Dramatik ohne Pathos: Werke von Franz Berwald in der Glocke

Dramatik ohne Pathos: Werke von Franz Berwald in der Glocke
11.06.2012, 13:27
Lesedauer: 2 Min
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Von éva Pintér

Bremen. Groß ist die Zahl der Komponisten und ihrer hochinteressanten Werke aus der Zeit der Klassik und Romantik, die immer noch darauf warten, entdeckt zu werden. Der schwedische Komponist Franz Berwald, ein Zeitgenosse von Schubert, gehört gewiss dazu. Er war zu seinen Lebzeiten kaum verstanden und wird auch heute immer noch zu selten gespielt.

Gerade die Aufführung seiner Sinfonie Nr. 3 mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Alexander Prior in der Glocke zeigte das herausragende künstlerische Potential der Musik von Berwald.

Dazu gehört einerseits die ungewöhnliche dreiteilige Großform – der Titel „Sinfonie singulière“ weist ja bereits auf die Eigentümlichkeit des Werkes hin – in der der mittlere Satz einen langsamen Satztyp mit einem Scherzo geistreich verbindet. Andererseits bieten Berwalds Kompositionen auch eine Musik voller überraschender Effekte: zum Beispiel im Paukenschlag am Ende des ersten Abschnittes des Mittelsatzes, der den Scherzo-Teil ankündigt – oder im kontrastreichen Finale. Schon bei diesem Werk bot Alexander Prior eine exzellente Wiedergabe: Der erst 20-jährige Dirigent beherrscht nicht nur das schlagtechnische Handwerk souverän. Er konnte auch durch klare Gliederung und durch feine dynamische Abstufungen große Spannungsbögen überzeugend vermitteln.

Einen herausragenden Eindruck hinterließ Alexander Prior auch bei der Sinfonie Nr. 5 von Ralph Vaughan Williams. Die getragenen, teils würdevoll dahinschreitenden Sätze dieses insgesamt recht verhaltenen Werkes versah er mit einer dramatischen Klangfülle, in der es dennoch keinen Platz für falsches Pathos oder bombastische Effekte gab. Dass die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen hier wie auch bei der Sinfonie von Franz Berwald eine hochvirtuose und in allen Details optimal geschliffene Leistung darbot, ist inzwischen fast selbstverständlich – dennoch sollte man immer wieder neu betonen: Hier spielte ein Orchester von absoluter Weltklasse in der Glocke.

Zwischen den beiden Sinfonien erklang das Konzert Es-Dur KV 365 für zwei Klaviere von Wolfgang Amadeus Mozart. Sivan Silver und Gil Garburg boten ein technisch tadelloses Spiel voller perlender und glänzender Passagen. Dabei wirkte das feine Aufeinanderhören ebenso einnehmend wie die Sensibilität der melodischen Gestaltung.

Dies konnte man auch im Zusammenspiel mit dem Orchester bewundern, nicht nur im innigen langsamen Satz, sondern auch im Finale, in dem die Motive zwischen den Solisten und den Orchestermusikern wie in einem virtuosen Ballspiel hin- und hergeworfen wurden. Die Solisten bedankten sich für den Applaus mit dem „Russischen Tanz“ aus Igor Strawinskys „Petruschka“. Und der umjubelte Alexander Prior setzte am Ende des Konzertes mit der „Coriolan“-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven noch einmal beeindruckend dramatische Akzente.

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