Uwe Hollweg wird 80 Jahre alt

Der Kunst-Wohltäter

Der Bremer Unternehmer und Mäzen Uwe Hollweg wird am 13. Oktober 80 Jahre alt. Ohne die Großzügigkeit der Karin-und-Uwe-Hollweg-Stiftung gäbe es in Bremen erheblich weniger Kultur.
12.10.2017, 17:31
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Von Iris Hetscher
Der Kunst-Wohltäter

Karin und Uwe Hollweg und der Fluxus-Briefkasten, der auch zu ihrer Sammlung gehört. Die Frage, ob dort auch Geburtstagspost ankommt, konnte im Vorfeld des 13. Oktobers nicht geklärt werden.

Christina Kuhaupt

Eine Feier gab es bereits im vergangenen Jahr, genauer gesagt, am 11. Dezember. An jenem nasskalten Sonnabend hatten Uwe Hollweg und seine Frau Karin eingeladen, um den 20. Geburtstag ihrer Stiftung zu feiern. Um dies gebührend zu würdigen, hatte das Ehepaar einen neuen, opulenten Bestandskatalog seiner umfänglichen, Am Wall beheimateten Kunstsammlung unter dem Titel „...sehen, was ist“ erstellen lassen. Im WESER-KURIER erschien aus diesem Anlass ein Dossier, in dem exklusiv Bilder aus der Sammlung zu sehen waren, dieser wunderbaren Kollektion vor allem abstrakt arbeitender Künstler, zu denen das Bremer Ehepaar nicht selten auch Kontakt pflegt.

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Gratulationen wird es auch am Freitag viele geben, dieses Mal rückt nicht die Kunst, sondern Uwe Hollweg selbst in den Mittelpunkt. Denn der Bremer Unternehmer wird am 13. Oktober 80 Jahre alt. Er steht nicht nur für das Familienunternehmen Cordes & Graefe, das heute 15.000 Mitarbeiter in ganz Europa hat. Uwe Hollweg ist in der Stadt mindestens genauso bekannt als überaus großzügiger Mäzen. Oder anders gesagt: Ohne die Mittel aus der Karin-und-Uwe-Hollweg-Stiftung gäbe es sehr viel weniger Musik, Theater, Literatur und Kunst in Bremen.

Ein hanseatischer Schelm

Doch wie kommt einer, der sein Geld im Sanitär- und Heizungsgroßhandel verdient hat, zur Kunst? „Das hätte ich mir als kleiner Klo-Händler nie träumen lassen“, hat Uwe Hollweg im Interview vor knapp einem Jahr gesagt – ein hanseatischer Schelm ist er auf jeden Fall, sein trockener Humor blitzt im Gespräch schnell auf. Kunst, das schwingt in der oben zitierten Aussage Hollwegs mit, war nicht unbedingt das Thema am Abendbrottisch der Eltern. Sohn Uwe, 1937 geboren, lernte zunächst ganz klassisch Großhandelskaufmann und trat 1956 in das väterliche Unternehmen ein. Ein Leben als Kaufmann schien vorgezeichnet. Als er dann 1963 seine Frau Karin beim Skilaufen im Klein-Walsertal kennenlernte und die beiden sich zwei Wochen später verlobten, tat sich ihm noch eine weitere Welt auf. In der Familie von Karin Hollweg, 1947 ebenfalls in Bremen geboren, waren Kunst, Gestaltung, Design, ganz selbstverständliche Themen: Ihr Vater hatte als Werbegrafiker in Los Angeles gearbeitet. Sie selbst begann mit 22 Jahren, Malerei zu studieren.

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Das hatte ganz konkrete Auswirkungen auf das Leben im Hause Karin und Uwe Hollweg. Zu Weihnachten oder zu Geburtstagen schenkten die beiden sich Kunst. Nicht gezielt, sondern das, was gefiel. So ist es bis heute geblieben. Er habe sich anfangs schon ab und an gefragt, ob das wirklich Kunst sei, was seine da Frau da sammelte, erzählte Uwe Hollweg im Mai in der Talkreihe „WESER-Strand“. Doch wer fragt, beschäftigt sich mit einem Thema, und so wurde aus dem Kaufmann ein kunstsinniger Kaufmann, der beim Anblick eines Pissoirs inzwischen eher an Marcel Duchamp denkt denn an Preislisten für Sanitäranlagen.

