Désirée Nick spielt am Theater Bremen

Der schöne Sigismund wartet schon

Regisseur Sebastian Kreyer will das „Weiße Rössl“ am Theater Bremen von hinten aufzäumen. Und Désirée Nick übernimmt dabei die Rolle der Josepha Voglhuber.
12.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Der schöne Sigismund wartet schon
Von Iris Hetscher

Schrill? Was ist schon schrill? Désirée Nick lächelt leicht und legt los: „Also, seit den griechischen Tragödien kann eigentlich gar nichts mehr schrill genannt werden – da gibt es Inzest, Gewalt, Wahnsinn, es werden Kinder verspeist. Mehr geht doch nicht.“

Na gut, dagegen ist wenig zu sagen. Doch Regisseur Sebastian Kreyer will das „Weiße Rössl“ am Theater Bremen durchaus von hinten aufzäumen, wenn man ersten Aussagen trauen darf; will alle möglichen Stilrichtungen ohne Gnade durcheinanderwirbeln. Das ist ja dann wohl mindestens... schräg.

Nick schaut skeptisch, wiegt den Kopf, dann platzt es aus ihr heraus: „Wissen Sie, ich finde das einfach sensationell!“ Désirée Amneris Saskia Pamela Aida Nick, Schauspielerin, Autorin, Moderatorin, Dschungelkönigin, Tänzerin, Entertainerin, bekannt als Freundin von Klaus Wowereit und eigentlich sowieso wie eine bunte Hündin, spielt am Theater Bremen die Josepha Voglhuber – die Hauptrolle im Singspiel von Ralph Benatzky. Zum ersten Mal macht die Nick Musiktheater „so richtig mit Dirigent und großem Orchester“, und sie ist die Wunschbesetzung von Sebastian Kreyer, der vor fünf Jahren gar ein Stück über die Berlinerin mit dem Titel „Mehr als ein Damenwitz“ in Köln auf die Bühne gebracht hat. Jetzt spielt und singt die 58-Jährige also im „Rössl“ – einem Stück, das vor allem in der Nachkriegszeit zur Inkarnation von Muffigkeit wurde: Schunkeln am Wolfgangsee bei untergehender Sonne, gerne mit Peter Alexander oder Anneliese Rothenberger. Operettenseligkeit mit Piccolöchen. Dabei kommt das „Rössl“ eigentlich aus einem ganz anderen Stall. 1930 uraufgeführt, wurde die „Revueoperette“ eher als frivole Schwester der „Dreigroschenoper“ verortet. Die Geschichte um die resolute Voglhuberin und ihre Gäste ist im Original denn auch eher kunterbunt denn biederselig – mal ganz abgesehen von den vielen Gassenhauern, die dem Werk seinen Schwung verleihen.

Das ist wieder so ein Stichwort für Désirée Nick: „Jedes Kind kennt diese Stücke, bei vielen denkt man doch, das sind Volkslieder“. Und in der Tat – die Melodien zu „Es muss was Wunderbares sein, von Dir geliebt zu werden“, „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“ oder „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ dürften viele spontan mitsummen können. Die Rolle der resoluten Wirtin liegt Nick dabei sehr am Herzen. „Das ist eine emanzipierte Frau, die hart um ihre Karriere kämpft, für ihren Beruf alles gibt und es deshalb schwer hat, Liebe zu finden“. So soll die Voglhuberin rüberkommen, mit vielen Facetten und natürlich auch ein wenig schillernd – wer Nick engagiert, bekommt auch Nick. Seit Anfang Januar arbeitet sie an der Umsetzung dieser Idee und ist irgendwie froh, nicht in Berlin zu sein. „Da könnte ich mich gar nicht konzentrieren; hier habe ich einen Spatzenradius, gehe morgens ins Theater und abends zurück in meine kleine Wohnung in der Nähe. Wunderbar.“ Außerdem wird sie sich den Spaß erlauben, die Voglhuberin auf Österreichisch zu geben, weil dies „das Tor zu einer anderen Gemütswelt öffnet“. War zwar nicht so einfach, sich das Berlinern abzugewöhnen, doch was tut man nicht alles für die Kunst. Man merkt, Désirée Nick freut sich, dabei zu sein.

Zum Schluss noch ein Blick in die Glaskugel: Irgendwelche Wünsche für das nächste Engagement, Frau Nick? „Ich würde wahnsinnig gerne mal in einem historischen Kostüm auf der Bühne stehen, so mit Rüschen und Pleurosen – einfach mal reinschnuppern in dieses Milieu.“ Man darf gespannt sein.

„Im Weißen Rössl“, Premiere am 26. Februar, 19.30 Uhr, Theater Bremen; danach am 28. Februar, am 5. und am 7. März, 19.30 Uhr

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