Bremer Musiker Thorsten Plath mit neuem Album

Plötzlich Gitarrist

Wenn die Eltern von Thorsten Plath ihrem Sohn nicht ungefragt eine Gitarre geschenkt hätten, wer weiß, was aus ihm geworden wäre. So wurde aus Plath ein Berufsmusiker, der bald ein neues Album herausbringt.
11.04.2021, 05:00
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Plötzlich Gitarrist
Von Alexandra Knief
Plötzlich Gitarrist

Klassisch ausgebildet hat sich der Bremer Gitarrist Thorsten Plath in den vergangen Jahren auch reichlich elektronisches Musikwissen angeeignet.

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Als Thorsten Plath elf Jahre alt war, hatte er nur einen Wunsch: einen Kassettenrekorder. Seine Eltern schenkten ihm stattdessen eine Gitarre, weil ein Lehrer sie darüber informiert hatte, dass ihr Sohn doch recht musikalisch sei. Der elfjährige Thorsten fand das damals natürlich nicht so toll. Der 59-jährige Berufsgitarrist Plath, der bald ein neues Album herausbringt, ist rückblickend allerdings ziemlich dankbar über diesen Alleingang seiner Eltern. „Sie haben aber bestimmt nicht damit gerechnet, dass die Gitarre so bei mir einschlägt!“

Sein Konfirmationsgeld investierte Plath direkt in eine E-Gitarre, es wurde viel geübt, und mit etwa 17 Jahren stand für ihn fest, dass er auch Musik studieren will. „Ich habe damals auch eine Ausbildung zum technischen Zeichner gemacht, aber mir war schnell klar, dass ich das nicht mein Leben lang machen möchte. Die Musik war der Ausweg“, erinnert sich Plath. Und wieder übte er, übte und übte, fing an, klassischen Unterricht zu nehmen - erst in seiner Heimatstadt Göttingen, dann in Hamburg. Er spielte Aufnahmeprüfungen an verschiedenen Hochschulen und bekam schließlich einen Platz an der Hochschule für Künste in Bremen. 1988 machte er hier seinen Abschluss zum staatlich anerkannten Musikerzieher mit Hauptfach Gitarre, zwei Jahre später folgte das künstlerische Diplom.

Auf der Bühne mit Heino, Ernie und Bert

Und nach dem Studium? „Das ist so eine Sache“, sagt Plath. Während man sich zum Beispiel als Geiger klassischerweise für ein Orchester bewirbt, geht das als Gitarrist natürlich nicht. „Man muss also anfangen, sich einen Beruf zusammenzubauen.“ Meistens bestehe der daraus, Unterricht zu geben, während man gleichzeitig versuche, seine künstlerische Karriere voranzubringen. So war und ist es auch bei Plath. Seit den frühen 90er-Jahren unterrichtet er sowohl an der Musikschule als auch an der Hochschule für Künste. Gleichzeitig schreibt er eigene Stücke, hat vier Gitarren-Lehrbücher veröffentlicht, gibt Konzerte - zum Beispiel lange Zeit mit seinem Duo Take Two - und spielt mit verschiedenen Orchestern. Auch Künstlerbegleitungsjobs hat Plath viele gemacht, stand unter anderem mit Heino, Vicky Leandros oder bei einem Kinderkonzert der NDR-Radiophilharmonie mit den Sesamstraßenfiguren Ernie und Bert auf der Bühne. Auch ein eigenes Kindermusical hat der Gitarrist vor einigen Jahren geschrieben - mit einer ungewöhnlichen Story: Es handelt von einem Kinderradventil mit dem Namen Fups - laut Plath, genau das Geräusch, das man hört, wenn man mit der Fahrradpumpe beim Pumpen abrutscht. „Manchmal muss die Kreativität einfach raus bei mir“, sagt Plath und lacht.

Sein Stil ist vielseitig und von ganz unterschiedlichen Genres beeinflusst. „Ich habe zwar klassische Musik studiert, hing aber auch schon immer sehr am Jazz und auch am Rock“, sagt Plath. „Musik ist für mich ein Ausdruck meiner Persönlichkeit, darum war es mir schon immer wichtig, nicht nur Dinge zu interpretieren, sondern auch selbst zu schreiben.“ Manchmal, beschreibt er, vergesse er beim Komponieren komplett die Welt um sich herum.

Vor einigen Jahren hat Plath zudem seine Liebe zur elektronischen Musik entdeckt. Das hört man auch in seinem aktuellen Schaffen.

Seit 2016 widmet er sich dem Soloprojekt "Guijaygoo", bei dem er Einflüsse unter anderem aus Minimal, Ethno, Funk, Jazz und Electro vermischt und mithilfe seiner Gitarren, Controller, Looper und Synthesizer aufnimmt beziehungsweise auf die Bühne bringt. "Alles meins, ich mache alles selbst", so Plath. Am 23. April erscheint beim Bremer Label Fuego sein zweites Album unter diesem Namen. Es hat den Titel "Nine Months" und ist als Download und im Stream verfügbar. Musikalisch setzt Plath hier vor allem auf die Verbindung von Elektronik und Akustikgitarren, bleibt dichter am Instrument, verfremdet weniger als beim ersten Album, bei dem er auch verstärkt zur E-Gitarre griff. "Für mich hat das einen ganz besonderen Charakter, einen schönen warmen Sound."

Der Projektname, der ein wenig nach indischem Guru klingt, hat in Wirklichkeit rein gar nichts mit Indien zu tun, sondern ist aus einem ganz anderen Grund entstanden: „Nämlich, weil ich zu viel Zeit zum Nachdenken hatte“, sagt Plath. Der Name setzt sich aus drei Teilen zusammen: Dem „Gui“ für Guitar, dem „Jay“ wie dem ausgesprochenen J in DJ, und dem Wort „Goo“, das im Englischen so viel bedeutet wie klebriges Zeug. „Ich wollte damit einfach zum Ausdruck bringen, dass ich so etwas wie ein Gitarren-DJ bin, der verschiedene Stile zusammenbringt.“

Normalerweise gibt Plath stets ein Album-Release-Konzert, lädt sich dafür auch Gäste ein, die mit ihm auf der Bühne stehen. Wegen Corona muss dies jetzt aber noch warten. Bis wann, das weiß der Musiker noch nicht genau. Warten allerdings, das kann Plath und wie er schon früh erfahren hat, zahlt es sich manchmal auch aus, denn: Den Kassettenrekorder bekam er am Ende doch noch.

Weitere Informationen

Thorsten Plaths neues Album „Nine Month“ erscheint am 23. April in digitaler Form beim Bremer Label Fuego. Weitere Infos auch auf www.thorstenplath.com.

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