Künstler und der Nachwuchs geben Konzerte

Die Jazzgemeinde trifft sich in Bremen

Bremen. Innerhalb von fünf Jahren hat sich Musikmesse 'Jazzahead!' zu einer weltweit beachteten gemausert. Einem kleinen, dafür aber effektiven Aushängeschild Bremens, das für die Stadt wirbt. Vom 22. bis zum 25. April finden viele Konzerte statt.
24.03.2010, 06:45
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Von Christian Emigholz
Die Jazzgemeinde trifft sich in Bremen

Star der diesjährigen Jazzahead: John McLaughlin.

dpa

Bremen. Innerhalb von fünf Jahren hat sich Musikmesse 'Jazzahead!' zu einer weltweit beachteten gemausert. Einem kleinen, dafür aber effektiven Aushängeschild Bremens, das für die Stadt wirbt. Vom 22. bis zum 25. April geht es wieder los.

Das ist umso erstaunlicher angesichts der schweren Krise im Musikgeschäft, die Messen in anderen Musiksparten schon zur erheblichen Reduktion ihres Angebots, zum Aussetzen oder gar zur Absage gezwungen hat. Die Messe Jazzahead dagegen wächst auch bei ihrer fünften Ausgabe kontinuierlich. Um nur einmal einen Blick auf die Ausstellerzahlen zu werfen: So waren bei der Premiere im Jahr 2006 weniger als 100 zu verzeichnen, im Folgejahr bereits 150, und in diesem Jahr, so ist sich die Messe sicher, wird die Vorjahreszahl von 232 Ausstellern erneut locker übertroffen werden. Knapp einen Monat vor Beginn liegt die Schätzung bei 250 bis 260 Ausstellern.

Die Ursache für diesen Erfolg ist schnell gefunden, denn es gibt nichts Vergleichbares zu Jazzahead. Zwar haben einige europäische Länder ihre eigenen Treffen in Sachen Jazz, das aber sind nationale Begegnungen, während Jazzahead den gesamten europäischen Markt im Blick hat. So zumindest sah es die ursprüngliche Zielsetzung vor, was sich an den beiden sich jährlich abwechselnden Talentshows German Jazz Meeting und European Jazz Meeting zeigt, bei denen in schneller Abfolge viele Bands vor den Augen und Ohren von Konzertveranstaltern, Festivalmachern und Labelbetreibern aus dem In- und Ausland auftreten. Außerdem schneiden die ARD-Rundfunkanstalten Jazzahead mit und übertragen die Konzerte teilweise live. Nicht zu vergessen, auch vor den Augen und Ohren eines interessierten Publikums, denn Jazzahead ist eben auch eine Publikumsmesse.

Nun auch im Musical Theater

Inzwischen ist diese (ursprünglich rein europäische) Zielsetzung, so will es scheinen, übertroffen, da längst Asien und Amerika auch auf Jazzahead aufmerksam geworden sind. So sieht sich die Messe gezwungen (ein geliebter Zwang, vermutlich) die diesjährige fünfte Ausgabe von Jazzahead mit einer so genannten 'Overseas Night' im Schlachthof zu eröffnen, bei der Bands aus Kanada, Korea und Malaysia zu erleben sein werden.

Eine solche schnelle Reaktion auf sich verändernde Interessenslagen hat diese Messe und ihre Köpfe, um nur drei aus dem Team zu nennen, nämlich den künstlerischen Leiter Uli Beckerhoff, die Projektleiterin Sybille Kornitschky und den Messedirektor Hans Peter Schneider, der zugleich Initiator von Jazzahead ist, von Beginn an ausgezeichnet. So ist das ganze Projekt von Jahr zu Jahr einem stetigen Veränderungsprozess unterzogen worden. Im Jahr 2006 fanden noch sämtliche Veranstaltungen in den Räumen des Congress Centrums statt. Ein Jahr später gab es einen vorsichtigen Probelauf mit einem Nachtkonzert im benachbarten Kulturzentrum Schlachthof, aus dem sich 2008 eine echte Late-Night-Reihe dort entwickelt hat. In diesem Jahr ist der Schlachthof nun zu einem gewichtigen Standbein von Jazzahead geworden: Neben der bereits erwähnten Overseas Night zur Eröffnung am Donnerstag, 20 Uhr, finden hier Freitag und Sonnabend die Late-Night-Konzerte statt, und zwar mit deutlich mehr Bands als in den

