Bremer Theaterprofis: Die Souffleuse

Die Text-Flüsterin

Bremen. Wenn im Theatersaal das Licht ausgeht, greift eine Frau in der ersten Reihe zu Lesebrille, Skript und Taschenlampe: Elisabeth Weber ist Souffleuse am Bremer Theater. Seit eineinhalb Jahren hilft sie mit, dass das Spiel auf der Bühne nicht ins
04.06.2010, 12:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Melanie Öhlenbach
Die Text-Flüsterin

Elisabeth Weber ist Souffleuse am Bremer Theater.

Melanie Öhlenbach

Bremen. Wenn im Theatersaal das Licht ausgeht, greift eine Frau in der ersten Reihe zu Lesebrille, Skript und Taschenlampe: Elisabeth Weber ist Souffleuse am Bremer Theater. Seit eineinhalb Jahren hilft sie mit, dass das Spiel auf der Bühne nicht ins Stocken gerät.

„Souffleuse ist eigentlich kein richtiger Beruf, sondern eine Tätigkeit“, sagt Elisabeth Weber. Eine richtige Ausbildung gebe es dafür nicht. Dennoch sollte eine gute Souffleuse viel mehr können als nur den Text mitlesen: Sie müsse stets aufmerksam und diskret sein und brauche ein „absolut gutes Gespür“, sagt Weber. „Ich muss erkennen, wenn ein Schauspieler nach Worten sucht und dann entscheiden, ob ich etwas sage oder nicht.“

In die Situation der Bühnenakteure kann sich Weber gut hineinversetzen. Schließlich war sie selbst einmal Schauspielerin. Mehr als ein halbes Jahrzehnt war sie am Bremer Theater beschäftigt. „Aber das ist schon ewig her“, sagt sie. Danach folgte eine Reihe von anderen Tätigkeiten – unter anderem als Redaktionsassistentin beim MDR – bevor es Weber wieder nach Bremen und ans Theater zog. Auf die Bühne zurück wollte sie allerdings nicht mehr: Dafür sei sie zu alt, sagt die 60-Jährige.

Stattdessen verfolgt sie nun aus dem Zuschauerraum das Geschehen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Eine Muschel wie in der Oper gibt es im Schauspiel für die Souffleuse allerdings nicht: Sie sitzt stattdessen am äußersten Ende der ersten Reihe, auf dem Feuerwehrsitz. „Leider“, bedauert Weber. Denn auf dieser Position sei es dann schnell aus mit der Diskretion, wenn den Schauspielern die Worte fehlen. „Da muss man schon ein bisschen lauter sprechen, damit man auf der Bühne verstanden wird.“

Ins Rampenlicht will sich Weber mit ihrer Tätigkeit nicht rücken. Sie sieht sich viel mehr als Stütze, die immer nur dann in Aktion tritt, wenn sie gebraucht wird. „Es geht nicht um mich. Meine Aufgabe ist es, unsichtbar zu sein und den Schauspielern zu helfen. Ihr Beruf ist schwer genug.“

Damit sie über jede Textänderung im Bilde ist, ist die Souffleuse bei der jeder Probe mit dabei. In ihrem Skript macht sie sich entsprechende Notizen. Das wichtigste Zeichen: ein Strich, mit dem Weber die Sprechpausen markiert und nicht einfach dazwischenruft, wenn Stille auf der Bühne herrscht. Auch wenn sie das Stück bis zur Aufführung dann viele Male gehört hat – auswendig kann Weber es nicht. Schließlich sei das nicht ihre Aufgabe, betont sie. „Wenn ich etwas sage, muss es richtig und genauso sein, wie es im Text steht.“

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