassen“. Mit einer CD beispielsweise.

Nun wäre es ein leicht zu beschreitender Weg gewesen, im Jahr 2019 vorausschauend auf das 2020er-Beethoven-Bohei irgendetwas mit dem überlebensgroßen Bonner zu veranstalten. Stattdessen nahm das Franz-Ensemble Kammermusik von Franz Ferdinand Ries auf. Weil: „Das sind Werke, bei denen wir gemeinsam viel entdeckt haben, und durch die die Zuhörer auch viel entdecken können“, erklärt Yuko Hara. Außerdem wolle man sich so an die Großen herantasten, sich quasi nach und nach einspielen für Beethoven oder Brahms. Da klingt professioneller Respekt vor der Aufgabe durch und gleichzeitig eine klare Sicht auf die Dinge: Warum sollte man als junges Ensemble mit den bereits etablierten konkurrieren wollen? Der Lohn dafür war der Opus Klassik für die beste Produktion, das Lob der Fachwelt klang im Deutschlandfunk beispielsweise so: „Technisch perfekt und nuancenreich“.

So etwas öffnet Türen und bringt Einladungen zu Festivals und Konzerten, vielleicht sogar zu Tourneen durch Fernost. Normalerweise. Doch im Corona-Jahr 2020 ist alles anders als sonst. Und so haben die acht die Zeit genutzt und eine weitere CD aufgenommen. Der Komponist trägt dieses Mal den Nachnamen Berwald und ist damit erneut jemand, der nicht unbedingt jedem Klassikbegeistertem etwas sagt. Aber er hat ein Septett geschrieben. Ulkige Randnotiz: Auch Berwald hörte auf den Vornamen Franz. Oder ist das etwa Konzept? Das Franz-Ensemble spielt nur Werke von Fränzen?

Juliane Bruckmann lacht und verneint: „Wir haben uns so genannt, weil wir Franz Schubert verehren und den Namen zudem bodenständig finden.“ Mit Schuberts „Oktett in F-Dur“ hatte ja auch alles begonnen. Von daher werde man demnächst auf jeden Fall Werke von Komponisten mit anderen Vornamen spielen. Und nicht nur das. Nach zwei Musikern aus dem 19. Jahrhundert will das Franz-Ensemble in Zukunft Zeitgenössisches ins Visier nehmen und beispielsweise Kompositionsaufträge vergeben. Gut aufeinander eingespielt haben die acht sich mittlerweile auf jeden Fall. „Franz-Ensemble, das ist ein bisschen wie Familie“, sagt Yuko Hara.

Weitere Informationen

Franz-Ensemble: Franz Ferndinand Ries - Chamber Music. Label: MDG (Musikproduktion Dabringhaus und Grimm). Die zweite CD mit Musik von Franz Berwald wird am 30. November bei demselben Label veröffentlicht.

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