Klaus Bernbacher – ein Porträt zum 90. „Ich war ein ewiger Gründer“

Der ehemalige Dirigent und Lokalpolitiker Klaus Bernbacher wird am 25. Januar 90 Jahre alt. Ein Porträt über einen Kämpfer der Kulturpolitik.
25.01.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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„Ich war ein ewiger Gründer“
Von Patricia Friedek

Es gibt diese Menschen, die von sich behaupten, ihnen sei der Geburtstag gar nicht so wichtig. Klaus Bernbacher ist keiner von ihnen. Er ist enttäuscht, dass sein 90. Ehrentag an diesem 25. Januar in eine Zeit fällt, in der er nicht im großen Familienkreis feiern kann. „Es ist ein Alter, für das man dankbar sein kann“, sagt er. Besonders leide er darunter, dass er zu seinen Enkeln und Urenkeln nur über einen Tablet-Bildschirm Kontakt halten kann.

Es gibt aber eine Sache, die dem ehemaligen Dirigenten und Lokalpolitiker an diesem Geburtstag eine besondere Freude bereitet. Radio Bremen sendete am Sonntag den Mitschnitt der Aufführung von Arnold Schönbergs Gurre-Liedern in der Bremer Glocke aus dem Jahr 1982, die Bernbacher damals dirigierte. Die Aufführung sorgte zu dieser Zeit bundesweit für Aufsehen, weil sie eine enorm große Besetzung erforderte – etwa 400 Personen wirkten dabei mit. Zwei Orchester wurden dafür zusammengelegt. Für Bernbacher als ehemaligen Musikchef von Radio Bremen sei das eine große Ehre, sagt er.

Wer ist Klaus Bernbacher?

Klaus Bernbachers Leben ist eines, das man schwer in Gänze auf ein paar Zeilen zusammenfassen kann. Zum einen, weil in 90 Jahren naturgemäß viel zusammenkommt, zum anderen aber auch, weil es so facettenreich war. Er spricht von mehreren Bahnen, auf denen sein Leben verlaufen ist. Die Musik ist eine davon, die Politik die andere, und irgendwo liefen diese beiden Bahnen zusammen, wenn man Bernbachers unermüdliches Engagement für die Kulturpolitik bedenkt.

1931 in Hannover geboren, wurde sein musikalisches Leben bereits durch sein Elternhaus geprägt. Sein Vater war Geiger am Opernhaus Hannover, dadurch kam Bernbacher früh mit Konzertbesuchen in Berührung, spielte Klavier und Horn. Er studierte Musik an der Musikakademie in Hannover und wollte Kapellmeister werden. Furtwängler, Karajan oder Strauss sind Beispiele für die großen Dirigenten und Komponisten seiner Zeit, die Bernbacher bei Proben oder Vorstellungen erlebte. „Ich bin schon immer zweigleisig gefahren. Das eine war die praktische musikalische Tätigkeit, das andere das Stellung beziehen zu aktuellen wichtigen Fragen“, sagt er.

So brachte er die Kultur als Staatsziel in die Verfassung ein, bekam das Bundesverdienstkreuz für die Pflege der neuen Musik und die Förderung des Nachwuchses und die Bremische Medaille für Kunst und Wissenschaft des Senats verliehen. „Ich habe mein ganzes Leben für die Neue Musik eingesetzt. Die zeitgenössische Musik war für mich immer das Entscheidende – das hatte vor allem den Grund, die Dinge kennenzulernen, die wir während des zweiten Weltkriegs nicht hören konnten“, sagt Bernbacher.

Jeunesses Musicales International: ein Instrument der Völkerverständigung

Deshalb mischte er sich nach dem Krieg in die kulturpolitische Entwicklung ein, baute seit 1951 die Jeunesses Musicales International mit auf, eine Organisation zur musikalischen Förderung von jungen Menschen. „Das war ein Instrument, über das wir kurz nach dem Krieg Verbindungen zu den Nachbarstaaten aufbauen konnten. Das war ein großes Erlebnis“, erinnert sich der 90-Jährige.

Später, als Bernbacher Vorsitzender der Jeunesses Musicales wurde, wurden die Grundlagen für die Musikakademie Schloss Weikersheim geschaffen – die heute zu den größten Musikakademien in Deutschland zählt. Auch heute hält er noch Kontakt dorthin und ist Ehrenmitglied, erzählt Bernbacher. Daneben baute er zusammen mit dem Komponisten Klaus Hashagen die „Tage der Neuen Musik Hannover“ auf, die 40 Jahre lang bis 1998 stattfanden – ein Festival, ebenfalls mit dem Kern junger Komponisten und Musiker. Aus seinem Stolz über seine Errungenschaften macht Bernbacher keinen Hehl. „Ich war ein ewiger Gründer. Und fast alles, was ich in die Welt gesetzt habe, ist heute noch am Leben.“

Gespräch über Austauschprogramm für Jugendliche nach Frankreich

Politisch engagierte sich Bernbacher seit den 50er-Jahren in der SPD und unterstützte die Politik von Willy Brandt. Ein Erlebnis aber, und da kam erneut Bernbachers Engagement in der internationalen Jugend-Musikarbeit hervor, bleibt ihm noch heute ganz klar vor Augen: Ein Gespräch im Bonner Bundeshaus mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Bernbacher dirigierte eine Musikveranstaltung zum Volkstrauertag 1962 und wurde Adenauer vorgestellt. Der Altkanzler berichtete ihm von Plänen, einen Vertrag für das Deutsch-Französische Jugendwerk abzuschließen. Das sei auch heute noch aktuell, sagt der 90-Jährige.

Später verließ Bernbacher die SPD und wechselte als Mitglied der Bremischen Bürgerschaft in die Wählergemeinschaft Arbeit für Bremen und Bremerhaven – eine Gemeinschaft, in der vor allem unzufriedene SPD-Mitglieder zusammenkamen.

Trotz seiner vielen Erfolge hatte natürlich auch das Leben eines Klaus Bernbacher Tiefpunkte. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Musicon – die Idee, eine Bremer Philharmonie nach Plänen des Architekten Daniel Libeskind zu errichten. Daraus ist nie etwas geworden, was Bernbacher bis heute bedauert.

Christine Bernbacher war Grünenpolitikerin in Bremen – sie starb 2013

Wenn man ihn aber nach seiner größten Krise fragt, nennt Bernbacher den Tod seiner Frau Christine im Jahr 2013. Die beiden waren seit ihrer Jugend ein Paar, sie in Bremen als Grünen-Politikerin aktiv.

Auch wenn er nicht mehr selbst dirigiert oder komponiert, das Musikalische ist in seiner Familie weiterhin ein großes Thema. Zwar sind seine Söhne Juristen geworden, privat haben sie allerdings immer musiziert.

Und auch um Klaus Bernbacher ist es in dieser Hinsicht nicht still geworden. „Ich höre den ganzen Tag Musik, von morgens bis abends.“

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