Theater am Goetheplatz

„Die Abenteuer des Huckleberry Finn“: Flussfahrt mit Mummenschanz

Theater am Goetheplatz: Klaus Schumacher inszeniert „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ als anspruchsvolles Familienstück mit grandios aufgelegten Darstellern. Auch Bühnenbild, Kostüme und Musik überzeugen.
12.11.2018, 17:01
Lesedauer: 2 Min
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„Die Abenteuer des Huckleberry Finn“: Flussfahrt mit Mummenschanz
Von Hendrik Werner

Zur Uraufführung gelangt diese berührende Geschichte einer Flucht an einem verregneten Sonntagnachmittag, der Fernweh wecken kann – oder Lust auf jene Gegenwelt, die literarische Fiktionen bergen. Dass die zum Jugendbuchkanon zählende Geschichte, die in Bremen neu erzählt wird, bejahrt und doch zeitlos aktuell ist, legt der erste Blickfang nahe, der sich im Theater am Goetheplatz darbietet: eine anfangs bräunlich illuminierte Flusslandschaft mit Silberstich.

Vor das Abbild des Stromes Mississippi, der durch die Südstaaten der USA mäandriert, hat Bühnenbildnerin Karin Plötzky ein Floß gesetzt, das in den vielen theatralisch überpointierten Momenten des vorwiegend heiteren Familienstücks auch als zusätzliche Bühne auf der Bühne dient. Später gerät zudem ein begehbares hölzernes Proszenium in den Blick, das ebenfalls den Kunstgriff dieser gewitzten Inszenierung augenfällig macht – und jener smarten Mark-Twain-Adaption, auf der sie basiert: ein Stück im Stück. Gerade so wie in Shakespeares „Sommernachtstraum“ und „Hamlet“. Mit allen Chancen und Schikanen, die diese anspruchsvolle, komplexe Konstellation für Akteure und Zuschauer zeitigt.

Grandiose Kostüme

Nach dem Erfolgsroman „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ (1884) hat John von Düffel nämlich eine kompakte Stückfassung erstellt, die vor allem aus jener Episode des Buches darstellerischen Honig saugt, in der Titelheld Huck und sein Freund Jim, ein entflohener Sklave, den Etat ihrer Fahrt in Richtung Ohio durch eine Theateraufführung aufzustocken versuchen, die ihre Erlebnisse bündelt. Von Düffels Gewichtung ist sinnig, weil sie das potenzierte Bühnenintermezzo als wichtige Weichenstellung für die Reise gen Freiheit ausweist. Ob sich der doppelte Boden, von dem aus gesprochen und gespielt wird, allen kleinen Zuschauern erschließt, wird sich weisen. Drollig ist die Selbstthematisierung des Theaters allemal. Was auch an grandiosen Kostümen (Karen Simon) liegt.

Klaus Schuhmacher, der vor einem Jahr am nämlichen Ort schon das kindgerechte Stück „Tom Sawyer“ (nach Twain nach von Düffel) mit viel Jux und noch mehr Dollerei anrichtete, inszeniert Hucks Abenteuer – „erzählt von seinem Freund Jim“ – flott und mit viel Liebe zum kuriosen Sprach- und Ausstattungsdetail. Die Besetzung ist äußerst geglückt: Die Freunde Huck (ausdrucksstark: Alexander Angeletta) und Jim (facettenreich: Simon Zigah) harmonieren trefflich; auch im Gesangsvortrag, den – wie 2017 – die Swampy Grass Band (Andy Einhorn, Jan-Sebastian Weichsel, Marlene Glaß) geografisch und atmosphärisch stimmig unterlegt.

Spaßig sind Hucks und Jims Sparringspartner am Theater. Dessen klammer Direktor (Guido Gallmann) tritt geteert und gefedert und doch herrlich großsprecherisch auf. Das gilt auch für seine Gattin, die wunderbar überdrehte Susanne Schrader, die alles verkörpern will, was nicht bei drei auf dem Proszenium ist („Lasst mich das Böse auch spielen!“). Mirjam Rast glänzt als agile Tochter, die zarte Bande zu Huck knüpft. Großer Beifall.

Weitere Informationen

Nächste Aufführungen: 22., 23., 25. und 30. November; 3., 5. sowie 10. bis 14. und 16. bis 21. November, jeweils 10 Uhr.

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