Ausstellung in der Bürgerschaft Die 68er im Spiegel von Cartoons

Im Haus der Bürgerschaft ist jetzt die Ausstellung "Die 68er in Cartoons" mit viel Zeichner-Prominenz eröffnet worden. Die Schau ist bis zum 15. Juni zu sehen.
18.04.2018, 18:44
Lesedauer: 2 Min
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Die 68er im Spiegel von Cartoons
Von Sigrid Schuer

Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut und sie manifestiert sich vielleicht am wirkungsvollsten in der Kunst der Karikatur. Nicht von ungefähr richtet der WESER-KURIER unter anderem den Deutschen Karikaturenpreis mit aus und ist Kooperationspartner der Ausstellung "Die 68er in Cartoons", die nun im Haus der Bürgerschaft eröffnet wurde.

Neben Bürgerschaftspräsident Christian Weber hielt bei der Veranstaltung am Dienstagabend auch WESER-KURIER-Chefredakteur Moritz Döbler ein Plädoyer für die Gedankenfreiheit, die sich gerade auch in der Pressefreiheit manifestiert. Ein bisschen 68er-Atmosphäre kam auf, als sich die AfD, die zu einer Demonstration vor dem hohen Haus aufgerufen hatte, und Gegendemonstranten verbale Auseinandersetzungen lieferten. "Das ist gelebte Demokratie", kommentierte der Bürgerschaftspräsident.

Bei der Vernissage waren prominente Karikaturistinnen und Karikaturisten zu Gast. So konnten sich die Anwesenden den zur Ausstellung erschienen Katalog etwa von Bettina Bexte, Miriam Wurster oder Harm Bengen signieren lassen. An einer Video-Station kann man das Interview hören und sehen, das Jörg-Helge Wagner, Politikchef des WESER-KURIER, mit dem Karikaturisten Til Mette geführt hat.

Christian Weber verabschiedete nach zwölf Jahren Horst Monsees, der als Pressesprecher die Bürgerschaft verlässt, um sich neuen Aufgaben zu widmen. Monsees, zuvor langjähriger Redakteur beim WESER-KURIER, hat sich während seiner Amtszeit immer wieder dafür eingesetzt, im Haus der Bürgerschaft Karikaturen zu zeigen. Zuletzt zu Beginn des Jahres zum wiederholten Mal Karikaturen des Pariser Satire-Magazins "Charlie Hebdo".

Mit dem investigativen Journalisten, Fotografen und Buchautoren Gerhard Kromschröder hielt zudem ein prominenter Zeitzeuge eine Rede. Gerhard Kromschröder hat von 1967 bis 1979 bei der satirischen Zeitschrift "Pardon" in Frankfurt am Main gearbeitet, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur. "Bei 'Pardon' fühlten wir uns als Teil der aufbegehrenden Jugend und ihrer Revolte, sahen uns in Teilen sogar als deren Stichwortgeber. Hier formierte sich auch das Personal, das später 'Titanic' gründen und unter dem Markennamen 'Neue Frankfurter Schule' firmieren sollte", sagte Kromschröder. Er erinnerte sich an seine Anfängerzeit, als er als junger, investigativer, unbequemer Journalist im Emsland von Alt-Nazis schließlich weggemobbt wurde. Der Journalist verwies auch auch auf das Werk "Mein progressiver Alltag" des Soziologen Chlodwig Poth, einst sein Weggefährte bei der "deutschen satirischen Monatsschrift" "Pardon". Laut Poth haben es die 68er nicht leicht mit sich und den Nachgeborenen. Und Kromschröder betonte, dass sich das juvenile Misstrauensvotum gegen die 68er selbst richtet: "Ihre Revolte wird 50, längst sind sie im Rentenalter, haben Patina angesetzt, sind Geschichte". Es bleibt die Frage: Wie war das damals, was ist Mythos, was hat es gebracht, was bleibt? Die Ausstellung "Die 68er in Cartoons" versucht eine ebenso kluge wie humoristische Antwort darauf zu geben.

Die Schau ist bis 15. Juni im Haus der Bürgerschaft von montags bis freitags in der Zeit von 10 bis 17 Uhr zu sehen (nicht an Plenartagen). Der Eintritt ist frei.

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