Friedenspreis der Villa Ichon Das kreative Wunder von Osterholz-Tenever

Groß war die Freude beim Mütterzentrum Osterholz-Tenever und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, als sie in der Oberen Rathaushalle den Kultur- und Friedenspreises der Villa Ichon entgegen nahmen.
22.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sigrid Schuer

„Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium!“ Einen besseren Schlusspunkt der Verleihung des 33. Kultur- und Friedenspreises der Villa Ichon hätte Stephan Schrader, Cellist bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, mit seinen virtuosen Variationen über Beethovens 9. Sinfonie kaum setzen können. Und die Kinder der Gesamtschule Bremen-Ost (GSO) stimmten mit ein: „Freude schöner Götterfunken!“

Groß war die Freude beim Mütterzentrum Osterholz-Tenever und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, als sie in der Oberen Rathaushalle von Klaus Hübotter, dem Hausherrn der Villa Ichon, die in diesem Jahr mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen nahmen.

„Freude schöner Götterfunken“ und „alle Menschen werden Brüder“ – diese von Friedrich Schiller beschworene und Ludwig van Beethoven vertonte Utopie wird ein Stück weit im multikulturellen Stadtteil Osterholz-Tenever gelebt. Erst 2014 war dort auf dem „grünen Hügel“ die Stadtteil-Oper „Drachensöhne und Feentöchter“ des zeitgenössischen Komponisten Karsten Gundermann in der fulminanten Inszenierung von Julia Haebler zu erleben. Das Publikum war begeistert, obwohl es in Strömen regnete.

Stadtteil-Oper, der Name ist Programm: Ganz Osterholz-Tenever ist auf den Beinen, wenn ein solches Mammutprojekt gestemmt wird. Beim Mütterzentrum laufen viele Fäden zusammen; dort werden Kostüme genäht und passend zum Thema jeder Stadtteil-Oper landestypische Speisen gekocht und auf dem Festspielgelände serviert. Einige der Kostüm-Kunstwerke wurden bei der Preisverleihung auch in der Oberen Rathaushalle gezeigt. Schon jetzt wird auf die nächste Stadtteil-Oper hingearbeitet, verriet Lea Fink, an der GSO künstlerische Leiterin des Zukunftslabors, als sie sich bei den Freunden und Förderern der Villa Ichon und bei den Förderern der Kammerphilharmonie bedankte: „Solche Projekte realisieren zu können, ist alles andere als selbstverständlich.“

Dieses Mal wird Persien das Thema der Stadtteil-Oper sein, die am 8. und 9. Oktober über die Bühne gehen soll. Im Mittelpunkt steht der Arzt, Wissenschaftler und Philosoph Ibn Sina, Vorbild des historischen Romans „Der Medicus“. Die Leiterin des Mütterzentrums Osterholz-Tenever, Christa Brämsmann, zitierte zu Beginn ihrer Dankesrede ein Gedicht von Mascha Kaléko: „Man braucht nur eine Insel allein im weiten Meer, man braucht nur einen Menschen, den aber braucht man sehr!“ Die Bremer Frau des Jahres 2013 betonte: „Wir brauchen viele Menschen, um jedes Jahr wieder diese kulturelle Friedensarbeit Wirklichkeit werden zu lassen.“

Ganz so, wie Heide Rose als Vertreterin des Sozialressorts, die spontan für ihre erkrankte Senatorin Anja Stahmann die Laudatio hielt, zuvor Klaus Hübotters Wort von der kulturellen Friedensarbeit zitiert hatte. Ihre Sach-Strukturanalyse des kulturellen Phänomens Osterholz-Tenever fiel allerdings arg trocken aus. Heide Rose hob die einzigartige Qualität der Stadtteil-Opern, in denen alle Beteiligten über sich hinauswachsen, hervor: „Dieser Magie kann sich niemand entziehen. Sie alle machen sich und uns damit ein Geschenk des Friedens.“ Luise Scherf vom Vorstand der Freunde und Förderer der Villa Ichon unterstrich, dass Osterholz-Tenever ein ganz wichtiger Ort für ein gutes Zusammenleben sei.

Und Bernhard Ostertag, Trompeter bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, der die Preisverleihung gemeinsam mit Stephan Schrader musikalisch umrahmte, fügte hinzu: „Wenn wir in Osterholz-Tenever als Orchester nicht so willkommen wären, hätten wir dort auch keine Wurzeln schlagen können.“ Dem konnten der Geschäftsführer der Kammerphilharmonie Albert Schmitt und Schulleiter Franz Jentschke nur zustimmen.

Den musikalischen Botschaftern Bremens, die mit ihrem künstlerischen Leiter Paavo Järvi in den bedeutendsten Musikmetropolen der Welt gefeiert werden, ist mit der Einrichtung des „Zukunftslabors“ an der GSO ein kleines Wunder geglückt. Der friedliche, kreative Esprit, der das Leben an der GSO bestimmt, war bereits an den Tagen vor der Preisverleihung bei der 17. Ausgabe der „Melodie des Lebens“ zu erleben. Zu dem Kult-Musical, das die Schülerinnen und Schüler mit dem Musiker Mark Scheibe alle halbe Jahre erarbeiten, waren eigens Vertreter der Stuttgarter Sinfoniker, des Kammerchores der Singakademie Potsdam, des Theaters Freiburg sowie Linda Reisch, Geschäftsführerin des von dem berühmten Dirigenten Daniel Barenboim initiierten Musikkindergartens Berlin, angereist. Sie möchten ein Zukunftslabor, in dem Orchestermusiker und Schüler eng zusammenarbeiten, auch in ihren Städten etablieren.

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