Interview mit Lena Wischhusen "Eine Entführung in eine andere Welt"

Die Bremer Sängerin Lena Wischhusen ist seit 2012 im Ensemble des Fritz-Theaters. Aber sie hat noch eine andere Passion: Im Rahmen der Konzertreihe "Fritz Unplugged" singt sie Lieder von Adele.
27.03.2018, 17:12
Lesedauer: 4 Min
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Von Alexandra Knief
Frau Wischhusen, wann haben Sie für sich entschieden: Ich will Musicaldarstellerin werden?

Lena Wischhusen: Für Musical habe ich mich so mit 14 schon entschieden. Dass ich Sängerin werden möchte, war mir quasi von Geburt an klar. Also zumindest seit ich singen konnte. Auch in die Freunde-Büchern, die man früher in der Schule hatte, habe ich bei Berufswunsch immer Sängerin reingeschrieben – ganz kurz auch mal Pianistin, das war aber eine kurze Phase. Ich wollte nie was anderes.

Was macht die Arbeit auf der Bühne für Sie so besonders?

Natürlich ist es toll, in andere Rollen zu schlüpfen, was ganz anderes sein zu können als man privat ist. Was mich total erfüllt ist aber auch, wenn Menschen einen schönen Abend haben, wenn die Leute nach dem Auftritt zu uns sagen, dass sie für zwei Stunden ihren Alltag vergessen konnten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Theater auch für mich früher einen Zauber hatte, wie eine Entführung in eine andere Welt.

Sie sagen "hatte". Lässt der Zauber nach, wenn man selbst auf der Bühne steht?

Ja, leider. Ich wünsche mir manchmal, dass ich noch einmal ein Stück so sehen könnte, wie ich es vor der Ausbildung und dem Wissen um alles gesehen habe. Mit ungefähr zwölf habe ich "Cats" geguckt. Neben mir ist jemand in Ohnmacht gefallen, und ich habe es nicht einmal gemerkt, weil ich so gefesselt war von dem, was auf der Bühne passiert ist. Inzwischen sieht man alles: technische Sachen, vielleicht auch Fehler, man geht alles etwas wissenschaftlicher an.

Sie sind in Ihrer Karriere schon viel rumgekommen, waren auch außerhalb Deutschlands mit Musicals auf Tour. 2012 sind Sie am Fritz-Theater gelandet. Wie kam es überhaupt dazu?

Das war ein lustiger Zufall. Ich habe gehört, dass das Theater hier neu aufgemacht hat, und wusste, dass Freunde hier spielen. Ich wollte gerne zurück nach Bremen, war das viele Touren und Unterwegs-Sein ein bisschen leid. Also hab ich einfach eine Bewerbung geschickt. Als ich in Basel, wo ich gerade ein Engagement beendet hatte, auf dem Bahnsteig stand, bekam ich einen Anruf, wann ich kommen könnte. Sie hätten eine Rolle für mich. Das war wohl Schicksal.

Sie stehen aber nicht nur bei den Theaterproduktionen auf der Bühne. Unter dem Motto „Ladele“ geben Sie Konzerte im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Fritz Unplugged“. Wie kam es dazu?

Wir haben über neue Konzepte nachgedacht und fanden die Idee, Unplugged-Konzerte zu machen, sehr schön. Ich bin glühende Adele-Verehrerin und bei jedem Konzeptionsgespräch habe ich angeboten, dass ich problemlos alle drei Alben von Adele singen könnte. Ich glaube, irgendwann habe ich jeden damit genervt, weil ich es zu jeder passenden – und auch unpassenden – Gelegenheit gesagt habe. Irgendwann sagte unser Chef: Lena, such dir 'ne Band, und dann mach endlich deinen Abend! Aus meinem Vornamen und Adele wurde dann der Veranstaltungstitel „Ladele“. Inzwischen gibt es jeden Monat eine Unplugged-Veranstaltung mit externen oder internen Künstlern. Vergangenes Jahr im Mai haben wir das erste Konzert gegeben und jetzt ist es bereits das dritte.

Was fasziniert Sie so an der britischen Musikerin?

