Die wohl älteste Abonnentin der Bremer Philharmoniker Ein Leben für die Musik

Mindestens 600 Konzerte der Bremer Philharmoniker hier oder an anderen Orten hat Klara Straube bereits gesehen. Mit 93-Jährigen ist sie die wohl älteste Abonnentin des Orchesters.
25.09.2016, 00:00
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Ein Leben für die Musik
Von Alexandra Knief

Mindestens 600 Konzerte der Bremer Philharmoniker hier oder an anderen Orten hat Klara Straube bereits gesehen. Mit 93-Jährigen ist sie die wohl älteste Abonnentin des Orchesters.

Es ist ein bisschen schummrig im noch leeren Foyer der Bremer Glocke. Für Klara Straube ist das kein Problem. Den Weg in den Großen Saal des Konzerthauses würde sie wahrscheinlich auch im Schlaf finden, denn sie ist regelmäßiger Gast. Mindestens 600 Konzerte der Bremer Philharmoniker hier oder an anderen Orten hat die 93-Jährige bereits gesehen. Damit ist sie die wohl älteste Abonnentin des Orchesters.

Die gebürtige Nürnbergerin lebt seit ihrem 18. Lebensjahr in Bremen. Als der Vater einer Freundin, ein Musiker, die klassikbegeisterte Straube 1947 zu einem Konzert der Philharmoniker – damals Bremer Philharmonisches Staatsorchester – einlud, war es um sie geschehen. „Ein Glück, dass es die Philharmoniker gibt, das sind so tolle Musiker“, schwärmt sie. Anfangs ging sie noch zu so vielen Konzerten des Orchesters wie irgend möglich. Mittlerweile hat sie ein sogenanntes Dienstags-Abo, mit dem sie acht Konzerte der Saison besuchen kann.

Vorliebe für alte Meister

„Beethoven und Bach sind für mich die Größten“, sagt sie. „Ihre Musik geht mir einfach ans Herz. Ich bin kein Experte, aber ich weiß, was gut ist und was nicht.“ Konzerte verpasst habe sie in der Vergangenheit so gut wie nie. „Selbst wenn ich mal krank war, bin ich gegangen“, sagt sie. Nein sagen würde sie zu einem Konzertabend in keinem Fall, auch wenn ihr Herz eher an den alten Meistern hängt – und es ihr manchmal ein Dorn im Auge ist, dass auch Stücke modernerer Komponisten des 20. oder 21. Jahrhunderts Einzug in das Konzertprogramm finden.

„Bei Arnold Schönberg hört es für mich auf“, sagt sie und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Aber das haben die ja raffiniert gemacht, dass man während des Konzerts nicht zwischendurch rausgehen kann.“ Einige modernere Stücke, gibt sie aber zu, gefallen ihr dann doch. „Ich mag zum Beispiel Boléro von Maurice Ravel oder Kompositionen von Aram Chatschaturjan.“ Außerdem sei es ja wichtig, junge Leute für klassische Musik zu begeistern und deshalb auch modernere Werke zu spielen.

Straube selbst hat früher Klavier- und Gesangsunterricht genommen. „Ich habe mich schon immer sehr für Musik interessiert und das auch an meinen Sohn weitergegeben“, sagt sie. Jörg Straube hat dieses Interesse zum Beruf gemacht. Er ist Leiter des Norddeutschen Figuralchors. Dieser wird an diesem Sonntag beim ersten Philharmonischen Konzert der Saison 2016/17 auch in der Glocke auf der Bühne stehen. Jörg Straube gründete den Chor 1981. Heute gehört er zu den führenden semiprofessionellen Kammerchören Deutschlands – und wurde schon mehrfach ausgezeichnet. Der Chor hat in der Vergangenheit schon häufiger mit den Philharmonikern zusammengearbeitet.

„Ich freue mich sehr für meinen Sohn. Es ist schön, dass er musikalisch so einen Erfolg hat“, sagt Klara Straube. Die Liebe zur Musik, die seine Mutter ihm schon als Kind nahegebracht hat, habe seine Laufbahn sehr geprägt, sagt Jörg Straube. „Und ich bin bis heute sehr glücklich mit meiner Berufswahl.“

Klara Straube selbst konnte aus ihrer Leidenschaft leider keine Karriere machen. Sie stieg in jungen Jahren in den Sanitär- und Heizungsbetrieb ihres Mannes ein. „So war das früher nun einmal“, sagt sie. Auch wenn ihr Mann nie so viel Freude an der Musik gehabt habe wie sie, habe er ihre Vorliebe für Kultur immer unterstützt. Und diese beschränkt sich nicht nur auf die Musik: Neben den Konzerten hat Straube sich nämlich auch schon immer sehr für Kunst interessiert – und ging außerdem regelmäßig ins Theater. Heute, so sagt sie, gefallen ihr die meisten Inszenierungen nicht mehr, weshalb sie lieber bei der klassischen Musik bleibt.

Auf die neue Saison der Philharmoniker freut sie sich schon sehr. Gleichzeitig ist sie auch ein bisschen wehmütig, da es die letzte Spielzeit unter Generalmusikdirektor Markus Poschner sein wird. „Ich finde es sehr traurig, dass er geht“, sagt Straube. Er ist ein freundlicher Mann – und mit Leib und Seele Musiker.“

Mit den Stücken für seine letzte Saison trifft Poschner allerdings genau Straubes Geschmack. Unter dem Motto „An die Grenze“ präsentiert das Orchester 2016/17 unter anderem einige Werke, die – wie der Titel schon sagt – an Grenzen rührten und rühren und aus dem Repertoire der klassischen Musik herausstechen. So eröffnen die Philharmoniker die Saison mit der „Hohen Messe in h-Moll“ von Johann Sebastian Bach.

Kultur im Alltag

Seit ein paar Jahren lebt Straube in einem Seniorenheim in Findorff. Eigentlich fühlt sie sich hier sehr wohl, aber – so gibt sie fast flüsternd zu – ein bisschen mehr Kultur im Alltag wäre schon schön. Zum Glück ist sie nicht die einzige Heimbewohnerin, für die Musik eine wichtige Rolle im Leben spielt. Gemeinsam mit einer ehemaligen Cellisten musiziert sie regelmäßig, spielt Volkslieder auf dem Klavier oder hört sich alte Schallplatten an. Beethoven, Schubert – die Plattensammlung ihrer Freundin sei groß. Und wenn es dann doch einmal an Unterhaltung fehlt, ist der Weg ins Philharmonische Konzert ja zum Glück nicht so weit.

Das erste Philharmonische Konzert der Saison 2016/17 mit dem Titel „Gipfeltreffen“ findet am Sonntag, 25. September, um 11 Uhr und am Montag, 26. September, um 20 Uhr in der Glocke statt. Tickets an allen Nordwest-Ticket-Verkaufsstellen sowie an der Abendkasse.
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