Interview mit Intendant Thomas Albert

'Das Musikfest ist wie eine große Partitur'

Bremen. Bremen ohne das Musikfest? Kaum denkbar. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, bietet das Musikfest Bremen ab dem 21. August erneut einen bunten Reigen an ungewöhnlichen sowie hochkarätigen Highlights.
14.08.2010, 09:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Markus Wilks
'Das Musikfest ist wie eine große Partitur'

Seit 21 Jahren Intendant des Musikfestes Bremen: Professor Thomas Albert

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Bremen. Bremen ohne das Musikfest? Kaum denkbar. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, bietet das Musikfest Bremen ab dem 21. August erneut einen bunten Reigen an ungewöhnlichen sowie hochkarätigen Highlights. Professor Thomas Albert steckt auch in seinem 21. Intendantenjahr voller Pläne, Wünsche und Ideen. Einige davon erläutert er im Gespräch mit Markus Wilks.

Für viele Bremer ist das Musikfest wegen der komprimierten Ansammlung an Stars und Geheimtipps der Branche der kulturelle Höhepunkt des Jahres. Was bedeutet Ihnen das Musikfest?

Thomas Albert: Für mich ist das Leben Musik und Musik mein Leben. Und das Musikfest der absolut unmittelbare Ausdruck dessen - auch wenn das jetzt pathetisch klingt. Das Musikfest besteht nicht nur aus Tönen, die gespielt werden, sondern wird auch geprägt vom Miteinander der Kräfte, die es ermöglichen: vom Publikum, von den Künstlern, von den fantastischen Mitarbeitern und der Presse. Es ist wie eine große Partitur, die jedes Jahr neu entsteht, auch wenn die Linien vorgegeben sind.

Wie füllen Sie die einzelnen Stimmen der Partitur? Suchen sie nach geeigneten Künstlern oder bieten Agenturen ihre Kräfte an?

Es ist eine Mischung aus beidem. Meine Mitarbeiter und ich sind viel unterwegs und versuchen Trends der Musikwelt aufzuspüren und diese in Bremer Konzerten vorzustellen. Inzwischen sind wir aber auch so gut vernetzt, dass wir viele interessante Angebote bekommen und rechtzeitig Einfluss nehmen können, wie das jeweilige Bremer Engagement aussehen kann. Etliche Projekte, ich denke da beispielsweise an das Schumann-Projekt der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, das bei uns seine Premiere als Doppelabend feiert, entwickeln sich über Jahre hinweg, bis sie etwas Außergewöhnliches sind.

Wie sind Sie beispielsweise an das Sydney Symphony Orchestra gekommen, das in diesem Jahr in Bremen gastiert?

Dieses hervorragende Orchester gastierte bereits vor 15 Jahren in Bremen. Nun ist es erneut auf Europatournee und hat bei uns angefragt, ob wir noch Kapazitäten frei haben.

Inzwischen findet ein beachtlicher Teil der Konzerte, darunter einige sehr interessante, außerhalb von Bremen statt, sodass man als Bremer manchmal etwas wehmütig gen Wilhelmshaven oder Oldenburg schaut. Muss das so sein?

Ja, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt. Bremen ist keine Insel, sondern ein wesentlicher Teil der Nord-West-Region. Es muss Wechselwirkungen mit dem Umland geben und keine Einbahnstraßen. Obendrein sollte man Bremen nicht mit Konzerten überfrachten.

Kann man denn nicht einige interessante 'Auswärts-Konzerte' wie in diesem Jahr die des Brussels Jazz Orchestra oder des Helsinki Baroque Orchestra einfach ein zweites Mal stattfinden lassen - in Bremen?

Das können wir nicht bezahlen, zumal ein zweiter Konzertabend trotz entfallender Reisekosten nur unwesentlich preiswerter wäre.

Im vergangenen Jahr gab es den Schwer-punkt Oper, unter anderem mit dem 'Idomeneo' im Musicaltheater. War das eine einmalige Angelegenheit?

Nein, im Gegenteil. Wir haben auf 2009, unser Jubiläumsjahr, hingespart und die Kräfte konzentriert, denn Oper ist bekanntlich teuer. Marc Minkowski, der 'Idomeneo'-Dirigent und ich, hatten schon viele Jahre über einen 'Idomeneo' geredet und konnten ihn nun in der Partnerschaft mit Salzburg und Aix-en-Provence umsetzen. Diese Linie werden wir 2011 und 2012 mit jeweils zwei Opernproduktionen fortsetzen, wobei diese nicht austauschbar sein, sondern den hohen Ansprüchen eines Festivals genügen sollen.

Das heißt, Oper ist nur machbar, wenn man spart und Kooperationspartner findet?

Im Grundsatz ist das richtig. Sie müssen bedenken, dass das Festival wächst, mit der Kraft der Privaten und des wachsenden Publikums. Es wächst nicht nur inhaltlich, sondern auch in die Region. Es wird intensiver und größer und schafft damit erst andere Erlebnisräume wie das Musiktheater. Zudem benötigen wir, auch zur Abgrenzung zum regulären Stadttheaterbetrieb, Räume, in denen diese Festspielprojekte passen.

Nach den Events in Hallen und auf dem Domshof, in Ihren Anfangsjahren, scheinen Sie nun mit dem BLG-Forum in der Überseestadt ein kontinuierlich bespielbares Musikfest-Theater installiert zu haben.

Die Hallen haben wir übrigens auch des-halb bespielt, weil die Glocke seinerzeit vor ihrer Renovierung kaum vorzeigbar war. Mit diesen Events konnten wir neue Publikumskreise und die Wirtschaft erreichen, was uns in unserer Entwicklung vorangebracht hat. Und mit dem BLG-Forum agieren wir ganz bewusst in einem Gebiet Bremens, das derzeit ein neues städtisches Image gewinnt - eine einmalige Chance!

Ohne Ihre Förderer ist das Musikfest mit seinem 3,4-Millionen-Etat nicht realisierbar. Nun droht der Senat seinen Zuschuss für 2011 von 700.000 auf 550.000 Euro pro Jahr zu reduzieren. Würden Sie mit dieser Kürzung zurechtkommen?

Es führt kein Weg daran vorbei, dass wir eine Lösung finden müssen. Mein Wunsch ist jedoch, dass wir endlich Ruhe bekommen und für einige Jahre verlässlich planen können. Bestimmte Künstler, selbst wenn sie uns freundschaftlich verbunden sind, kann ich nicht für Bremen engagieren, wenn ich erst im Herbst die finanzielle Zusicherung für das nächste Musikfest bekomme und diese dann schon ausgebucht sind.

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