Bremer Theaterprofis

Der Schuhkarton des Bühnenbildners

Bremen. Das Bühnenbild zur Inszenierung von Tennessee Williams „Die Glasmenagerie“ im Moks ist Jürgen Höths erste Arbeit in der Hansestadt. Seine Bühne ist bewusst schlicht gehalten - wie ein Schuhkarton.
29.03.2010, 06:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Meike Lorenzen

Bremen. Das Bühnenbild zur Inszenierung von Tennessee Williams „Die Glasmenagerie“ (1944) im Moks im Bremer Theater ist Jürgen Höths erste Arbeit in der Hansestadt. Die Ausstattung der Bühne ist reduziert, die Wände wirken kahl, fast wie die Innenseiten eines Schuhkartons.

Hätte ein kreativer Kopf wie Jürgen Höth, der an der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln studiert hat, nicht mehr aus der Bühne machen wollen? „Nein“, widerspricht er. „Das Bühnenbild ergibt sich schließlich aus der Lektüre.“ Aufmerksam hat er das Stück gelesen und sich am Ende - gemeinsam mit der Dramaturgin Diana Insel und dem Regisseur Matthias Kaschig - für genau diese Umsetzung entschieden. Kaschig hat Jürgen Höth nach Bremen geholt. In Bielefeld hatten die beiden bereits zwei Mal zusammengearbeitet.

Was sich die kreativen Köpfe überlegen, wird am Ende in den Werkstätten umgesetzt. Mit dem Bühnenbild der „Glasmenagerie“ hatten die Handwerker des Theaters verhältnismäßig wenig Arbeit. Vor den kargen Wänden setzt die Inszenierung auf die ausführlichen Regieanweisungen von Tennessee Williams. Nur ein optisches Schmankerl gönnt Höht den Zuschauern: Ein Adler prangt unter der Decke.

Der große Vogel ist nicht nur ein Hingucker, sondern lässt vor allem Raum für Interpretationen. Das gleiche gilt für die kleinen Plastikgebilde, die auf dem Bühnenboden vertreut liegen. Sie stellen die Figuren der Glasmenagerie der Hauptfigur Laura dar.

Laura Wingfield hat eine Behinderung am Bein und lebt gemeinsam mit ihrer Mutter Amanda und ihrem Bruder Tom in einer kleinen Wohnung St. Louis. Alle drei haben den Wunsch, aus ihrem Alltag zu fliehen. Während Amanda sich nach ihrer Jugend in Reichtum zurücksehnt, flüchtet sich Lagerarbeiter Tom in den Alkohol und träumt davon, eines Tages ein Dichter zu sein. Auch Laura zieht sich komplett zurück und lebt ausschließlich im fantasievollen Spiel mit den Figuren der Glasmenagerie auf.

Der Fantasiewelt der Figuren gibt Jürgen Höths Bühne Platz. Sie gibt wenig vor und lässt so auch dem Zuschauer Raum für eigene Interpretation. So gefällt es dem Bühnenbildner.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+