Vorjahren. Und nicht unbedingt 'tief in der Nacht', wie es der Name verspricht, denn am Freitag beginnt der Reigen schon um 21.30 Uhr, am Sonnabend bereits um 20 Uhr. Dabei sind am ersten Abend vier, am zweiten Abend sechs Bands aus dem europäischen Ausland zu erleben, nämlich aus Belgien, Finnland, Frankreich, Italien, Spanien, der Türkei oder gleich als multinationales Quartett. Die Besetzung reicht dabei vom kammermusikalischen Trio bis zur 15- köpfigen Big Band, denn so stark ist die belgische Flat Earth Society besetzt, die den Euro-Reigen eröffnet.

Geblieben ist der Borgward Saal im CCB als Austragungsort des German Jazz Meeting, das in diesem Jahr an der Reihe ist. Freitag und Sonnabend, jeweils nachmittags um 14.30 Uhr, stellen sich hier im schnellen Wechsel von 20-Minuten-Sets insgesamt zwölf deutsche Bands vor. Man darf getrost sagen, dass es sich dabei um eine spannende Auswahl von Bands und Musikern des aktuellen Jazz in Deutschland handelt: Vom Pablo Held Trio über Nils Wogram, Julia Hülsmann, Michael Wollny und Arne Jansen präsentiert sich hier eine Best of-Auswahl, inklusive des verrückten Daniel Glatzel mit seinem 20-köpfigen 'Andromeda Mega Express Orchestragkkg'.

Preis für John McLaughlin

Die einschneidendste Veränderung hat sich bei den Abendkonzerten (in der Messesprache Englisch heißen sie natürlich Evening Concerts) ergeben. Sie sind zum einen stark reduziert worden, nämlich auf nur noch zwei, und andererseits finden sie nun nicht mehr im Congress Centrum statt. Jazzahead nutzt dafür das Musical Theater. Mehrere Gründe sprechen dafür: Die in den Vorjahren genutzte Halle 4.1 musste aufwändig bestuhlt sowie mit Tribünen und kompletter Technik (Licht und Sound) versehen werden, was im Musical Theater alles vorhanden ist. Zudem war das Klang-resultat in der Halle 4.1 nicht immer sonderlich befriedigend. Auch das dürfte im Musical Theater, das auch komfortabler ist, besser sein. Schlussendlich annonciert die Messe dies als 'Jazzahead wächst in die Stadt', das scheint aber eher ein Nebenaspekt zu sein.

Hier wird denn auch Gitarrengroßmeister John McLaughlin den Jazzahead-?koda-Award am Freitag (ab 19.30 Uhr) verliehen bekommen, der hier außerdem mit seiner Band '4th Dimension' auftritt, nachdem die französische Großformation Lebocal dem Jazz-Rock-Avantgarde-Freak Frank Zappa ihre Reverenz erwiesen hat. Auch das Abschlusskonzert der fünften Jazzahead am Sonntag findet im Musical Theater statt, und zwar schon um 18 Uhr. Von Beginn an war der Sonntag, an dem viele Aussteller in den Messeräumen schon abbauten, ein wenig problematisch, offenbar hoffen die Macher, das Problem so gelöst zu haben. Der spanische Gitarrist und Erneuerer des Flamenco, Gerardo Núñez, der auch vorsichtig Jazzelemente einfließen lässt, ist dann mit der Flamencotänzerin Carmen Cortés und weiteren drei Begleitern zu erleben.

Eintrittskarten für die Konzerte von Jazzahead gibt es vorab im Pressehaus Martinistraße, in den regionalen Zeitungshäusern und unter Ruf 36 36 36.

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