„Battle Rap Cyper“

Der Rap in Bremen soll aufleben

Als „Sprachrohr der Straße“ bezeichnet Maikel Eckert Battle-Rap. Mit der „Battle Rap Cypher“ etabliert der 29-Jährige, auch bekannt unter seinem Künstlernamen „Mykill“, eine eigene Liga in Bremen.
25.09.2018, 22:21
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Von Niklas Golitschek
Der Rap in Bremen soll aufleben

Beleidigungen gehören zum Standard-Repertoire: Bei der "Battle Rap Cypher" treten Rapper aus der Region zum Duell an.

Niklas Golitschek

Wenn Maikel Eckert über Rap in Bremen spricht, fällt sein Fazit nüchtern aus. „Bremen ist tot“, sagt der 29-Jährige. Er selbst ist seit seiner Jugend unter dem Pseudonym „Mykill“ unterwegs, kennt auch mehrere Rapper in der Hansestadt und umzu. Mit einer eigenen Liga, der in diesem Jahr gegründeten „Battle Rap Cypher“ (BRC), will Eckert den Rap in Bremen aufleben lassen.

Gerade erst ist „MyKill“ mit seiner Gruppe aus Dortmund zurückgekehrt. Dort ging am vergangenen Wochenende die Battle-Rap-Bundesliga über die Bühne. Viel Zeit, um zurückzublicken, bleibt Maikel Eckert allerdings nicht: Sein Fokus richtet sich auf die nächste Veranstaltung, die er selber organisiert. Diese ist auch ein Jubiläum, zum zehnten Mal lädt Eckert mittlerweile zu einer Cypher, wie die Wettbewerbe heißen.

Los geht es am Freitag, 28. September, ab 19 Uhr in der Konobar, Am Schwarzen Meer 141. Bei einer Cypher treten zwei Rapper gegeneinander an, auch Gruppen-Wettkämpfe sind möglich. Im „Written-A-cappella-Battle“ haben sie in drei Runden jeweils drei Minuten Zeit, um ihre Werke vorzutragen. Fünf solcher Duelle wird es zum Jubiläum geben.

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Die Gegner sucht Eckert vorab aus und stellt die Duelle zusammen, vier bis acht Wochen Vorbereitungszeit bleiben den Teilnehmern dann, um ihre Zeilen zu schreiben und einzustudieren. Beats oder Hintergrundtöne? Fehlanzeige. Auch ein Mikrofon gibt es nicht. Stattdessen müssen sich die Rapper voll auf ihre Stimme verlassen.

„Ich lege Wert darauf, dass das A-cappella-Battle ohne Mikrofon stattfindet“, sagt der Initiator. Unter der Brücke gebe es bei einem Battle auch kein Mikrofon, das Stimmvolumen müsse reichen. „Es ist auch eine coolere Atmosphäre“, sagt Eckert. Als Höhepunkt des Abends wartet dann ein On-Beat-Battle, in dem die beiden Kontrahenten zu Beats rappen. Für Eckert die Königsdisziplin: „Da trennt sich die Spreu vom Weizen.“

Ziel in einem Battle ist, die Gunst des Publikums und der Jury zu erlangen. Beleidigungen, immer wieder auch unter der Gürtellinie, zählen dabei zum Standard-Repertoire der Rapper. „Ein Battle ist ein Battle. Das sollte roh sein. Es ist das Sprachrohr der Straße“, sagt Eckert. Von Regeln halte er deswegen wenig, wenn auch auf die Empfindlichkeiten der jeweiligen Gegner Rücksicht genommen werde. Vor dem Battle setze jeder seine „No Go’s“, also persönliche Grenzen. Die seien dann zu respektieren.

Provokationsvideos von den Hauptwettkämpfen

Auch ethische Grenzen müsse jeder selber ziehen. Für Eckert gilt jedoch der Grundsatz: „Umso regelloser, umso unterhaltsamer.“ Selbst wüste Beschimpfungen des Gegenübers oder dessen Familie würden in der Regel hingenommen. „Rapper sind offen füreinander und feiern die Zeilen gegenseitig. Am Ende ist es nur Rap“, sagt der BRC-Gründer. Gerade der Battle-Rap habe eben hauptsächlich einen Gegnerbezug. Er sei jedoch immer noch besser als Prügeleien oder Streitereien in den sozialen Medien. „Das ist wie ein Ring“, sagt Maikel Eckert. Deswegen plädiert er auch dafür, Battle-Rap als Kunst anzuerkennen.

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Mit seiner Liga will der Gründer eben das auch fördern. Vor den Haupt-Wettkämpfen veröffentlicht er mittlerweile Provokationsvideos im Internet. Um das Publikum „auf Spannung zu halten“, sagt Eckert. In einem weiteren Format, der „Hoodbox“, stellt er zudem die Rapper aus der Region vor. Bei den Cyphers selbst werden auch immer „Open Mic“-Runden angeboten, in denen sich Zuschauer am Rap probieren und ein paar Zeilen sprechen können.

Maikel Eckert hat auch schon weitere Pläne für die „Battle Rap Cypher“. Eine erste Ausgabe in Hamburg ist bereits geplant, im kommenden Jahr will sich der Industrielackierer mit der Liga selbstständig machen. Sein Traum: Mit der BRC irgendwann das Bremer Theater füllen.

Weitere Informationen

10. Battle Rap Cypher: Freitag, 28. September, 19 Uhr, Konobar, Am Schwarzen Meer 141. Eintritt: 12,50 Euro (10 Euro VVK).

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