Bremer Theaterprofis: Der Intendant

"Das Gesicht des Theaters"

Bremen. Nach drei Jahren an der Spitze des Bremer Theaters verlässt Hans-Joachim Frey zum Ende der Spielzeit das Haus am Goetheplatz. Ganz geht der 44-Jährige nicht – er bleibt weiterhin für die Seebühne verantwortlich.
04.06.2010, 11:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Iris Hetscher

Bremen. Nach drei Jahren an der Spitze des Bremer Theaters verlässt Hans-Joachim Frey zum Ende der Spielzeit das Haus am Goetheplatz. Ganz geht der 44-Jährige nicht – er bleibt weiterhin für die Seebühne verantwortlich.

„Einen Versuch war es wert“, sagt Hans-Joachim Frey und deutet auf das Plakat, das an der Tür seines Arbeitszimmers befestigt ist. Das Poster wirbt für das Musical „Marie Antoinette“ - die Produktion, die dem Bremer Theater im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Euro Verlust bescherte und dazu führte, dass Frey seinen Vertrag vorzeitig beendete.

Nun ist es fast soweit, gleichzeitig steht am 12. Juni die Premiere der Puccini-Oper „Turandot“ auf der Seebühne an; in Projekten wie diesem soll die Zukunft des gebürtigen Dresdeners liegen. „Zumindest für die kommenden Jahre, dann werde ich sehen, was sich sonst noch so tut.“ Frey hat in Berlin ein Büro für Klassikevents mit dem Namen „Da Ponte“ eröffnet – so hieß Mozarts Librettist, der zu Amadeus-Zeiten auch ein Händchen für die publikumsträchtige Vermarktung von Stoffen hatte.

Frey will einen ähnlichen Weg gehen, durch Veranstaltungen wie in Bremen auf der Seebühne, den Dresdener Opernball oder ein Projekt am Bolschoi-Theater möchte er „neue Formen entwickeln, um Klassik zu präsentieren“. Da möge das Feuilleton noch so massiv die Nase rümpfen, Frey hat nicht nur große Lust auf seine neue Arbeit, er ist auch überzeugt davon, auf diese Art wieder mehr Menschen in Theater und Oper zu locken. Oder auch: Wer Aida, Turandot oder im kommenden Jahr Carmen als Open-Air-Spektakel erlebt hat, für den ist die Schwelle des Opernhauses nicht mehr so hoch. „Warum soll Klassik nicht von Pop lernen?“ fragt Frey, rein rhetorisch natürlich.

Auch „Marie Antoinette“ sei ein solches Experiment gewesen, sagt er: „Ich wollte ein großes Publikum auch für den Goetheplatz erschließen.“ Leider sei ihm die Wirtschaftskrise und die darauf folgende Unlust am Geldausgeben dazwischen gekommen. Und vielleicht auch ein bisschen die Unlust der Bremer auf das Musical-Theater am Richtweg, dass seit seiner Eröffnung unter einem schlechten Stern steht.

Rückblick mit erhobenem Haupt

Auf seine drei Jahre am Bremer Theater blickt Frey trotzdem „erhobenen Hauptes“ zurück und spricht von einem „Reifeprozess“. Und über seine Rolle als Intendant sagt er: „Ich bin das Gesicht des Theaters“. Das musste er hinhalten für alle Entscheidungen, die im Haus getroffen, für alle Verträge, die geschlossen wurden. Und auch wortwörtlich, wenn es galt, das Theater nach außen zu repräsentieren.

Eine der selten zur vollständigen Zufriedenheit zu lösenden Kernaufgaben dabei: ein ausgewogener Spielplan in allen Sparten. Frey, der nicht nur studierter Kulturmanager und Regisseur ist, sondern auch ausgebildeter Opernsänger, ist mit der Bilanz im Musiktheater sehr zufrieden.

Schwächen dagegen habe es in den vergangenen drei Jahren im Schauspiel gegeben: „Da hätte ich mich mehr einbringen, mehr korrigieren müssen.“ Das Erbe des Schauspiel-Mannes Pierwoß sei dann doch wohl zu übermächtig gewesen.

Beim Tanztheater dagegen ist Frey stolz auf die Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheater und die Länderschwerpunkte in jeder Spielzeit, inklusive der Gast-Choreographen. So habe man dem Publikum mehr Vielfalt anbieten können.

Die Erfahrungen, die er als Intendant des Bremer Theaters gemacht habe, hätten ihn gestärkt, erklärt Frey. Viel gelernt habe er, nicht zuletzt, wie man mit Politikern umgeht und wie Politiker mit Kulturmenschen umgehen. Deshalb kann Frey sich auch durchaus vorstellen, irgendwann einmal erneut ein Musiktheater zu leiten, eine Anfrage eines „international renommierten Hauses“ gibt es angeblich bereits.

Bremen bleibt er übrigens nicht nur durch die Seebühne verbunden: Beim Stadtmusikantenpreis ist Frey nach wie vor engagiert, er leitet einen Opern-Gesangswettbewerb und ist glühender Fan von Werder Bremen. „Vielleicht werde ich die Besuche im Stadion sogar am meisten vermissen“, sagt er.

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