Radio-Bremen-Tonmeisterin ausgezeichnet

Ein Grammy geht nach Bremen

Drei Mal war sie nominiert, drei Mal ist es dabei geblieben. Doch hat es dieses Jahr geklappt: Renate Wolter-Seevers, Tonmeisterin bei Radio Bremen, hat in Los Angeles einen Grammy gewonnen.
09.02.2015, 17:43
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Ein Grammy geht nach Bremen
Von Iris Hetscher

Drei Mal war sie nominiert, drei Mal ist es dabei geblieben. Dieses Jahr ist Renate Wolter-Seevers nach Brasilien in Urlaub gefahren, während in Los Angeles die Grammys vergeben wurden. Und prompt hat die Jury der Radio-Bremen-Tonmeisterin eine der begehrten Trophäen zugesprochen: Für die von ihr geleitete Aufnahme der Oper „La Descente d’Orphée aux Enfers“ (Orpheus in der Unterwelt) von Marc-Antoine Charpentier mit dem Boston Early Music Festival.

Schon die Nominierung für einen Grammy ist eine große Auszeichnung für alle, die mit Musik zu tun haben – immerhin kommt man in Betracht für den wichtigsten Musikpreis der Welt. Von daher ist die Kombination Renate Wolter-Seevers und das Early Boston Music Festival schon seit Jahren ein Glücksfall. Gleich drei Produktionen des auf Alte Musik spezialisierten Orchesters mit der versierten Tonmeisterin sind auf sehr offene Ohren bei der gestrengen Grammy-Jury in Los Angeles gestoßen – die Trophäe ging dann aber doch an andere.

Im vergangenen Herbst fand Wolter-Seevers sich erneut auf der Liste der Vorschläge. Nach Los Angeles ist sie dieses Mal trotzdem nicht gereist; der WESER-KURIER erreichte sie am Montag in Natal, einer Stadt im Nordosten Brasiliens. Hier macht sie Urlaub, begleitet ihren Sohn und seine Jazz-Combo auf einer Tournee und hört logischerweise „im Moment ganz viel Jazziges und Samba“. „Das ist eine wunderbare Bestätigung unserer Arbeit“, sagt Wolter-Seevers zu ihrem Grammy. Acht Opernproduktionen hat sie seit 2003 mit dem Orchester aus Boston aufgenommen, außer dem nun ausgezeichneten „Orpheus“ hat just auch „Niobe“ von Agostino Steffani mit dem Countertenor Philippe Jaroussky für Furore gesorgt: Die „Times“ hat sie zur „Record of the Week“ gekürt.

Lesen Sie auch

Renate Wolter-Seevers freut es besonders, dass mit dem „Orpheus“ eine vergleichsweise bescheidene Barock-Kammeroper ausgezeichnet wurde – „da haben alle gesagt, das wäre das totale Wunder, wenn wir das dieses Mal schaffen würden“. Denn die Konkurrenz war hart: Nominiert war beispielsweise auch das Orchester des Südwest-Rundfunks mit der Schönberg-Einspielung „Moses und Aaron“. Das Rennen machte trotzdem die im Juli 2013 im Sendesaal aufgenommene Bremer Produktion, die bei dem kleinen Label CPO-Records aus Georgsmarienhütte erschienen ist. Wolter-Seevers muss da mal das Orchester loben: „Wenn Musik mit dem ganzen Herzen und der Seele gemacht wird, dann entstehen solche Produktionen.“ Genau dies zu befördern sei ihr Arbeitsansatz: „Ich möchte das Innere des Stücks herauskitzeln.“

So beschreiben auch enge Kollegen die Arbeitsweise der Tonmeisterin, die seit 31 Jahren bei dem Bremer Sender angestellt ist und derzeit für das Nordwest-Radio arbeitet. Technikerin Birte Blankenburg: „Es geht natürlich darum, das richtige Mikro für jedes Instrument zu wählen und zu entscheiden, ob und wo man mit Hall arbeitet oder wann die Oboe so richtig überzeugend klingt“. Eine gute Tonmeisterin erkenne man aber nicht nur daran, dass sie ihr Handwerkszeug beherrsche. Sondern an dem gewisse Quäntchen das darüber hinaus geht: „Sie muss aus einem Puzzle ein Gesamtbild kreieren, bei dem der Hörer in der Musik versinken kann.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+