Diskussionsstoff in der Weserburg

Die Rückkehr der Richter-Debatte

Ein Sammler bot dem Museum Weserburg vor fünf Jahren seine Sammlung von Gerhard-Richter-Bildern an. Doch das Museum lehnte ab. Dabei hätten die Bilder viele Besucher angelockt.
18.02.2016, 07:58
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste

Der Sammler Arnold Böckmann bot dem Museum Weserburg vor fünf Jahren seine Sammlung von Gerhard-Richter-Bildern an. Doch das Museum lehnte ab. Dabei hätten die Bilder viele Besucher angelockt.

Der Vorgang ist schon fünf Jahre her, ist jetzt aber erstaunlicherweise in die öffentliche Diskussion geraten. Warum? Darüber lässt sich nur spekulieren, aber die Weserburg ist scheinbar immer für eine kulturpolitische Debatte gut. So auch in diesem Fall: Der dreht sich um das Angebot des Sammlers Arnold Böckmann, der 2011 seinen wertvollen Bestand an Gerhard-Richter-Bildern dem Museum Weserburg zur Verfügung stellen wollte. Die Dauerleihgabe hätte dem Bremer Museum zweifellos seinerzeit zu einer großen Attraktivitätssteigerung verholfen und wahrscheinlich etliche Besucher angelockt. Im Gegenzug sollte es aber eine hundertprozentige Befreiung von der Erbschaftssteuer für Böckmann geben, wenn die Bilder – die einen Gesamtwert von mehr als 150 Millionen Euro haben sollen – weiter vererbt werden.

Dieser Vorgang, den der damalige Vorsitzende des Stiftungsrates der Weserburg, Reinhard Hoffmann, ins Spiel gebracht hatte, wurde allerdings 2011 vom Senator für Kultur, Jens Böhrnsen, und Staatsrätin Carmen Emigholz in Abstimmung mit dem Finanzressort sowie dem Justizressort abgelehnt. So weit die Ausgangslage: Nun soll die Weserburg bekanntlich verkleinert werden – die Ausstellungsfläche soll, wie berichtet, von rund 4800 Quadratmetern auf künftig rund 2200 Quadratmeter reduziert werden. Vor diesem Hintergrund sorgt die verpasste Chance, eine wertvolle Sammlung dieser Art in die Weserburg zu bekommen, vor und hinter den Kulissen für Debatten. Zumal Böckmann seine Sammlung mittlerweile dem Neuen Museum in Nürnberg überlassen hat. Eine Ausstellung mit Richter-Bildern sollen sich nach Angaben des Museums 60.000 Besucher angeschaut haben.

Anfrage an die Kulturbehörde

Aus diesem Grund hat der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Claas Rohmeyer, eine offizielle Anfrage an die Kulturbehörde gestellt und will sich den Fall von vor fünf Jahren genauestens erläutern lassen. „Wenn sich dabei herausstellt, dass die Stadt eine große Chance vertan hat, die Weserburg attraktiver zu gestalten, ist das sehr wohl auch fünf Jahre später mindestens noch eine kulturpolitische Debatte wert“, meint Rohmeyer. Ähnlich sieht das Kirsten Kappert-Gonther, kulturpolitische Sprecherinder Grünen-Fraktion: „Das ist natürlich bedauerlich, dass die Weserburg nicht über so eine hochkarätige Sammlung in Dauerleihgabe verfügt. Diese Sammlung hätte Besucher angelockt. Die wiederum hätten Geld in Cafés und Kaufhäusern ausgegeben, was insgesamt der Stadt wirtschaftlich gut getan hätte“, sagt Kappert-Gonther.

