Letzte Staffel der Netflix-Serie "Dark"

Der Tag der Apokalypse

Ein Jahr mussten die Fans warten. Nun ist es soweit, die dritte und finale Staffel der Erfolgsserie Dark ist online. Wie bisher, ist die Handlung so verworren, dass der Zuschauer jede Hirnzelle braucht.
27.06.2020, 17:39
Lesedauer: 2 Min
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Der Tag der Apokalypse
Von Rebecca Sawicki
Der Tag der Apokalypse

Jonas (Louis Hofmann) in der Netflix-Serie "Dark".

Netflix

"Wann bin ich?" ist nicht länger die entscheidende Frage. Bereits die letzte Folge der zweiten Staffel der Netflixserie "Dark" ließ vermuten, dass Jonas (Louis Hofmann) nicht mehr nur durch seine eigene Zeit reist. Der Schauplatz erweitert sich in der finalen Staffel um eine weitere Dimension. Neben den verschiedenen Zeitachsen gibt es eine zweite Welt, ein zweites Winden, wie die fiktive Kleinstadt in der Serie heißt. Ab dem 27. Juni ist die dritte Staffel verfügbar. Wer in der zweiten aufgepasst hat, kann sich denken, warum der Streamingdienst den 27. Juni 2020 als Starttermin gewählt hat: In der Serie ist dies das Datum der Apokalypse.

In "Dark" geht es um eben diese Kleinstadt Winden, in der das Zeitreisen durch einen Zwischenfall in einem Atomkraftwerk möglich wurde. In einer Höhle im Wald gibt es ein Portal, durch das die Menschen in andere Zeiten gelangen. Die meisten Einwohner der Stadt wissen dies natürlich nicht, bis, durch eine Reihe von Kidnapping-Fällen und Kinderleichen aus einem anderen Jahrzehnt, einige Charaktere darauf stoßen. Hauptfigur ist Jonas Kahnwald, ein Jugendlicher, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Welt vor der bevorstehenden Apokalypse zu retten. Sein größter Gegenspieler: Sein älteres Ich, Adam.

Die neue Staffel spielt mit den Erkenntnissen aus dem Experiment "Schrödingers Katze": Erwin Schrödinger stellte die Theorie auf, dass in einem Mikrokosmos zwei Realitäten gleichzeitig existieren, solange man sie nicht definiert. In "Dark" wird diese Theorie nun auf den Makrokosmos Winden angewendet.

Die erste Folge fühlt sich für den Zuschauer an wie ein Déjà-Vu: Zu Beginn bekommt er den Eindruck, alles so ähnlich schon einmal in Staffel eins gesehen zu haben. Wieder sind in der Stadt Vermisstenplakate geklebt, wieder treffen sich die Jugendlichen abends im Wald, wieder kommen aus der Höhle seltsame Geräusche. Schnell lernt der Zuschauer auch die Einwohner Windens kennen. Verändert haben sich in den meisten Fällen nicht nur Kleidungsstil und Haarschnitt, sondern auch die aktuellen Beziehungen der Protagonisten zueinander. So leben beispielsweise Katharina und Ulrich getrennt, Martha ist nicht mit Bartosz zusammen und Charlotte hat eine Affäre. Die Stammbäume allerdings bleiben die gleichen. Das sind aber nicht die einzigen Überraschungen, die das zweite Winden für Jonas bereithält.

Der Zuschauer schwankt zwischen Vertrauen und Misstrauen – und stellt sich die alte Frage nach dem Guten und dem Bösen. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Hat man Adam bisher als Scheusal kennengelernt, ist man sich zwischenzeitlich nicht sicher, ob sein Plan wirklich böse ist. Viel mehr fragt sich der Zuschauer, ob überhaupt irgendjemand in dieser Serie gute Absichten hat, oder ob Adam Recht hat und jeder schuldig ist. Bis zur letzten Folge ist nicht klar, wie sich die ganzen Knoten entwirren und die losen Enden am Schluss zueinander fügen sollen.

Die neue Dimension macht die Geschichte nicht komplizierter, als sie ohnehin schon ist. Ebenso wie die unterschiedlichen Zeitachsen sind auch die beiden Welten formal erkennbar voneinander getrennt. Wie auch bei den ersten beiden Staffeln verliert der Zuschauer allerdings direkt den Faden, sollte er auch nur eine Minute mit der Suche nach Snacks beschäftigt sein. Deshalb schadet es nicht, sich einen der Stammbäume aus dem Internet auszudrucken und als Spickzettel zu nutzen.

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