Bremer Theaterprofis: Beleuchtungsmeisterin

Die Herrin über Licht und Schatten

Bremen. Stephanie Meier ist Beleuchtungsmeisterin am Bremer Theater. Gemeinsam mit ihrem Team sorgt sie dafür, dass jede Produktion ins jeweils passende Licht getaucht wird. Dafür ist auch ein gewisses Maß an Fitness notwendig.
02.05.2010, 11:13
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Die Herrin über Licht und Schatten
Von Iris Hetscher
Die Herrin über Licht und Schatten

Scheinwerfer in allen Größen und Formen, Schaltkästen und das Stellwerk - das macht den Arbeitsplatz der Beleuchtungsmeisterin aus.

Iris Hetscher

Bremen. Stephanie Meier ist Beleuchtungsmeisterin am Bremer Theater. Gemeinsam mit ihrem Team sorgt sie dafür, dass jede Produktion ins jeweils passende Licht getaucht wird. Dafür ist auch ein gewisses Maß an Fitness notwendig.

Wer auf der Bühne des Theaters am Goetheplatz steht, den Blick nach oben richtet und zu zählen beginnt, der hört schnell auf. Denn es gibt kleinere, größere, runde, eckige Schweinwerfer, einige sind fest installiert, andere werden bei Bedarf auf Stative montiert und an die richtige Stelle geschoben. Manche sind schwarz, andere glänzen silbrig.

„Wir haben hier ungefähr 600 Scheinwerfer“, sagt Stephanie Meier. Meier arbeitet seit mehr als vier Jahren als Beleuchtungsmeisterin am Theater Bremen – ein weiterer Meister und 15 Beleuchter sorgen dafür, dass Dramen, Komödien und Opern mit dem für die Inszenierung gedachten Quantum Licht versorgt werden.

Und das geht so: Die Beleuchtungsmeister nehmen gleich an den ersten Proben teil, an denen Regisseurin und Bühnenbildnerin das Konzept für eine Inszenierung vorstellen. Gemeinsam macht man sich Gedanken darüber, wie die Orte und Situationen beleuchtet werden könnten. „Ich befasse mich aber auch selbst jedes Mal mit dem Stück und überlege, was sinnvoll sein könnte“, erklärt Stephanie Meier. Wann beispielsweise Licht von oben oder unten eingesetzt werden sollte, ob die Szenerie in eine kalte oder warme, eine natürliche oder eine künstliche Atmosphäre getaucht werden sollte.

Während des kompletten Probenprozesses wird nachjustiert. Verändern sich die Positionen und Wege der Schauspieler, wird etwas am Bühnenbild neu gestaltet, müssen Stephanie Meier und ihr Team reagieren. Dabei haben sie drei grundsätzliche Beleuchtungspositionen im Blick: die Bühne, den Bereich Portal – Brücke – Galerienvorderhaus und das so genannte Stellwerk, eine Art Schaltzentrale, in der die einzelnen Lichtstimmungen programmiert sind. Während der Vorstellung sitzt dort der Stellwerker und fährt das Programm nach Ansage des Inspizienten ab. „Automatisch können wir das nicht durchlaufen lassen, weil keine Vorstellung der anderen gleicht“, erklärt Stephanie Meier. Das Licht-Stellwerk ist zudem mit dem Tonpult verknüpft.

Doch auch im digitalen Zeitalter muss noch viel von Hand gemacht werden. Wer mit Stephanie Meier die einzelnen Positionen anschaut, steigt eine Reihe von nicht enden wollenden Stufen in immer anderen Treppenhäusern empor. Ganz oben gibt es den Platz, an dem die Verfolger installiert sind – so heißen riesige Scheinwerfer, von denen jeder 2500 Watt auf die Bühne abfeuert und die bei jeder Vorstellung von einem Beleucher per Hand gesteuert werden. Überhaupt wird die Scheinwerfer-Batterie des Theaters jedes Mal, bevor sich der Vorhang hebt, überwiegend manuell eingestellt, nur ungefähr drei Prozent können per Funksignal gesteuert werden. Das sind die sogenannten kopfbewegten Scheinwerfer. Von denen hätte sie gerne mehr, aber auch hier zeigt sich die Finanznot des Theaters: „Die sind ziemlich teuer, davon können wir uns nicht mehr leisten“, sagt Stephanie Meier.

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