20. Juli 1944 Ein Comicroman erzählt das Bomben-Attentat auf Hitler

Vor 75 Jahren stellte Oberst Stauffenberg eine Aktentasche mit einer Bombe unter einen Tisch, an dem Hitler stand. Der Comicroman „20. Juli 1944“ erzählt diese spannende Geschichte auf kurzweilige Art.
19.07.2019, 16:57
Lesedauer: 3 Min
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Von Jean-Pierre Fellmer

„Mein Führer, vielleicht könnte Oberst Stauffenberg etwas dazu sagen?“, fragt Wehrmachtskommandant Keitel im Besprechungsraum der Lagebaracke. Hitler stützt sich mit beiden Händen auf dem Eichentisch ab. „Nein, noch nicht. Ich will mir erst einen Überblick über die Frontlage verschaffen“, sagt er. Stauffenberg nutzt die Gelegenheit: „Hören Sie, ich muss noch einmal dringend telefonieren“, sagt er zu Keitels Adjutanten. „Selbstverständlich, Herr Oberst. Kommen Sie mit raus“, antwortet dieser. Im Telefonzimmer nimmt Stauffenberg den Hörer ab, legt ihn direkt wieder auf und verlässt wortlos die Lagebaracke. Wenige Augenblicke später explodiert im Besprechungsraum die Bombe.

Diese Szene gehört zu den wichtigsten Momenten im Kampf der Widerstandsbewegung gegen das Nazi-Regime und ist eine der spannendsten in der Graphic Novel „20. Juli 1944 – Biographie eines Tages“. Niels Schröder, der in Bremen aufgewachsen ist, an der Hochschule für Künste studiert hat, erzählt in seinem Comicroman die Geschichte des Anschlags auf Adolf Hitler vor 75 Jahren. Damals hatte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Bombe in einer Aktentasche in einen Besprechungsraum geschmuggelt, die Explosion sollte Hitler töten. Dieser überlebte jedoch das Attentat, und der Sturz des Regimes schlug fehl.

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Der Comicroman erzählt in einem kurzen Prolog die Vorgeschichte: Henning von Tresckow ist Oberst in der Wehrmacht. Gleichzeitig versucht er mit anderen Widerstandskämpfern, Hitler zu stürzen. Einer von seinen Mitstreitern ist Stauffenberg, der dem Comic zufolge die Seiten wechselte, nachdem er die Kriegsverbrechen im Osten und die Massenmorde an den Juden gesehen hatte. Von Tresckow und Stauffenberg bereiten den Staatsstreich vor, es ist nicht der erste Versuch. In den folgenden Kapiteln schildert Schröder das Geschehen aus der Perspektive der Widerstandskämpfer. Die Handlung beginnt um Mitternacht und endet 24 Stunden später mit der Hinrichtung der „Verräter“.

Werk historisch eingeordnet

Schröder schreibt dabei eine Heldengeschichte: Stauffenberg, ein mutiger Offizier, der sich gegen das Regime und seine Gräueltaten stellt und bereit ist, sein Leben zu opfern. Ein geläuterter Soldat. Es wird zwar erwähnt, dass Stauffenberg lange Zeit dem Nazi-Regime gedient habe. Allerdings vergisst man als Leser im Laufe der Handlung wegen der heroisierenden Darstellung schnell, dass es sich auch bei Stauffenberg um einen Soldaten handelt, der viele Jahre für Hitler Krieg geführt hat. Schröder ordnet sein Werk jedoch im historischen Kontext ein: Einerseits sei es notwendig, die Komplexität des Ereignisses für eine lineare Erzählung in Bildern zu reduzieren. „Es ist nicht der Anspruch dieses Buches, eine abschließende und alle Aspekte umfassende historische Darstellung zu geben“, schreibt er. Er wolle einen emotionalen Zugang schaffen und den Leser einladen, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen.

Dafür hat er eine Literaturliste angehängt. Schröder hat sich schon früher mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt: In Linz hat er seine Dissertation zum Thema Humor in Comics und Animationsfilmen auf deutscher und amerikanischer Seite während des Zweiten Weltkrieges geschrieben. Die historische Vorlage birgt eine Spannung, die der Comicroman gut wiedergibt.

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Manchmal wirken die Dialogpassagen in der Bildsprache etwas eintönig, weil oft weiße Männer in Uniformen von Verschwörung sprechen – was jedoch dem Stoff der Geschichte geschuldet ist. Mehr Details in den großformatigen Bildern wären wünschenswert gewesen, damit Leser noch längere Zeit die Zeichenkunst betrachten können. Dafür bietet Schröder allerdings Zeichnungen von Landkarten und von Gefechten mit historischen Frontverläufen, oder er erklärt in einer Skizze, wie der Bleistiftzünder funktionierte, der die Bombe detonieren ließ. Das Buch ist etwas größer als DIN-A5, der Farbdruck hochwertig. Je nach Lesegeschwindigkeit dauert es zwei bis vier Stunden, bis man mit dem Werk durch ist. Fazit: Der Comicroman ist eine gute Gelegenheit, auf unterhaltsame Weise sein Geschichtswissen aufzubessern.

Weitere Informationen

Niels Schröder. 20. Juli 1944 – Biographie eines Tages. Bebra-Verlag, Berlin-Brandenburg. 144 Seiten, 18 €.

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