Ich liebe ihre Stimme, ihre Texte, ihre Melodien. Ich denke mir immer: Dieses Lied hätte ich selber gern geschrieben. Ich finde es toll, dass sie in dieser Popwelt, in der viele so stereotyp sind, einfach ein bisschen unangepasst ist. Es gibt so sagenhafte Momente, zum Beispiel, als sie bei der Grammy-Verleihung in einer komplett falschen Tonart angefangen hat zu singen, abgebrochen und noch einmal von vorne losgelegt hat. Dafür habe ich sie gefeiert. Wir kennen als Sänger alle die Angst, dass etwas schief geht. Aber es ist einfach kein Beinbruch, wenn es mal so ist. Auch dann nicht, wenn es bei den Grammys ist.

Erwartet das Publikum ein reiner Adele-Abend, oder wird es noch andere Songs zu hören geben?

Wie singen auch noch andere Sachen. Natürlich gibt es viele tolle Interpreten und viele persönliche Lieblingslieder. Wir spielen auch Musik von Sting, zum Beispiel. Außerdem singen wir zum ersten Mal auch Sachen auf Deutsch. Rio Reiser ist dabei und auch Herbert Grönemeyer. Von Adele suchen wir uns auch immer Lieder aus, die nicht so oft im Radio gespielt werden, die zum Teil auch keine Singleauskopplung waren. Alle Lieder haben für mich etwas spezielles, ein bestimmtes Gefühl, das sie transportieren.

Wie viel Lena Wischhusen steckt in den gecoverten Liedern?

Ich versuche, Songs so auszuwählen, dass sie für mich auch eine Geschichte erzählen. Die versuche ich dann so zu erzählen, als wäre es meine eigene. Natürlich sind einige Sachen auch nah am Original, weil das Original einfach so gut ist. Aber manchmal machen wir Titel bewusst auch ganz anders.

Die Fritz-Produktionen sind ja meist sehr humorvoll. Ist das Unplugged-Konzert eine Art ernsterer Ausgleich für Sie?

Auf jeden Fall. Unser Pianist Oliver Ahlbrecht und ich suchen die meisten Stücke für das Konzert aus, und wir tendieren immer zu Balladen. Ich singe immer gerne Sachen, die mich berühren. Auf jeden Fall lebe ich da eine Seite aus, die ich in den Stücken oft nicht ausleben kann.

Was kann man in Bremen in Zukunft noch von Ihnen erwarten?

Mit dem Adele-Projekt wollen wir gerne weitermachen. Wir haben auch Ideen, in Zukunft vielleicht ein neues Projekt mit visuellen oder tänzerischen Elementen zu machen. Außerdem arbeiten Oliver Ahlbrecht und ich gerade an dem Projekt "Blue", wo Songs des gleichnamigen Joni Mitchell-Albums mit unterschiedlichen Sängern und Instrumentalisten neu aufgenommen werden. Und natürlich plane ich auch, weiter im Fritz zu spielen und bin sehr gespannt, was das Jahr sonst noch alles so für mich bereithält.

Der Name Wischhusen ist ja durchaus bekannt in Bremen und auch der Mädchenname der Unternehmerin und FDP-Bürgerschaftsabgeordneten Lencke Steiner. Sind Sie verwandt mit ihr?

Wir haben oft Gäste, die mich das fragen. Wir sind ein Jahrgang und in die gleiche Grundschule gegangen, und wir sind eine Straße entfernt voneinander aufgewachsen. Aber es gibt keine direkte Verwandtschaft. Nach der Grundschule trennten sich unsere Wege, kreuzen sich aber immer mal wieder durch unsere Namensverwandtschaft. Wäre Lencke nicht zwei Wochen nach mir geboren, hätte sie auch Lena geheißen. Das hat ihre Mutter mir mal erzählt, als fälschlicherweise Hochzeitsgeschenke für Lencke an mich geliefert wurden.

Die Fragen stellte Alexandra Knief.

Info

Zur Person

Lena Wischhusen (32)

ist ausgebildete Musicaldarstellerin und gehört seit 2012 zum Ensemble des Bremer Fritz-Theaters, wo sie schon zahlreiche Bühnenrollen übernahm. Am Donnerstag steht sie mit ihrer Band zum dritten Mal im Rahmen der Konzertreihe "Fritz-Unplugged" auf der Bühne und singt Songs von Adele.

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