Ein "Sammelsurium" habe man über die Jahrzehnte zusammengetragen, sagt Karin Hollweg denn auch; dieses Wort klingt tiefgestapelt, wenn man weiß, um welche Künstler es sich handelt: Immer wieder Wols, mit dem alles begonnen hat, Emil Schumacher, Antoni Tàpies, Richard Hamilton, Mark Tobey, Salvador Dalí, Norbert Schwontkowski. Zum Beispiel. Alle 1200 Werke sind mittlerweile in den Besitz der Stiftung übergegangen, die von den drei Töchtern des Ehepaars betreut wird. Und damit ist neben "Sammlung" das zweite Stichwort gefallen: "Stiftung". Denn die Liebe zur Kunst hatte bei Uwe Hollweg eine langfristige Nebenwirkung. Vor 21 Jahren, als Hollweg sich nach 40 Jahren als geschäftsführender Gesellschafter bei Cordes & Graefe zurückzog, "wollte ich noch irgendetwas machen". Die Politik kam für ihn nicht mehr in Betracht, damit war er durch. Den CDU-Landesvorsitz hatte Uwe Hollweg 1979 aus Protest gegen die Nominierung von Franz-Josef Strauß zum Kanzlerkandidaten niedergelegt, war danach von 1983 bis 1991 Bürgerschaftsabgeordneter der Partei.

Die "Groschen in Bremen" verdient

Das Ehepaar entschloss sich also, erwähnte Stiftung zu gründen, die seither mit mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr das kulturelle Leben vor allem in Bremen fördert. Man kann Geld auch anders anlegen, es soll Menschen geben, die sich Jachten oder Häuser in der Schweiz kaufen, doch das sei für ihn nicht in Frage gekommen, so Uwe Hollweg. Seine Firma habe ihre "Groschen in Bremen" verdient, für ihn sei es daher selbstverständlich gewesen, der Stadt etwas zurückzugeben. Großzügig war offenbar schon sein Vater: „Nach dem Krieg gab es für die Mitarbeiter Kohlen und für die Kinder den ersten Konfirmationsanzug. So war der Alte", so Hollweg in einem Interview.

Die Liste der Einrichtungen und Projekte, die die Hollwegs seither mit Geld bedacht haben, ist ellenlang. Sie startet bei A wie „Agit Polska. Polnisch-Deutsche Initiative für Kulturkooperation“ und endet bei W wie „Worpsweder Museumsverband“, jedenfalls tat sie das im Dezember 2016. Es ist durchaus möglich, dass inzwischen noch die Buchstaben X,Y und Z abgedeckt worden sind. Die Kunsthalle Bremen war und ist ein Schwerpunkt des Engagements, außerdem die Deutsche Kammerphilharmonie, das Musikfest und neuerdings das Übersee-Museum. Bremer Leuchttürme.

Karin-Hollweg-Preis

Außerdem wird jedes Jahr der Karin-Hollweg-Preis für Meisterschüler der Hochschule für Künste Bremen vergeben, mit 15.000 Euro eine der am höchsten dotierten Auszeichnungen dieser Art in Deutschland. Auch der Rest der Republik bekommt ab und an etwas ab – so hat das Ehepaar den Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche mit knapp einer halben Million Euro gefördert.

Längst ist Uwe Hollweg Ehrenbürger seiner Heimatstadt, als kleines Dankeschön dafür, dass seine Stiftung ganz viel unterschiedliche Kultur vor Ort ermöglicht. Und er hat seinen Frieden mit den ideologischen Betonköpfen gemacht, die lange argwöhnten, die Hollwegs wollten mit ihrer Stiftung eine Art Gegen-Kulturpolitik in Bremen etablieren. Uwe Hollweg, so hat es Kunsthallen-Direktor Christoph Grunenberg einmal formuliert, sind „übertriebene Lobhudeleien“ zuwider. Von daher ist jetzt Schluss. Nur dies muss noch sein: Alles Gute zum Geburtstag!

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