Absolventen der Hochschulen

Die Kunst und die Brotlosigkeit

Bremen. Dass Kunststudenten häufig nach dem Studium ohne Festanstellung dastehen, bestätigen auch die Kunsthochschulen in der Region.
22.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Die Kunst und die Brotlosigkeit
Von Uwe Dammann

Studien und Statistiken mit konkreten Zahlen gibt es zwar nicht. Aber das weit verbreitete Vorurteil, dass Kunststudenten häufig nach dem Studium „brotlos“, das heißt ohne Festanstellung dastehen, bestätigen auch die Kunsthochschulen in der Region. Nach dem Studium arbeiten die Absolventen der Kunststudiengänge häufig freiberuflich.

Das Geld für den mit 15000 Euro dotierten Karin-Hollweg-Preis kommt Franziska Keller wie gerufen. Die Meisterschülerin der Hochschule für Künste Bremen (HfK) in der Klasse Jean-François Guiton hatte im Rahmen der Ausstellung der HfK-Absolventen in der Weserburg den renommierten Karin-Hollweg-Preis erhalten und nun ein kleines finanzielles Polster für den Start in die Existenz als freiberufliche Künstlerin.

Die 1972 in Flensburg geborene Franziska Keller arbeitet mit unterschiedlichen Medien, Zeichnungen, Installationen, Video und Performance und zeigt ihre Abschlussarbeit in der Weserburg. Keller erhält die Hälfte des Preisgeldes direkt; die andere Hälfte ist einem Ausstellungsprojekt zugedacht.

Vor dem Studienabschluss in Bremen an der HfK hatte sie zunächst Kunsttherapie und Freie Kunst an der Fachhochschule Ottersberg studiert und sich dort ein weiteres berufliches Standbein erworben. Das umfasst sozialtherapeutische Arbeit mit älteren Menschen, Strafgefangenen, Kindern oder Behinderten.

Die Hochschule im Sozialen, wie die Fachhochschule für Kunst- & Kunsttherapie im ländlichen Ottersberg im Landkreis Verden mit rund 500 Studenten offiziell heißt, legt ihren Schwerpunkt bewusst auf den therapeutischen Bereich. Das heißt, die Absolventen, die hier Kunst oder Schauspiel studieren, können und sollen in der Regel häufig nach ihrem Abschluss therapeutisch in Kliniken, in der Kinder- und Jugendarbeit, Alten- oder Behinderteneinrichtungen oder im Strafvollzug arbeiten.

„Die Studiengänger sind auch in soziokulturellen Stadtteilprojekten, Theatern, Schulen und Bildungsstätten gefragt“, sagt Susanne Reinhardt, Sprecherin der Hochschule. Zunehmend werden auch künstlerische, kunsttherapeutische oder pädagogische Kompetenzen in der freien Wirtschaft angefordert, meint Reinhardt. Dass Kunst nachweislich Entwicklungs-, Heilungs- und gesellschaftliche Prozesse fördere, sei längst unumstritten, so Reinhardt. Oft seien die Jobs allerdings häufig mit kurzfristigen Verträgen auf konkrete Projekte bezogen. Eine langjährige Festanstellung sei eher die Ausnahme.

Das bestätigt auch Klaus Schloesser, Sprecher der Hochschule für Künste (HfK) in Bremen. „Statistiken oder Umfragen, was aus unseren Absolventen wird, gibt es nicht“, so Schloesser. Das sei vielleicht wünschenswert, aber kaum machbar, da die Studenten sich nach dem Studium in alle Winde verstreuen. „Ich weiß lediglich aus persönlichen Gesprächen, dass unsere Meisterschüler in der Freien Kunst nach dem Studium versuchen, sich als Freiberufler selbstständig zu machen“, sagt Schloesser. Manche von ihnen verfügten obendrein über ein zweites berufliches Standbein, arbeiten in der Gastronomie, als Kurierfahrer oder in Grafik-Design-Büros.

„Es ist wohl kaum ein Student an der HfK, der Kunst studiert, um anschließend einen Beamtenstatus zu erlangen“, glaubt Schloesser. Vielmehr gehe es der großen Mehrzahl der rund 100 Studenten um selbstbestimmtes, künstlerisches Arbeiten. Die Hochschule vermittle das Rüstzeug für eine freiberufliche künstlerische Tätigkeit. Das sehen auch die aktuellen Meisterschüler ähnlich, die derzeit noch bis zum Sonntag, 29. September, in der Weserburg ihre Abschlussarbeiten zeigen.

„Ich möchte mit meiner Kunst die emotionale Aufmerksamkeit der Menschen wecken und sie auf soziale und politische Probleme lenken, die mir wichtig sind“, sagt Marei Lutterbach, die seit 2005 Freie Kunst an der HfK studiert hat. Über die berufliche Verwertbarkeit dieser Arbeit und deren monetäre Anerkennung hatten sich die aktuellen Meisterschüler, die hier ausstellen, bisher so gut wie keine Gedanken gemacht.

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