Zum Tod von Roy Horn

Die Karriere von Siegfried und Roy begann auf der „Bremen“

Als Roy Horn vor 60 Jahren die "TS Bremen" betrat, war das der erste Schritt zu einer ruhmreichen Karriere, die in Las Vegas ihren Höhepunkt erreichte. Es ist nicht die einzige Verbindung von Roy Horn nach Bremen.
09.05.2020, 10:48
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Die Karriere von Siegfried und Roy begann auf der „Bremen“
Von Florian Schwiegershausen

Genau vor 60 Jahren lernten sich Siegfried Fischbacher und Uwe Horn, später nur noch Roy genannt, auf der „TS Bremen“ kennen. Das Schiff fuhr 1960 für den Norddeutschen Lloyd im Linienverkehr zwischen Bremerhaven und New York - zu einer Zeit, in der die Langstrecken-Luftfahrt noch im Aufbruch war. Beide arbeiteten dort als Kellner.

Roy, 1944 geboren in einer Kriegsnacht mit schweren Bombardierungen, hatte die Volksschule in Blexen besucht. Mit 13 Jahren brach er die Schule ab. Es wird berichtet, dass es im Nachkriegsdeutschland für ihn, den jüngsten von vier Söhnen, keine einfache Kindheit gewesen sei. Sein Vater konnte die Kriegserlebnisse nur schwer verarbeiten. Seine Mutter trennte sich schließlich von ihm. Auch sein späterer Stiefvater soll die Kriegserlebnisse im Alkohol ertränkt haben.

Ob es für Horn eine Art Befreiung war oder auch die Neugier nach der großen weiten Welt, ist nicht genau überliefert. Auf alle Fälle heuerte Horn als Schiffsjunge auf der „Bremen“ an. Siegfried unterhielt auf dem mondänen Schiff die Passagiere bereits mit Kunststücken. Das gefiel den Gästen so gut, dass er irgendwann zwei Shows am Abend machen sollte.

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Hier auf dem Schiff, das regelmäßig über den Atlantik pendelte, aber auch als Kreuzfahrtschiff in der Karibik verkehrte, begann das, was 20 Jahre später zur größten Show in Las Vegas werden sollte. Denn Horn hatte damals bereits einen guten Draht zu Tieren. Sein Onkel, wie es das Magierduo auf seiner Internetseite aus ihren Erinnerungen berichtet, war der Mitbegründer des Bremer Zoos. Das Tierparkgelände befand sich bis 1974 am Achterdiek zwischen Horn und Oberneuland. Heute ist das Areal mit Reihenhäusern und dem Büropark Oberneuland bebaut.

Und Roys Onkel schenkte ihm den Gepard Chico. Den schmuggelte Roy mit an Bord und versteckte ihn in seiner Kabine. Für Roy war es ein zahmes Tier, aber anderen gegenüber habe sich der Gepard eben wie eine Wildkatze verhalten. Entsprechend sei Siegfried anfangs geschockt gewesen, als ihm Roy den Gepard in der Kabine zeigte und zu Fischbacher meinte: „Wenn Du Kaninchen und Vögel verschwinden lassen kannst, könntest Du dann auch einen Geparden verschwinden lassen?“ Siegfried fürchtete in dem Augenblick, dass der Kapitän sie im nächsten Hafen wegen des Tiers von Bord werfen wird.

Aber sie begannen zu proben. In ihrer Show packten sie ein Stofftier in eine Kiste und plötzlich kam ein lebender Gepard zum Vorschein, den Roy allerdings an einer Leine führte, damit sich die Passagiere nicht fürchteten. Der Kapitän der „Bremen“ sei alles andere als begeistert davon gewesen.

Siegfried und Roy berichten, dass sie nach der Show zum Kapitän gerufen wurden. Der sagte, er habe die Show nur aus dem Grund nicht beendet, weil der US-Chef des Norddeutschen Lloyds mit an Bord gewesen wäre. Gefeuert wurden sie trotzdem. Doch wo sich eine Tür schließt, geht eine andere auf. Mit an Bord war auch das Ehepaar Nagle, das die Show gesehen hatte. Sie hatten mehrere Kreuzfahrtschiffe, die auch in der Karibik verkehrten und engagierten Siegfried und Roy. Es war das erste Mal, dass es an Bord von einem Kreuzfahrtschiff eine Zaubershow gegeben habe. „Zuvor waren da nur Bingo, Filme und Tanzveranstaltungen“, erinnern sich Siegfried und Roy. Roy sagte damals: „Aus allem wurde unsere Bestimmung“.

Aus der Bestimmung wurde das weltweit erfolgreichste Zauberduo. Wer in den 1980er und 1990er Jahren in seinem Urlaub eine Rundreise an der Westküste der USA machte, für die war es eigentlich ein Pflichttermin, nicht nur im Casino in Las Vegas sein Geld zu verspielen, sondern auch die Zaubershow von Siegfried und Roy zu besuchen. Deutsche Reisegruppen wurden bei der Show regelmäßig begrüßt.

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Ihr Erfolg und ihr Weg dorthin verkörperte einmal mehr den „American Dream“, den amerikanischen Traum, der da lautet: Wenn Du hart arbeitest, kannst Du etwas erreichen – egal, wer Du bist und aus welchen Verhältnissen du kommst. Nach dem Unfall von Roy auf der Bühne 2003, er hatte am gleichen Tag seinen 59. Geburtstag gefeiert, bezeichneten es die Ärzte als ein Wunder, dass er den schweren Blutverlust überhaupt überlebt hatte. Und auch dort kämpfte sich Roy so langsam ins Leben zurück, 2009 trat das Duo letzmals für zehn Minuten bei einer Benefizgala auf. Den Kampf gegen Corona hat Roy nun verloren.

Doch die Menschen werden bald auf der Leinwand mehr über ihn und über Siegfried erfahren. Der deutsche Erfolgsregisseur und Produzent, Grimme-Preisträger Nico Hofmann, hat sich die Rechte an der Verfilmung ihres Lebens gesichert . Regisseur soll Michael „Bully“ Herbig sein. 2021 könnte Film schon in die Kinos kommen.

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