Bremer „Tatort“-Kommissare im Interview „Das ist schon ziemlich cool“

Der Bremer „Tatort“ bekommt gleich drei neue Ermittler. Im Interview sprechen Jasna Fritzi Bauer, Dar Salim und Luise Wolfram über ihre Rollen und was sie mit der Hansestadt verbindet.
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„Das ist schon ziemlich cool“
Von Katharina Frohne
Frau Bauer, Frau Wolfram, Herr Salim, Sie sind die Neuen – und treten ein schweres Erbe an. Ihre Vorgänger Sabine Postel und Oliver Mommsen haben 34 Fälle gelöst, Postel war ganze 22 Jahre im Dienst. Mal ehrlich: Haben Sie Bammel?

Jasna Fritzi Bauer (lacht): 22 Jahre, wow! Das ist eine lange Zeit – ich bin 30! Aber schauen wir mal. Wenn die Leute uns mögen und behalten wollen, sind wir in 22 Jahren vielleicht auch noch da. In Sabines und Olivers Fußstapfen zu treten, ist für uns jedenfalls eine große Ehre.

Dar Salim: Ja! So lange so erfolgreich eine Rolle zu spielen, das ist eine Leistung, vor der ich riesigen Respekt habe.

Ihre Rolle, Frau Wolfram, kennen Fans des Bremer „Tatorts“ bereits. Seit 2016 spielen Sie die eigenwillige BKA-Beamtin Linda Selb. Wie ist es mit Ihnen, Frau Bauer und Herr Salim? Können Sie schon etwas über Ihre Rollen verraten?

Bauer: Wir wissen selbst noch nicht besonders viel, weil wir erst im kommenden Jahr anfangen zu drehen. Unsere Figuren befinden sich deshalb noch in der Entwicklung. Was ich weiß, ist, dass ich Liv Moormann spiele: eine junge Polizistin aus Bremerhaven, die sich bei der Mordkommission beweisen will.

Salim: Ich spiele Mads Andersen, der neu nach Bremen kommt und nur eingeschränkte Befugnisse hat. Ein sehr interessanter Typ – mehr wird noch nicht verraten.

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Haben Sie Mitspracherecht, was die Gestaltung Ihrer Charaktere angeht?

Bauer: Ja, glücklicherweise. Einer meiner Wünsche ist, dass Liv ein geiles Auto bekommt. (lacht). Ich selbst habe allerdings keinen Führerschein, das steht also noch in den Sternen.

Sie ermitteln in Bremen, haben Sie einen Bezug zur Stadt?

Bauer: Bislang kaum – aber ich war schon mal im Schlachthof. Ich habe Sophie Hunger auf Konzertreise begleitet und Merchandise verkauft. Es dauert aber ja noch ein bisschen, bis wir anfangen zu drehen – viel Zeit, sich auf Bremen einzustimmen.

Salim: Ich habe schon mal in Bremen gedreht. In der „Tatort“-Folge „Brüder“, die vor etwa fünf Jahren lief, war ich Mitglied eines schwerkriminellen arabischen Clans. In der Bremer Unterwelt kenne ich mich also schon mal aus. (lacht)

Wann ist der erste Fall mit Ihnen zu sehen?

Bauer: Im Fernsehen 2021. Vorher, also im kommenden Jahr, läuft allerdings schon eine sechsteilige Serie mit uns, die exklusiv in der ARD-Mediathek zu sehen ist: Im Stil einer fiktionalen Dokumentation wird unser Weg vom Casting bis zum Dreh begleitet. Der Zuschauer kann also dabei sein, wenn wir in unsere Rollen finden.

Sabine Postel hat mal in einem Interview gesagt, der „Tatort“ sei für sie ein beruhigendes Ritual: Die Ermittler ermitteln den Täter, Gut schlägt Böse, die Gerechtigkeit siegt. Was bedeutet die Reihe für Sie?

