Helge Haas im Interview

„Die Jungen haben ein Recht auf Inhalte“

Helge Haas, Chef des Hörfunkprogramms Bremen Vier, leitet den bei Radio Bremen neu geschaffenen Programmbereich "Junge Angebote". Im Interview erzählt er über 40 neue Formate für die Zielgruppe 14- bis 29-Jährige.
30.09.2016, 17:14
Lesedauer: 2 Min
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„Die Jungen haben ein Recht auf Inhalte“
Von Hendrik Werner

Im Interview erzählt Helge Haas, Chef des Hörfunkprogramms Bremen Vier, über die neuen Formate für die Zielgruppe 14- bis 29-Jährige.

Herr Haas, was ist nur in unserer schönen neuen Medienwelt geschehen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender fieberhaft auf die Suche nach einer Strategie gegangen sind, um eine nachhaltige Reichweite bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ­herzustellen?

Helge Haas: Der Rundfunkbeitrag ist kein Privileg der Alten – also haben auch die Jungen ein Recht darauf, dass wir Inhalte speziell für sie produzieren. Dass wir das nicht mit einem Fensehkanal tun, sondern im Netz, war ein Auftrag aus der Politik, den wir für sehr sinnvoll halten.

Offenbar wird bei diesem Launch geklotzt, nicht gekleckert: ARD und ZDF legen an diesem Sonnabend mit sage und schreibe 40 neuen Formaten los. Wie viele davon sind Versuchsballons?

Radio Bremen ist mit vier Formaten dabei – anteilig ist das im Verhältnis zu unserer Größe so viel wie keine andere Sendeanstalt. Wenn man sich in der Netzwelt bewegt, gelten andere Regeln als im linearen Fernsehen. Ich finde es ganz gut, dass Formate im Netz eine andere Halbwertzeit haben – so entsteht ständig Platz für Neues.

Wie punktgenau lässt sich eigentlich ein junges Angebot auf eine Zielgruppe zuschneiden, ohne sich unbotmäßig ranzuwanzen?

Das geht am besten, indem man mit den Produzenten aus der Zielgruppe zusammenarbeitet. Fabian Nolte, der Protagonist unseres Formats „Was mit Fabian“ ist gerade 20 geworden – der lebt in der Welt seiner Zielgruppe. Und die Mysterieserie „Wishlist“ wird von einer Gruppe Youtube-Creator produziert, die alle unter 30 sind.

Wie sind die Interessen einer 14-Jährigen und eines 29-Jährigen unter einen Hut zu bringen, und wie verhielt sich das mit den Interessen von ARD und ZDF bei diesem ambitionierten Projekt?

Die lassen sich nicht unter einen Hut bringen – deshalb überlegen wir bei jedem Format, wen wir damit erreichen wollen. Das hat dann auch Einfluss darauf, über welchen Weg das Format verbreitet wird. Die 14jährige Schülerin ist eher bei YouTube und Snapchat unterwegs, der 23jährige Bäcker nutzt Facebook viel stärker.

„Fargo“ und „Sherlock“, David Hasselhoff und alles ganz schön bunt hier – wie im ersten programmatischen Trailer. Könnten Sie als Twentysomething mit diesem farbdrallen Online-Angebot gut leben?

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Ich glaube nicht, dass ein Twentysomething das Wort „farbdrall“ kennt. Unterhaltung spielt eine Rolle – ist aber nur eine Facette. „funk“ bietet aber auch journalistische Reportagen und Webdokus wie die des Y-Kollektivs hier aus Bremen. Da haben sich junge Journalistinnen und Journalisten aus ganz Deutschland zusammengeschlossen, um ihre Idee von zeitgemäßer Reportage umzusetzen. Und das jetzt schon mit beachtlichem Erfolg. Ich hoffe, dass sich solche Ideen durch ein Netzwerk wie „funk“ weiter verbreiten wird.

Die Fragen stellte Hendrik Werner.

Zur Person

Helge Haas ist seit Januar 2007 Chef des Hörfunkprogramms Bremen Vier. Zudem leitet der Diplom-Journalist bei Radio Bremen den neu geschaffenen Programmbereich „Junge Angebote“. Dazu zählen Bremen Vier und die Redaktion „Digitale Garage“, die cross­mediale Formate für ein junges Publikum entwickelt.

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