Bremer Theaterknigge (Teil 2): Essen und trinken

Der Drops darf gelutscht werden

Bremen. Stellen Sie sich vor, Sie gingen heute Abend ins Theater und... Ihr Sitznachbar kaut munter vor sich hin. Essen und Trinken während einer Theatervorstellung – das geht gar nicht, wie Siegfried Maschek vom Ensemble des Theaters am Goetheplatz
25.01.2011, 09:00
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Der Drops darf gelutscht werden
Von Iris Hetscher
Der Drops darf gelutscht werden

Der Schauspieler Siegfried Maschek.

Iris Hetscher

Bremen. Stellen Sie sich vor, sie gingen heute Abend ins Theater und... ihr Sitznachbar kaut munter vor sich hin. Essen und Trinken während einer Theatervorstellung – das geht gar nicht, wie Siegfried Maschek vom Ensemble des Theaters am Goetheplatz in einem Video-Interview erläutert.

Den 1-Liter-Eimer Popcorn zur Rechten, den 1,5-Liter-Becher Coca Cola zur Linken – in Multiplex-Kinos ist die Spezies derjenigen, die Hunger und Durst nicht die geringste Chance geben wollen, stets im Übermaß vertreten.

Sitznachbarn, die von Krachlauten begleitet Nachos mit matschiger Tomatensoße in sich hineinschieben oder geräuschvoll Softdrinks schlürfen, müssen von Filmfans erduldet werden. Die entsprechenden Krümel und Gerüche haben sich in älteren Multiplexen fest in Sitze und Teppichböden eingegraben.

Was in Filmtheatern gang und gäbe ist, ist in Theater-Theatern pfui. Popcorn oder Nachos gibt es sowieso nicht an der Garderobe zu kaufen, aber wer denkt, er könne sich deshalb ein Stullenpaket mitbringen, um vier Stunden Wagnersche „Götterdämmerung“ zu überstehen, der irrt.

Denn in heutigen Theatern gilt: Der Sitznachbarn möchte keine Leberwurst riechen, während auf der Bühne das Schicksal zuschlägt. Und auch die Schauspieler fühlen sich gestört – und die sind, im Gegensatz zur Leinwand im Kino, leibhaftig präsent.

Das war einmal anders – zu Shakespeares Zeiten durfte geschmatzt und geschlürft werden, was das Zeug hält. Aber das ist auch fast fünfhundert Jahre her, und damals dauerten Theateraufführungen mitunter einen halben Tag. Auch Bertolt Brecht stand der Idee, Menschen während der Vorstellungen essen zu lassen, positiv gegenüber, beließ es dann aber doch bei theoretischem Lob.

Für unsere Folge des Bremer Theaterknigges erklärt Siegfried Maschek vom Bremer Theater, warum Burger und Brause tabu sind, wenn der Vorhang sich hebt. Der gebürtige Münchener Maschek (54) ist seit der Spielzeit 2000/2001 fest am Bremer Theater engagiert. Zu sehen war er in der Spielzeit 2009/2010 unter anderem im „Woyzeck“ und in „Heiner Müller Material I und II“, außerdem ist er immer wieder in Lesungen mit unterschiedlichen thematischen Hintergründen zu erleben, zuletzt in „Lenz“ von Georg Büchner.

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