Serie Bremer Theaterprofis: Die Regie Das Publikum soll schauen, das Publikum soll diskutieren

Bremen. Andrea Moses inszeniert im Schauspiel und in der Oper, aktuell in Bremen den "Don Giovanni" von Mozart. Die Theater-Königsdisziplin Regie ist bei viel gespielten Stücken wie diesem besonders gefordert, einen neuen Ansatz zu finden.
10.02.2010, 16:22
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Das Publikum soll schauen, das Publikum soll diskutieren
Von Iris Hetscher

Bremen. Andrea Moses inszeniert im Schauspiel und in der Oper, aktuell in Bremen den "Don Giovanni" von Mozart. Die Theater-Königsdisziplin Regie ist bei viel gespielten Stücken wie diesem besonders gefordert, einen neuen Ansatz zu finden.

Es gibt lange Debatten darüber, wer im Theater wichtiger ist: Der Schauspieler oder der Regisseur. Derjenige, der auf der Bühne die Rolle verkörpert oder derjenige, der sich davor oder dahinter Gedanken darüber macht, wie der Part angelegt sein soll. Es gibt Regisseure, die ihr Konzept vom Stück fertig im Kopf haben, wenn sie auf die erste Probe kommen und solche, die auf eine Zusammenarbeit mit den Darstellern gespannt sind und die Rolle mit ihnen gemeinsam erarbeiten. Dann gilt es noch die Gattung zu bedenken: Im Sprechtheater muss die Regie anders angelegt sein als in Oper, Musical und Operette, weil die Musik als zusätzliches Element eine besondere Herausforderung für den Regisseur darstellt.

Andrea Moses ist in beiden Theaterformen zu Hause. Die 1972 geborene Dresdnerin hat zunächst den klassischen Weg genommen und Theaterwissenschaft, Geschichte und Germanistik in Leipzig und Berlin und danach Schauspielregie an der Berliner Ernst-Busch-Schule studiert. 1996 begann mit eigenen Inszenierungen unter anderem an den Theatern in Dresden,Cottbus, Stuttgart, Schwerin sowie am Maxim-Gorki-Theater in Berlin. Seit 2004 unterrichtet sie auch an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, im Anhaltinischen Theater Dessau ist sie derzeit Chefregisseurin für Musiktheater und Schauspiel, ab der Saison 2011/2012 ist sie ständige Regisseurin an der Staatsoper Stuttgart.

Zum Musiktheater ist Andrea Moses über Umwege gekommen. "Ich bin einem a-musischen Haushalt aufgewachsen", sagt sie, Notenlesen habe sie sich selbst beibringen müssen. Den Unterschied zur Sprechtheater-Regie beschreibt sie so: "Das Bild in der Oper muss man als Regisseur komplett entwickeln, Sänger agieren anders als Schauspieler." Will heißen: Der Ablauf ist allein durch die Anordnung der Arien und Rezitative erheblich stärker vorgegeben als durch den reinen Text im Sprechtheater. Die Sänger müssen sich auf in erster Linie auf die musikalische Umsetzung konzentrieren.

Die Emotionalität, die durch die Musik automatisch gegeben sei, gelte es mit dem intellektuellen Ansatz der Inszenierungsidee zu kombinieren, beschreibt Andrea Moses. "Keines von beiden sollte ins Hintertreffen geraten, man muss das Stück glaubwürdig übersetzen", sagt sie.

Als sie vom Bremer Theater gefragt wurde, ob sie den "Don Giovanni" von Mozart einrichten wolle, war sie zunächst überrascht, aber "ich fand es reizvoll, es zu versuchen." Eine Frau, die eins der klassischen Männerstücke inszeniert, warum nicht. Die eindeutigen Volkstheater-Elemente des "dramma giocoso" (spielerisches Drama) hat sie betont, hat sich von den vielen berühmten Vorgänger-Inszenierungen, die überwiegend traurig und mit viel Psychoanalyse aufgeladen waren, abgesetzt. Und, dieses Mal aus der Sicht einer Frau, mit den Verirrungen der Liebe auseinandergesetzt.

Sie habe die Frage gereizt, warum drei starke Frauen einem eigentlich gescheiterten älteren Mann immer noch in die Falle gehen, sagt sie.

Und hofft, damit auch im Publikum etwas zu bewirken: "Ich möchte immer mit meiner Arbeit einen Diskurs anzetteln".

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