Mitgründer Carsten Werner verlässt die Schwankhalle

"Das ist ein schöner Abschied"

Bremen. Am Sonntagabend hat in der Schwankhalle „Rausch“ Premiere. Für Carsten Werner (46), ist es die letzte Regiearbeit an dem Haus.
14.03.2014, 13:04
Lesedauer: 3 Min
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Am Sonntagabend hat in der Schwankhalle „Rausch“ Premiere – nach Stücken von August Strindberg und Falk Richter. Für Carsten Werner (46), Mit-Gründer des Jungen Theaters Bremen, Journalist und inzwischen auch Bürgerschaftsabgeordneter der Grünen, ist es die letzte Regiearbeit an dem Haus, das er mitgegründet hat. Iris Hetscher hat mit Carsten Werner über die Arbeit für die Kunst und für die Politik gesprochen.

Herr Werner, Sie verabschieden sich nach elf Jahren von der Schwankhalle. Warum ausgerechnet mit einem Stück namens „Rausch“?

Werner: Im „Rausch“ von August Strindberg geht es um Künstlerbiografien. Darauf hatten wir mit einem Ensemble von künstlerischen Individualisten einfach große Lust. Falk Richter hat uns die ganze Zeit über begleitet, als Autor gesellschaftspolitischer Stücke. Die beiden Vorlagen heißen zufällig gleich, wir haben aber viele Schnittmengen gefunden.

Welche?

Sie handeln von der Freiheit des Denkens und ihrem Landen in der Realität des Alltags: Wie entwickeln sich in Beziehungen Haltung und Verantwortung, und wann wird das gesellschaftlich relevant. Wie wollen Künstler sich überhaupt gesellschaftlich äußern? Über diese Themen kann man phantasieren und philosophieren, aber die Fragen werden selbstverständlich nicht von uns beantwortet, sind Denkanstöße für das Publikum. Diese Debatte passt zudem gut zu der Zäsur, die in der Schwankhalle ansteht.

Die Gründergeneration, also auch Sie, sagt tschüss, im Herbst wird es eine neue Leitung geben. Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Ich komme im Moment ja erst einmal zurück. Ich habe fünf Jahre lang keine Regie mehr geführt. Inzwischen wird das Haus von denen geleitet, die mal meine Azubis waren. Das ist ein schöner Abschied, weil es sehr richtig und sehr wichtig ist: So ein Laden wie die Schwankhalle erfüllt nur seinen Zweck, wenn er sich entwickelt und verändert.

Das klingt abgeklärt. Ist das wirklich so bei Ihnen?

Mal sehen, wie der Phantomschmerz danach aussieht. Aber was für das Haus gilt, gilt auch für die Kreativen darin. Ich habe mir ja bewusst vor 15 Jahren mit dem Journalismus ein zweites Standbein aufgebaut und habe für den Berliner „Tagesspiegel“ gearbeitet. Dann habe ich vor drei Jahren mit der Politik angefangen. Ich wollte nie Kunst auf Knopfdruck machen müssen, sondern dann, wenn ich wirklich etwas habe, wirklich will. Das ist natürlich eine Luxussituation, dass das bei mir so geklappt hat. Aber die möchte ich mir bewahren.

Welche Pläne haben Sie beruflich?

Ich habe Lust, weiter Formate und Programme zu gestalten für Veranstaltungen und für Festivals.

Als Abgeordneter der grünen Bürgerschaftsfraktion und Mitglied in der Kulturdepuation könnten Sie da in Konflikte geraten.

Das war ja bisher auch nicht so. Immer, wenn es um die Schwankhalle geht, verlasse ich den Raum und erkläre mich für befangen. Das ist halt die ewige Debatte: Möchte man in der Politik auch diejenigen, die vom Fach sind, oder möchte man sie nicht? Ich finde, Menschen, die in der Materie und auch im Berufsleben stecken, sind ein Gewinn für ein Halbtags-Parlament. Man muss transparent sein, dann gibt es keinen Interessenkonflikt.

Sie machen seit drei Jahren Kulturpolitik für Bremen. Welche Messlatten sollte man vermeiden?

Es darf nicht nur darum gehen, wie die Auslastung ist, also wer wie viele Zuschauer hat, das ist zu einfach. Und Geschmacksfragen dürfen auch keine Rolle spielen. Damit kommt man nicht weiter, weil jedem etwas anderes gefällt.

Welche Kriterien sind dann für Sie entscheidend?

Da gibt es eine ganze Menge. Die überregionale Resonanz einer Einrichtung und auch die fachliche, wissenschaftliche Einordnung gehören dazu. Außerdem: Wie fördert eine Einrichtung Künstler, bildet aus, und welche Projekte setzt sie um? Auch die Verknüpfung mit der Entwicklung von Quartieren ist wichtig. Da muss man die Arbeit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen mit der Gesamtschule Ost natürlich erwähnen, die hat den gesamten Stadtteil aufgewertet. Man muss aber gucken, was wirkt und wie es wirkt. Das kann man, wenn man die richtigen Kriterien entwickelt und kommuniziert, dann auch bewerten und messen: Da unterscheidet sich Kulturpolitik nicht von anderen Politikbereichen. Dazu habe ich in der Entwicklung der Schwankhalle irre viel gelernt.

„Rausch“ von August Strindberg/Falk Richter, Regie: Carsten Werner, hat am Sonntag, 16. März, 20 Uhr, in der Schwankhalle, Buntentorsteinweg 112, Premiere

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