Kunsthalle Bremen

Die Kunsthalle macht sich frisch

Die Kunsthalle Bremen tritt künftig nicht nur mit einem neuen Design an die Öffentlichkeit – das Haus will sich auch inhaltlich fit machen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.
21.10.2015, 00:00
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Die Kunsthalle macht sich frisch
Von Iris Hetscher

Die Kunsthalle Bremen tritt künftig nicht nur mit einem neuen Design an die Öffentlichkeit – das Haus will sich auch inhaltlich fit machen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Das bedeutet vor allem, den sieben Jahrhunderte umfassenden Bestand an Kunst, den das 200 Jahre alte Haus beherbergt, so aufzubereiten und zu präsentieren, dass auch Digital Natives sich bemüßigt fühlen, vorbeizuschauen – und die „Aura der Originale“ (Grunenberg) auf sich wirken zu lassen. Auch Bernd Schmielau, Vorsitzer des 9000 Mitglieder umfassenden Kunstvereins, der die Kunsthalle trägt, ist dies wichtig: „Wir müssen uns bemühen, junge Zielgruppen zu erreichen“.

Stammpublikum der Zukunft

Das bedeutet für Grunenberg und Schmielau vor allem: Die Kunsthalle muss sich anstrengen, das Stammpublikum der Zukunft besser als bisher zu erreichen. Mit diesem Ziel befindet sie sich, im bereits 16. Jahr des 21. Jahrhunderts, in der guten Gesellschaft anderer Institutionen wie dem Theater Bremen, dem Übersee-Museum, den Bremer Philharmonikern und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Sie alle haben erkannt, dass es schon lange nicht mehr ausreicht, einfach darauf zu warten, wer zu ihnen kommt, weil bisher immer irgendwie irgendwer gekommen ist. Angesichts der „Überalterung in der Kultur“, sagt Grunenberg, würde dies auf Dauer ein hochriskantes Spiel sein. Von daher ist der nun klar postulierte Abschied vom Image des hehren Musentempels für die Kunsthalle durchaus überfällig.

Geschärftes Profil

Bereits die nächste Ausstellung rund um den Film „Letztes Jahr in Marienbad“, die am 14. November eröffnet wird, kann als exemplarisch für dieses überarbeitete und mithin geschärfte Profil gelten. Die Schau ist um einen der Klassiker der Nouvelle Vague des Regisseurs Alain Resnais herum konzipiert, schaut auf Wechselwirkungen dieses formal wegweisenden filmischen Werks – mit Kunst, Mode und Popkultur; von damals bis heute. Diese hochambitionierte Ausstellung wird bereits im neuen Erscheinungsbild der Kunsthalle präsentiert, das die Agenturen one/one (Bremen/Amsterdam) und m23 (Berlin) in Zusammenarbeit mit dem Vorstand des Kunstvereins und dem Team der Kunsthalle entworfen haben.

Als äußeres Merkmal fällt die neue Schrift auf, die aus klar konturierten schwarzen (oder weißen) Lettern besteht, die Größe der einzelnen Wörter variiert innerhalb des Schriftzugs „Kunsthalle Bremen“ oder bei den Titeln von Veranstaltungen. Dies soll das neue Erkennungsmerkmal der Kunsthalle werden. Die beiden Agenturen, die am Dienstag durch die Gestalter Fons Hickmann (m23) und Florian Pfeffer (one/one) vertreten waren, kümmern sich zudem um die umfassende digitale Neuaufstellung des Hauses, darunter um eine optimierte benutzerfreundlichere Homepage, die den Besuchern den Einstieg in die Welt der Kunst(halle) erleichtern soll. Denn darum geht es: Der Onlineauftritt und nach und nach auch das Angebot für Smartphones sollen den Museumsbesuch nicht ersetzen, sondern die Hemmschwelle senken. Wer sich vorab am Computer oder per Handy mit Hintergründen vertraut machen kann, wagt sich eher in eine Ausstellung als jemand, der keine Gelegenheit hat, sich auf diese heute übliche mediale Art und Weise einzugrooven.

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