Autobiografie

Diese Aktrice lässt sich hören

Hannelore Hoger, Charakterdarstellerin mit immenser Bandbreite und Bremer Vergangenheit, legt ihre Lebensbilanz vor - bestrickenderweise auch als Hörbuch.
09.08.2017, 15:29
Lesedauer: 2 Min
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Diese Aktrice lässt sich hören
Von Hendrik Werner

Als der überzeichnende Autor kurz vor der Jahrtausendwende einmal von Hamburg nach Catania flog, fiel ihm im Wartebereich des Flughafens eine sonnenbebrillte, rotgetönte, gleichermaßen distinguiert und streng wirkende Dame auf. Bei der unzureichend getarnten Frau handelte es sich um die in mancherlei Hinsicht Respekt gebietende Schauspielerin Hannelore Hoger, die von 1994 bis 2018 die Polizistin Bella Block in der gleichnamigen ZDF-Krimiserie verkörpert haben wird. Eine Darstellerin, die man – sei es am Airport, sei es vor dem Fernsehgerät – als verschlossen, nicht ansprechbar, ja mürrisch empfinden mag. Um bei Lektüre der Literaturvorlage zur TV-Reihe festzustellen, dass diese Attribute steigerungsfähig sind: So hartleibig und unzugänglich wie Doris Gerckes Romanfigur Bella Block, die 1988 in dem Buch „Weinschröter, du musst hängen“ ihren Einstand gab, war selten eine deutsche Ermittlerin.

Natürlich ist diese Raubeinigkeit nur gespielt – von einer der besten und wandelbarsten Aktricen, über die Deutschland verfügt: Die Hamburgerin Hannelore Hoger, die am 20. August ihren 75. Geburtstag feiert, ist unendlich vielseitig. Der Regisseur Edgar Reitz sagt, sie sei „bis in die Knochen eine Komödiantin“. Und dass sie eine begnadete Tragödin ist, lässt sich an ihrer großen Theatervergangenheit ermessen: Nach ihrer Ausbildung an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater (1958-1961) arbeitete die Tochter eines Schauspielers und einer Schneiderin unter anderem mit Augusto Fernandes und Alexander Kluge zusammen, der zeitweilig ihr Lebensgefährte war. Sie nahm Unterricht bei Lee Strasberg und wurde gleich von zwei Granden des deutschen Theaters gefördert: Kurt Hübner, der sie 1963 nach Bremen holte, und Peter Zadek, dem sie von Bremen nach Bochum folgte. Ihr erster Fernsehauftritt datiert auf das Jahr 1965, ihr Leinwand-Debüt folgte drei Jahre später. Auch im Regiefach versuchte sich diese stets wach und neugierig anmutende Frau verschiedentlich.

Weil die Hoger auch in eigener Sache eine großartige Interpretin ist, lohnt es sich unbedingt, ihrer bei Rowohlt in Buchform erschienenen Lebensbilanz in Hörbuchgestalt zu lauschen. Bewährt markant gestimmt erzählt sie aus Kindheit und Jugend, von Beziehungen und Liebeleien, von Weggefährten wie Ulrich Wildgruber und Götz George, von Passionen wie der Malerei – und von ihrer Tochter Nina, mit der sie oft kooperierte. Hogers Sprache ist so schnörkellos wie erwartet. Aber sie klingt bloß barsch.

Hannelore Hoger: Ohne Liebe trauern die Sterne. Bilder aus meinem Leben. Random House Audio, München. 3 CDs, 185 Minuten, 19,99 €.
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