Besuch einer Bremer Buchbinderei

Die Seele der Bücher erhalten

Bremen. Der Welttag des Buches erinnert an die Lust am Lesen und an eines der ältesten Medien der Weltgeschichte. Ein Blick hinter die Kulissen einer Buchbinderei in Hastedt zeigt einen Beruf zwischen Kunsthandwerk und Papierstapeln.
22.04.2013, 12:54
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Von Sally Gutmann
Die Seele der Bücher erhalten

Mit Präzision und viel Leidenschaft arbeitet Sieglinde Hoidis in ihrer Buchbinderei.

Sally Gutmann

Bremen. Der Weltbuchtag erinnert an die Lust am Lesen und an eines der ältesten Medien der Weltgeschichte. Den damit verbundenen Beruf der Buchbinderei üben nur noch wenige in Bremen aus. Sieglinde Hoidis ist eine von ihnen. Bei einem Blick hinter die Kulissen ihrer Werkstatt erzählt sie von ihrer Leidenschaft, den Büchern, und einem Beruf zwischen Kunsthandwerk und Papierstapeln.

Vor vier Monaten hat die Wahlbremerin Sieglinde Hoidis die Buchbinderei Focken in Hastedt übernommen und führt damit die lange Tradition des Betriebs weiter. Diese nimmt 1888 mit der Gründung durch Arnold Focken im Bremer Schnoor Viertel ihren Anfang. Seitdem hat sich an den Arbeitsabläufen und Techniken nur wenig verändert.

„Das Spannende an der Buchbinderei ist, dass sie so breit gefächert ist“, berichtet Hoidis, während sie einen Stapel Papier in die Klebebindemaschine einspannt. Neben regelmäßigen Auftragsarbeiten, wie zum Beispiel dem Binden von Fachzeitschriften für die Bibliotheksarchive, kann sie bei Einzelanfertigungen und Reparaturen ihre Kreativität ausleben. Mit ihrer empathischen Art geht sie dabei auch auf die individuellen Wünsche und Geschichten ihrer Kunden ein. Diese reichen vom liebsten Kinderbuch, das auseinander gefallen ist, bis zum neu angefertigten Fotoalbum.

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Von ihrem Vorgänger hat sie auch die zahlreichen Maschinen und Geräte übernommen, die sie für ihre vielseitige Arbeit braucht. Zentnerschwere Pressen sind dabei genauso wichtig wie die Prägemaschine, mit der Titel und Autor ihren Platz auf der Buchdecke finden. Dass die Buchbinderei auch viel Muskelkraft erfordert, kann man anhand der meterhohen Papierstapel erahnen, die sie täglich durch die Werkstatt tragen muss. „Also Bizeps hab ich“, erzählt die Buchbindemeisterin lachend.

Wie viel sorgfältige Handarbeit in einem fertigen Buch steckt, wissen nur die wenigsten. Angefangen mit dem Ordnen und Zusammenfügen der Papierstapel sind bis zum Versehen des Buchblocks mit dem Einband oft mehrere Tage vergangen. Doch nur so kann jedes Unikat den Bedürfnissen des Kunden gerecht werden. Dass dafür auch am Wochenende gearbeitet werden muss erzählt Hoidis, während sie stolz ihre Lederproben für die Einbände präsentiert.

Mit der Übernahme der Buchbinderei kann sie ihre Begeisterung für den Beruf und die Bücher nun nach ihren Vorstellungen ausleben. Außerdem soll die Werkstatt mit einigen kleinen Umbaumaßnahmen offener gestaltet werden. Den Kunden mehr Einblicke in das Handwerk zu gewähren ist ihr dabei genauso wichtig, wie selbst bei der Arbeit aus dem Fenster schauen zu können.

Mit der Taschenlampe unter der Bettdecke hat auch bei ihr alles angefangen und zu Büchern hat sie schon immer ein ganz besonderes Verhältnis. Die Welt des Lesens durchlebt in den letzten Jahren einiges an Innovation und technischen Veränderungen. Als Buchbinderin, die auf Einzel- und Soneranfertigungen spezialisiert ist, lässt sich Sieglinde Hoidis davon aber wenig beeindrucken. „Ein Buch, aus Papier, hat was mit Fühlen zu tun“, weiß Hoidis und mit dem E-Book am Strand wird man sie wohl nicht antreffen.

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