Benefizkonzert Das Gedenken lebendig halten

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Montagabend beim Benefizkonzert in der Glocke die Arbeit des Vereines Bunker Valentin gewürdigt. Solche Orte der Erinnerung würden zunehmend wichtiger.
18.02.2019, 21:22
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Das Gedenken lebendig halten
Von Iris Hetscher

Mit sehr persönlichen Worten leitete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das ihm zu Ehren gespielte Benefizkonzert am Montagabend im Großen Saal der Glocke ein. In die Freude über den Konzertabend mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und dem türkischen Pianisten Fazil Say mische sich die Trauer um den verstorbenen Bürgerschaftspräsidenten Christian Weber, sagte Steinmeier in seinem Grußwort. Er erinnere sich an Weber als engagierten Bürger und ­herausragenden Parlamentarier, der „mit Herzblut die Interessen der Bremerinnen und Bremer vertrat“ und der „gern mit uns dieses schöne Konzert eröffnet hätte“.

Nach diesen einleitenden Sätzen sprach sich der Bundespräsident für eine lebendige Gedenkkultur aus. Er freue sich ganz besonders, dass ein Teil des Konzerterlöses an den Denkort Bunker Valentin gehe, betonte Steinmeier. Bei seinem Antrittsbesuch in Bremen vor einem Jahr hatten Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender die Ruine der alten U-Boot-Werft aus dem Zweiten Weltkrieg in Farge besucht. Solche Orte der Erinnerung seien gerade in einer Zeit wichtig, in der immer mehr junge Menschen erklärten, sie wüssten nur wenig über die Verbrechen der Nationalsozialisten.

„Wenn das stimmt, dann wird es Zeit, einmal grundsätzlicher über die Form unserer Gedenkkultur nachzudenken“, meinte Steinmeier. Gedenken dürfe nicht zu einem Ritual erstarren. Wenn junge Menschen sich fragten, was die Nazi-Zeit mit ihnen zu tun habe, dann müssten die Antworten darauf verständlich und deutlich hörbar ausfallen. Der Verein, der den Bunker Valentin betreut, beherzige genau das in seiner Arbeit. Dort werde das Andenken „mit frischen Ideen lebendig gehalten“.

Steinmeier betonte, er sei ebenso erfreut über den zweiten Adressaten des Konzert­erlöses, die Stiftung „Kulturfonds Haifa“ (Haifa Arts Foundation). Die Stiftung finanziert in Bremens israelischer Partnerstadt Projekte mit, in denen Juden, Araber und Drusen zusammenarbeiten und sich austauschen. Der Bundespräsident begrüßte dabei ganz besonders eine Delegation um die neue Bürgermeisterin Haifas, Einat Laisch Rotem, im Publikum. Einat Laisch Rotem hatte sich zuvor beim Antrittsbesuch in der Oberen Rathaushalle ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Auch Bürgermeister Carsten Sieling wandte sich in seinem Grußwort direkt an die Gäste aus Israel: „Haifa ist in vielen Fragen eine mutige Stadt“, sagte er mit Verweis auf die vielen interkulturellen und interreligiösen Projekte. Als Beispiel dafür nannte er eine Ausstellung zum Gründungsjahr Israels, die derzeit gemeinsam von jüdischen und arabischen Künstlern gestaltet wird. Im Anschluss an sein Grußwort bat er um eine Gedenkminute für Christian Weber, dem, wie Sieling sagte, beide Fördergeld-Adressaten sehr am Herz gelegen hätten.

Das Benefizkonzert des Bundespräsidenten, das jedes Jahr in einem anderen Bundesland stattfindet, wurde in Bremen bereits zum zweiten Mal von der Deutschen Kammerphilharmonie gestaltet, am Pult stand der israelisch-amerikanische Dirigent Steven Sloane. Gespielt wurden Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, George Gershwin und Leonard Bernstein. Im Anschluss fand im Foyer der Glocke ein Empfang des Bundespräsidenten für alle Zuhörer und Mitwirkenden statt.


Eine Kritik des Konzerts lesen Sie in unserer Mittwochausgabe.

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