Katalanischer Regisseur Ventura Pons zu Gast in Bremen Ein Weltbürger aus Barcelona

Bremen. Filme über Kataloniens Hauptstadt Barcelona zeigt das Kino 46 in Zusammenarbeit mit dem Instituto Cervantes derzeit. Zum Auftakt konnte der katalanische Regisseur Ventura Pons als Gast gewonnen werden.
12.03.2010, 12:10
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Ein Weltbürger aus Barcelona
Von Iris Hetscher

Bremen. Filme über Kataloniens Hauptstadt Barcelona zeigt das Kino 46 in Zusammenarbeit mit dem Instituto Cervantes derzeit. Zum Auftakt konnte der katalanische Regisseur Ventura Pons als Gast gewonnen werden.

Ist er ein Heimatfilmer? Ventura Ponsdenkt einen Moment über diesen Begriff nach. Der katalanische Regisseur, der zum Auftakt des Barcelona-Filmfestivals zwei Tage in Bremen zu Gast war, ist immerhin einer, der immer wieder über den einen Ort nachdenkt und arbeitet, an dem er geboren wurde und an dem er lebt.

Trotzdem ist er nicht ganz zufrieden mit diesem Begriff. Heimat - da kommt ihm sofort das gleichnamige deutsche Epos von Edgar Reitz in den Sinn, die Geschichte des fiktiven Ortes Schabbach im Hunsrück. Pons erzählt in seinen bisher 21 Filmen zwar auch von seiner Heimat, doch er tut dies über die Menschen, die dort leben, über ihre Lebensgeschichten, ihren Alltag, ihre Moralvorstellungen.

Insofern spiegelt sich das besondere Flair, das Barcelona hat, nicht wider in Postkartenansichten der Stadt oder illustrierten Mythen. Es fängt den Betrachter ein in Geschichten wie der einer Familie, der innerhalb von 40 Jahren gleich zwei Mal dasselbe Schicksal widerfährt - jemand stirbt, Trauer und Verzweiflung prägen das Leben. Und außerdem die Begegnung mit Nachbarn, die aus der Fremde kommen. Pons philosophiert über Nähe und Ferne, über Fremdheit und den Begriff von Familiarität und den Wandel, den diese besondere zwischenmenschliche Beziehung in den vergangenen Jahren durchlaufen hat ("Forasters"). In einem anderen Film porträtiert Pons sechs Menschen, die in einer Wohnung zusammenleben und sich aufeinander einstellen müssen ("Barcelona - un mapa").

"In jeder Stadt verhalten sich Menschen anders und das ist das, was den Unterschied ausmacht", beschreibt der 65-Jährige. Gleichzeitig gibt es eine Klammer in seinen Filmen, universelle Themen wie Liebe, Emotionen, Freundschaft und immer wieder der Tod. Gerade das Sterben als Subjekt beschäftigt Pons, er berichtet von einem Schlüsselerlebnis: Vor einigen Jahren in einem Mexiko-Urlaub wurde auf den Regisseur geschossen. Die Kugel prallte von seinem Gürtel ab, er entging knapp dem Tod. "Dieses Erlebnis habe ich in meinem zweiten Film verarbeitet", sagt er. Wohl nicht nur dort.

Die Filme von Ventura Pons funktionieren wegen dieser unterschiedlichen Zutaten weltweit. Seitdem er 1977 mit seinem ersten Werk "Ocana" zum Filmfestival in Cannes eingeladen wurde, tourt der Katalane durch die Welt, wenn er nicht gerade neue Projekte verwirklicht. Längst hat er seine eigene Produktionsgesellschaft ("Els films de la Rambla"), überwacht sämtliche Bereiche der Drehs - und sagt von sich "ich möchte nichts anderes machen, ich weiß, dass ich sehr privilegiert bin."

Mit viel Feuer erzählt er von seinen vielen Reisen zu Filmfestivals in Japan, Südamerika, der Türkei, Spanien, Polen, den USA und gleich fünf Mal zur Berlinale. Immer im Gepäck: Seine Filme, die er "meine große Familie" nennt. Ein Eigenbrötler ist der Regisseur mitnichten, Kommunikation mit Kollegen und dem Publikum ist für ihn und seine Kreativität sehr wichtig. Mit Woody Allen, Pedro Almodovar oder Bertrand Tavernier ist er befreundet, überprüft seine eigene Arbeit immer wieder, indem er Werke von Kollegen anschaut: "Man hat einen objektiven Blick auf die Werke anderer und kann studieren, wie unterschiedlich Kollegen arbeiten."

Ventura Pons arbeitet derzeit an seinem 22. Film, über dessen Inhalt er nichts verraten möchte. Auch bei diesem wird er sich wieder über diese ganz spezielle Reaktion des Publikums freuen, die er so beschreibt: "Da hat man eine Idee unter der Dusche und ein Jahr später sieht man den fertigen Film auf einem Festival in Südamerika und die Leute lachen und weinen darüber. Dieser Moment ist nicht beschreibbar und ich möchte ihn immer wieder erleben."

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