Kraftklub spielen in der ÖVB-Arena Ein spektakulär unspektakulärer Auftritt

Zwei Mal wurde das Konzert von Kraftklub in Bremen wegen der großen Nachfrage in größere Hallen verlegt. Am Sonnabend bewies die Band aus Chemnitz, dass sie auch in der ÖVB-Arena funktioniert.
15.03.2015, 16:30
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

„Unsere Fans haben sich veränder, unsere Fans haben sich verkauft. Unsere Fans sind jetzt Mainstream“ – so reagieren Kraftklub auf die szeneüblichen Reflexe auf ihren Erfolg. Sie drehen die Kausalitäten einfach um und behaupten, sie seien sich selber treu geblieben. Den Beweis liefern sie mit einem spektakulär unspektakulären Auftritt in der ÖVB-Arena.

In der Tat verläuft die Erfolgskurve der Band schwindelerregend steil: Die Chronologie ihrer Bremer Auftritte führt von der MS Treue über das Pier 2 direkt in die Arena. Gleich zweimal wurde das Konzert in größere Hallen umverlegt, weil die Nachfrage nicht abriss. Und so ist die Band aus Chemnitz, die noch immer trotzig singt, sie käme aus Karl-Marx-Stadt, unbeschadet angekommen in den Mehrzweckhallen der Republik, wobei der Bremer Auftritt der größte der derzeitigen Tour ist.

Kraftklub und die Bremer Jugend, die mit wenigen Ergänzungen aus reiferen Altersklassen die ehemalige Stadthalle zwar nicht vollständig, aber doch beeindruckend füllt, – das passt offensichtlich perfekt zusammen. Sänger Felix Brummer und seine Kollegen treffen den Nerv ihrer Generation, weil sie vieles mitbringen, was bei hoch gecasteten Popsternchen eben nicht zu finden ist: Themen, mit denen sich leicht zu identifizieren ist, musikalische Umsetzungen, die genauso direkt und unverstellt funktionieren, und vor allem eine Haltung, die weder moralisch vorbildlich noch politisch korrekt ist und dennoch Idealen folgt, die offenkundig massenhaft Zustimmung finden.

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Die Wurzeln von Kraftklub liegen im Punkrock, den sie mit eher gerappten Gesang verbinden. Auch wenn es nicht eines zusätzlichen Beweises bedarf, liefert die Band ihn dennoch: Gemeinsam mit ihrer Vorgruppe Still Trees spielen sie den Ramones-Klassiker „Blitzkrieg bop“. Auch im Umgang mit ihrem Support zeigen die Abräumer Größe: Brummer persönlich kündigt das junge Quintett an und erinnert sich an noch gar nicht lang vergangene Zeiten, in denen sich Kraftklub selber noch als Vorprogramm anderer Popularität erspielte. Musikalisch sind Still Trees weniger ruppig aufgestellt als die Hauptattraktion und liefern eine solide Einstimmung auf die dann folgende große Punkrock-Party ab.

„Clubmäßig“ fühle sich die Arena an, meint Brummer und hat recht: Kraftklub verzichten auf große Videoleinwände und stellen die Nähe zum Publikum lieber physisch her. Inmitten der Fans spielen sie zwei Songs auf einem kleinen Podest am Mischpult und lassen sich dann via Crowdsurfing von den Massen zurück auf die Hauptbühne tragen. Den wahren Sieger bei diesem Wettrennen machen sie allerdings schon vorher unter den Besuchern aus: Ein Fan, der mitsamt seines Rollstuhls über die Köpfe der anderen emporgehoben wird, gibt dem Begriff Rock’n’Roll eine ganz neue Wendung.

Zu dem Programm, das sich vor allem aus dem neuen Album speist und manche ältere Stücke nur knapp in Medleys anreißt, fließt reichlich Schweiß – bei Band und Publikum. Die üblichen Spiele sind bekannt, die musikalischen Zutaten auch. Die Mischung aber ist nach wie vor frisch und auf eines kann man sich sowieso einigen: „Wer nicht hüpft, ist kein Bremer!“

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