Kulturförderbericht

„Die Erwartungen sind hoch“

Mitte Dezember hat Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) den Kulturförderbericht vorgestellt. Akteure der Bremer Kulturszene über Hoffnungen und Vorbehalte.
27.12.2018, 22:24
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„Die Erwartungen sind hoch“
Von Katharina Frohne
„Die Erwartungen sind hoch“

Die Ausstellung der Amerikanerin Cindy Sherman ist noch bis zum 24. Februar in der Weserburg zu sehen.

Björn Behrens

Als Carsten Sieling Mitte Dezember den Kulturförderbericht präsentierte, dankte er am ausführlichsten jenen, ohne deren Hilfe der 268 Seiten starke Katalog nicht denkbar gewesen wäre: den Kulturschaffenden selbst. Eine Bestandsaufnahme hatte Bürgermeister und Kultursenator Sieling (SPD) sich vor fast zwei Jahren von seiner Behörde gewünscht. Immerhin würden nach der Wahl im Frühjahr 2019 die Beratungen über den Kulturhaushalt ab 2020 anstehen. Ein guter Zeitpunkt also, eine stabile Verhandlungsbasis zu schaffen; nicht zuletzt deshalb, weil dem Land Bremen dank der Neuordnung des Bund-Länder-Finanzausgleichs mehr Geld zur Verfügung stehen wird. „Dieser Rückenwind“, sagte Sieling vor zwei Wochen, „muss sich auch in der Kulturpolitik niederschlagen.“

Damit die Behörde mit guten Argumenten in die Beratungen gehen kann, hatte er um eine Kartierung der Bremer Kulturszene gebeten: eine Übersicht über alle Akteure, über Einrichtungen und Initiativen. Vor allem aber sollte der Bericht zutage fördern, wo die Kulturschaffenden selbst den größten Handlungsbedarf sehen.

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Zu mehr als zehn Workshops hat die Behörde seither geladen: Gesprächsrunden, in denen die Vertreter der Kultureinrichtungen Bilanz ziehen, Probleme benennen und Lösungsansätze diskutieren sollten. Die Bereitschaft, sich zu beteiligen, sei beachtlich, hatte Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz (SPD) auf einer Veranstaltung im August hervorgehoben. Die gemeinsame Arbeit am Kulturförderbericht habe sie als „ausgesprochen konstruktiv“ empfunden.

Kulturschaffende erarbeiten gemeinsam eine Bestandsaufnahme

Dickie (Oliver Mommsen; links) duelliert sich mit Jim Cooper (Simon Zigah). Effi (Susanne Schrader) sekundiert.

Eine Szene aus dem Live-Hörspiel "Dickie Dick Dickens" am Theater Bremen. Für Generalintendant Michael Börgerding wird erst das kommende Jahr zeigen, was der Förderbericht tatsächlich nützt.

Foto: Jörg Landsberg

Auch bei den Kulturschaffenden kam die Idee, gemeinsam eine Bestandsaufnahme zu erarbeiten, gut an. Als „Paradigmenwechsel im Verhältnis von Bremer Kulturschaffenden und Behörde“ bezeichnet etwa Heike Müller, Leiterin des virtuellen Literaturhauses Bremen, die Workshops. „Wir sprechen zunehmend auf Augenhöhe miteinander und arbeiten gemeinsam an den Inhalten, die unsere Kulturprogramme künftig bestimmen sollen.“ Sie erhofft sich vor allem eine bessere Jugendliteraturförderung. Wegen der „knappen personellen Ausstattung“ sei es derzeit unmöglich, die Angebote weiter auszubauen. Inwieweit der Bericht hier Abhilfe schaffen könne, sei abzuwarten. „Das werden die Haushaltsverhandlungen zeigen.“

Wie Müller lobt auch Frauke von der Haar, Direktorin des Focke-Museums, „die offene, konstruktive Zusammenarbeit auf Augenhöhe“. Der fertige Bericht biete „einen hervorragenden Überblick“ und würdige „die fantastische Arbeit der einzelnen Institutionen“.

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Auch Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen, sieht den Bericht vor allem als „nützliche und positive Zusammenfassung der reichen Bremer Kulturszene“, die nach innen, vor allem aber nach außen noch bekannter gemacht werden müsse. Darüber hinaus erhofft er sich von der Untersuchung „klare Prioritäten und Akzente in der Förderung – sowohl bei den etablierten Institutionen als auch bei neuen und innovativen Initiativen.“

Planungen zum Ausbau der Stadtbibliothek klar formuliert

Schaulust / Salon Puschel

Ein Ort für die freie Theater-, Tanz- und Musikszene: die Schaulust am Güterbahnhof.

Foto: Walter Gerbracht

Barbara Lison, Direktorin der Stadtbibliothek, freut sich besonders darüber, „dass die Überlegungen und Planungen zum Ausbau der Stadtbibliothek so klar im Bericht formuliert sind“. In den von ihr besuchten Workshops habe „eine gute Arbeitsatmosphäre“ geherrscht.

Pirkko Husemann, Leiterin der Bremer Schwankhalle, nennt den stattgefundenen Austausch „sehr bereichernd, weil ausnahmsweise spartenübergreifend“. Nun sei es an den Politikern, „den überparteilichen Konsens aus dem Bericht in konkrete Maßnahmen zu überführen“. Ob die Kultur sich tatsächlich als Standortfaktor etablieren lässt, hänge jetzt „auch von der ressortübergreifenden Arbeit ab“. Sie befürchtet, dass hier „noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muss“.

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Ähnliche Vorbehalte nennt Sabina Schoefer, Direktorin der Volkshochschule Bremen. Gerade im Bereich der kulturellen Bildung sei „ressortübergreifendes Denken, Handeln und Finanzieren“ gefragt. Wie alle Workshopteilnehmer sei sie gespannt, wie es jetzt weitergehe.

Fraglich welche Ideen es in die Realität schaffen

Auch für Saskia Wegelein vom Filmbüro Bremen bleibt fraglich, „welche erarbeiteten Ideen es in die Realität schaffen“. Immerhin hätten alle Beteiligten viel Zeit investiert, und das ehrenamtlich. „Bisher bestes Ergebnis für mich: dass die Freie Szene sich austauschen und zum Teil erstmals kennenlernen konnte.“

Mit den „Denkzellen“ genannten Treffen hatte die Behörde einen besonderen Fokus auf die bessere Förderung der Freien Szene gelegt, deren Angehörige, wie Sieling im Dezember sagte, „manches Mal von der Hand in den Mund“ lebten. Um den Dialog fortzusetzen, sollen weitere Treffen stattfinden. Sechs Termine sind bereits angesetzt.

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