Rap-Konzert mit Wortakrobaten Dendemann begeistert im Bremer Pier 2

Bislang war er bei Gastspielen an der Weser stets im Schlachthof aufgetreten. Doch bei Dendes neuem Album „Da nich für!“ ist vieles anders, größer, aussichtsreicher.
06.02.2019, 16:20
Lesedauer: 2 Min
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Dendemann begeistert im Bremer Pier 2
Von Hendrik Werner

Der Name der Vorgruppe beginnt mit dem gleichen Buchstaben wie Dendemann, am Dienstagabend Top Act im Pier 2. Dascha doll, könnte man kalauern, hieße der junge Einheizer aus Darmstadt nicht Döll, Fabian Döll. Dass der HipHop-Musiker nicht nur firm in Endreimen, sondern auch in Postleitzahlen ist, zeigt er in „64“, einer Hommage an seine Geburtsstadt („Sechs vier, sechs vier, ich repräsentier'“). Dem Publikum in der bestens gefüllten Mehrzweckhalle attestiert Döll, es sei „viel besser als Scheiß-Hannover“, wo am Vorabend der Tourauftakt stattfand. Der Trainer des dortigen Fußballbundesligisten heißt neuerdings zwar tatsächlich Doll, Thomas Doll, aber toll lief es bei dessen Einstand wahrlich nicht.

Wer Wortspiele wertschätzt, ist bei Dendemann, der um 20.45 Uhr die Bühne betritt, angemessen aufgehoben. Der 44-Jährige, mit bürgerlichem Namen Daniel Ebel, ist gut bei Stimme und insofern auch guter Stimmung, als er erstmals in Bremen „nicht im Schlachthof“ auftritt, sondern an einem Ort, der mehr Fans fasst. Die feiern den Sauerländer Sprachakrobaten von Anfang an ausgelassen. Los legt der Rapper mit der Heimathymne „Wo ich wech bin“ von dem vor zwei Wochen erschienenen Album „Da nich für!“, dem ersten seit neun Jahren. „Du kriegst mich aus dem Dorf, doch das Dorf nich' aus mir“, heißt es darin, und man ahnt bereits bei diesen dialektischen Volten, warum der Bremer Moderator Jan Böhmermann (Neo Magazin Royale) diesen Dendemann – nebst seiner Begleitband Die Freie Radikale – für zwei Jahre (und 65 Sendungen) zum musikalischen Sidekick ernannte.

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In der bewährten Mixtur aus bodenständig angewandter Philosophie und höherem Blödsinn geht es heiter weiter: In „Ich dende, also bin ich“ bezieht er das „Cogito ergo sum“, mit dem René Descartes 1641 seine Selbstzweifel ausräumte, auf eigene Rollenspiele und Ich-Konstruktionen. Der Sound ist, nun ja, fett; außer Dende sorgen ein Perkussionist sowie drei Scratching- und Sampling-Spezialisten für Abwechslung und ironisch wertvolle Zitate aus der reichen Geschichte der Popkultur. Das aufmerksame Auditorium demonstriert seine Textsicherheit erstmals geballt im ausführlichen Refrain des Liedes „Keine Parolen“, das in Gestalt des Versatzstücks „Überdosis Fremdstolz“ ein Stück von Jan Delay travestiert, einem frühen Idol Dendemanns.

Längst wird der Wahl-Hamburger seinerseits umschwärmt. So gastieren etwa Beginner („BGSTRNG“), Casper („Alle Jubilare wieder“) und Trettmann („Littbarski“) auf seinem gewitzten Album. Auch ohne sie gelingt Dende ein denkwürdiges Konzert.

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