Allerdings möchte sie nicht die Geschichten von gestern aufwärmen, sondern sieht in der Debatte eine Chance für die Zukunft des Museums. „Wenn uns ein Sammler noch einmal so eine Chance bietet, dann sollten wir zugreifen, um den Stellenwert der modernen Kunst in der Stadt zu erhöhen“, sagt Kappert-Gonther. Denn mit Hilfe moderner Kunst könne eine gesellschaftspolitische Debatte geführt werden, die dringend notwendig sei, so die Grünen-Politikerin. Der Pressesprecher derWeserburg kommentiert dagegen den Vorgang relativ verhalten. „Natürlich ist es schade, dass wir nicht über die Böckmann-Sammlung als Dauerleihgabe verfügen.

Aber grundsätzlich hat Herr Böckmann uns zugesichert, dass er uns Werke von Gerhard Richter oder A. R. Penck für Ausstellungen zur Verfügung stellt“, sagt Jan Harriefeld. Schon in der Ausstellung „Land in Sicht“, die im vorigen Jahr mit Erfolg in dem Museum für moderne Kunst präsentiert wurde, habe man drei Richter-Bilder zeigen können. „Und das wird auch in Zukunft so sein“, sagt Harriefeld. Allerdings müsse das Museum nun für die ausgestellten wertvollen Exponate eine hohe Versicherungssumme zahlen, die sich im fünfstelligen Bereich bewege.

Lesen Sie auch

Dass die Weserburg auch künftig Werke aus der Böckmann-Sammlung zeigen kann, bestätigt auch Alexandra Albrecht, Sprecherin der Kulturbehörde. Das habe Böckmann ihr in einem Telefonat 2015 versichert. Momentan seien aus seiner Sammlung Werke in der ter-Hell-Ausstellung zu sehen. Albrecht verweist darauf, dass sich vor fünf Jahren mehrere Ressorts des Bremer Senats mit der Übernahme derBöckmann-Sammlung für die Weserburg befasst hatten. Hintergrund war eine bundesweite Debatte darüber, wie man Sammlungen privater Mäzene, unterstützt durch Steuervergünstigungen, dauerhaft an die Museen binden könnte, um diese attraktiver zu machen. 2010 hatte sich deshalb der damalige Vorsitzende des Stiftungsrates der Weserburg, Reinhard Hoffmann, an die Kulturbehörde gewandt, inwieweit dieses Modell auf Bremen übertragbar sei. Ziel des Entwurfs war eine Änderung des Gesetzes zur Errichtung von Museumsstiftungen. Mit der geplanten Gesetzesänderung sollten Kunstsammlungen als Dauerleihgaben Bremer Museumsstiftungen – also auch der Weserburg-Stiftung – überlassen werden können.

Dem Rechtsnachfolger des Eigentümers – in diesem Fall Arnold Böckmann – sollte eine hundertprozentige Befreiung von der Erbschaftssteuer gewährt werden. Weil das Steuerrecht betroffen war, habe Kulturstaatsrätin Emigholz, so Albrecht, die anderen Ressorts für Finanzen, Justiz und das Landesamt für Denkmalpflege eingeschaltet. Alle an der Prüfung beteiligten Ressorts seien anschließend zu dem Ergebnis gekommen, dass das Modell erhebliche „rechtssystematische Mängel beinhalte“. Auch in anderen Bundesländern existierten solche Konstruktionen nicht.

Sammlung wanderte nach Nürnberg

Aus diesem Grund habe Staatsrätin Emigholz entschieden, den Vorschlag erst dann wieder aufzugreifen, wenn bundesweite gesetzliche Rahmenbedingungen existierten. Dem Stiftungsratsvorsitzenden der Weserburg wurde 2012 mitgeteilt, dass der Vorschlag von Hoffmann nicht weiter verfolgt werde. Mit dem bekannten Ergebnis. Die Sammlung Arnold Böckmanns wanderte nach Nürnberg. „Das Neue Museum empfindet es als große Auszeichnung, insgesamt 69 Werke von Gerhard Richter, Gotthard Graubner, A.R. Penck und Isa Genzken aus der Sammlung Böckmann als Dauerleihgabe erhalten zu haben. Damit verfügt das Neue Museum über die drittgrößte Sammlung an Werken von Gerhard Richter weltweit“, wirbt das Museum auf seiner Homepage.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+