Luise Wolfram: Für mich ist er der gemütliche Abschluss der Woche, ein verlässlich angenehmes Erlebnis, bevor der Montag kommt…

Bauer: …das Schöne vor dem Ekligen! (lacht)

Wolfram: Genau!

Salim: Ich komme aus Dänemark; auch da gibt es Serien, die immer sonntagabends laufen. Man setzt sich zusammen, trinkt Tee, sieht zusammen fern – eine schöne Tradition.

Bauer: Das „Tatort“-Gucken ist ja etwas, das in der Familie vorgelebt und weitergegeben wird. Irgendwann ist man alt genug, mitgucken zu dürfen, und später guckt man mit Freunden, bestellt Pizza und trinkt Bier.

Salim: Ich bin ohne „Tatort“ aufgewachsen, mein Blick auf das Format ist also noch mal ein anderer. Für euch ist das Format selbstverständlich, für mich ist das eine super spannende Idee: Eine so lange laufende Serie, an der sich verschiedene Städte beteiligen, die alle etwas ganz Eigenes aus ihre machen. Jeder Film kann für sich stehen, gleichzeitig können die Kommissare über die Jahre zu Freunden werden. Für mich ist es toll, ein Teil davon sein zu dürfen.

Bauer: Mich fasziniert, dass der „Tatort“ trotz Streaming seine Zuschauer findet. Das ist schon ziemlich cool.

Wolfram: Manchmal zehn Millionen – für mich sind das unfassbare Zahlen.

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Haben Sie ein Lieblingsermittlerteam?

Bauer: Wien mag ich sehr: Eisner und Fellner. Und Meret (Becker, Anm. d. Red.) als Berliner Kommissarin Nina Rubin.

Wolfram: Oh ja, Meret ist großartig! Bei mir wechselt das immer mal wieder. Viel hängt vom Regisseur ab. Das sind ja immer andere; jeder verleiht den Filmen seinen ganz eigenen Stil.

Es gibt diese typischen „Tatort“-Sätze. Dominic Raacke, der damals noch den Berliner Ermittler Till Ritter spielte, sagte mal, er frage gefühlt ständig: „Wo waren Sie gestern Abend?“ Gibt es Krimi-Klassiker, auf die Sie sich freuen?

Bauer: Ich will unbedingt mal eine Wohnung stürmen! Mit Sondereinsatzkommando und allem drum und dran.

Wolfram: Ich will einen Verbrecher überwältigen und zu Boden drücken.

Salim (gespielt schockiert): Ihr überrascht mich…

Bauer: Du willst nur Akten wälzen, was?

Salim: Ich warte entspannt ab, was meine Rolle bringt.

Das Gespräch führte Katharina Frohne.

Info

Zur Person

Jasna Fritzi Bauer spielt die Polizistin Liv Moormann. Bauer stand bereits auf etlichen Theaterbühnen und vor ­Kameras – unter anderem für die Comedyserie „Jerks“.

Dar Salim wurde 1977 in Bagdad geboren und ist in ­Dänemark aufgewachsen. Er spielte unter ­anderem in der ersten Staffel von „Game of Thrones“ mit und verkörpert nun Mads ­Andersen.

Luise Wolfram ist Bremer „Tatort“-Fans bereits als BKA-Ermittlerin Linda Selb bekannt. Zuletzt war sie auch in der ARD-Serie „Charité“ zu sehen.

Info

Zur Sache

Ungewöhnlicher Auftakt

Die erste „Tatort“-Folge mit neuem Bremer Team wird Ende 2020 gedreht. Kennenlernen können Zuschauer das Team schon vorher: Bereits im kommenden Jahr wird in der ARD-Mediathek eine sechsteilige Serie zu sehen sein. Arbeitstitel: „How to Tatort“. Im Stil einer fiktionalen Dokumentation soll der Weg vom Casting bis zum Dreh mit satirischer Überspitzung nachgezeichnet werden. Auch eine Leiche soll es dann bereits geben. Produziert wird „How to Tatort“ von der Bild- und Tonfabrik („Neo Magazin Royale“).

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