Kulturkirche St. Stephani würdigt das Gesamtwerk des Malers Erhart Mitzlaff / Ausstellung bis zum 22. Januar Der malende „Friedenshetzer“

Bremen. Er selbst nannte sich „Friedenshetzer“ und war ein überzeugter Pazifist: Erhart Mitzlaff. Vielen Bremern dürften die farbenprächtigen Glasfenster des Fischerhuder Künstlers vertraut sein, die in zahlreichen Kirchen der Stadt zu sehen sind.
10.09.2016, 00:00
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Der malende „Friedenshetzer“
Von Uwe Dammann

Bremen. Er selbst nannte sich „Friedenshetzer“ und war ein überzeugter Pazifist: Erhart Mitzlaff. Vielen Bremern dürften die farbenprächtigen Glasfenster des Fischerhuder Künstlers vertraut sein, die in zahlreichen Kirchen der Stadt zu sehen sind. Auch in der Kulturkirche St. Stephani mit ihrem schlichten, weißen, fast bilderlosen Kirchenraum finden sich als einzige Farbtupfer inmitten der Kirche hinter dem Altar die künstlerisch gestalteten bunten Glasfenster.

Erhart Mitzlaff war jedoch mehr als ein Glasgestalter. Der gelernte Architekt schuf ein umfangreiches künstlerisches Werk, er malte dabei in den unterschiedlichsten Techniken. Zum 100. Geburtstag des Künstlers und des zehnjährigen Bestehens der Kulturkirche St. Stephani zeigt die Kirche bis zum 22. Januar eine Ausstellung über Erhart Mitzlaff, die an diesem Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet wird. Kurator der Ausstellung ist Frank Laukötter, aber in erster Linie hat sich die Leiterin der Kulturkirche, Diemut Meyer, mit dieser Ausstellung einen Herzenswunsch erfüllt. „Ich bin vor zwei Jahren in die Kirchengemeinde gekommen und war fasziniert von diesen Fenstern“, sagt sie. Sofort entstand die Idee, das Werk des Künstlers mit einer eigenen Ausstellung zu würdigen. Zwei Jahre dauerte es, bis das Projekt realisiert werden konnte. Hauptleihgeber für die Ausstellung sind Hanna und Jakob Mitzlaff, die Kinder des Künstlers, die den Nachlass ihres Vaters verwalten.

„Mitzlaff war politisch sehr wach – seine Kriegserfahrungen haben ihn nie losgelassen“, sagt Kurator Frank Laukötter. Mitzlaff wurde am 22. Oktober 1916 in Kiel geboren und wuchs in Mannheim auf. In Stuttgart und in Karlsruhe studierte er Architektur. Nach dem Krieg wandte er sich ganz der Malerei zu und zog 1946 nach Fischerhude. Der Künstler, der im Juni vor 25 Jahren starb, war Laukötter zufolge bei allem ein Brückenbauer. „Und zwar im übertragenen Sinn: zwischen Bau und Bilderbau, zwischen Ästhetik und Ethik, zwischen einem gegenwärtigen und einem zukünftigen Zustand der Menschlichkeit“.

Die Ausstellung verdeutlicht Mitzlaffs künstlerische Entwicklung, die gegenständlich beginnt und zunehmend abstrakt wird. Im Mittelpunkt stehen aber auch die Glasfenster, in die man sich förmlich „einsehen“ muss. Der frühere Direktor der Kunsthalle Bremen, Günter Busch, sprach davon, „dass Mitzlaffs Bilder mit den Augen zu erlauschen seien“. Eine treffende Beschreibung. Wer sich die Fenster intensiv ansieht, findet Szenen aus der Hebräischen Bibel sowie dem Alten und dem Neuen Testament. Man kann den Künstler vor allem aber auch selbst entdecken. Als „Hiob“ in Rot, der einer gewaltvollen Gegenwart die Vision der unbedingten Liebe entgegensetzt, erläutert Pastorin Diemut Meyer.

Die Ausstellung zeigt über 40 Arbeiten aus der christlichen, individuellen und politischen Ikonografie Mitzlaffs, der im fortschreitenden Alter immer mehr Utopie-Bilder schuf, auf denen er nicht selten selbst zu sehen ist. Besonders deutlich wird das in dem Bild „Utopie-Stadt“, ein Ölbild aus dem Jahr 1978. Architektonische Fragmente der Gotteshäuser der Weltreligionen versinnbildlichen deren friedliches Miteinander. Außerdem finden sich darin Worte wie „Brüderlichkeit“, „Liebe“ oder „Utopie“. „Es ist eine überaus aktuelle Arbeit über Toleranz, interreligiösen Dialog und Humanität“, sagt Laukötter.

Zur Ausstellung organisiert die Kulturkirche ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Gottesdiensten, Musik, Film, Gesprächen und einem Besuch im ehemaligen Atelier von Mitzlaff in Fischerhude-Quelkhorn. Außerdem ist ein Katalog erschienen.

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