Vanessa Redgrave liest im Bremer Schauspielhaus Eine Streiterin für die Menschenrechte

Bremen. Die britische Schauspiel-Ikone Vanessa Redgrave liest am Karsamstag im Schauspielhaus und erzählt aus ihrem Leben. Die 73-jährige Oscar-Preisträgerin, die stark politisch engagiert ist, liest aus dem Buch von Murat Kurnaz sowie Texte von William Shakespeare.
29.03.2010, 14:43
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Eine Streiterin für die Menschenrechte
Von Iris Hetscher

Bremen. Die britische Schauspiel-Ikone Vanessa Redgrave liest am Karsamstag im Schauspielhaus und erzählt aus ihrem Leben. Die 73-jährige Oscar-Preisträgerin, die stark politisch engagiert ist und sich aktuell für die Schließung des US-Gefangenenlagers Guantanamo einsetzt, liest aus dem Buch von Murat Kurnaz sowie Texte von William Shakespeare. Unsere Redakteurin Iris Hetscher hat mit ihr gesprochen.

Mrs. Redgrave, Sie lesen am Samstag im Bremer Schauspielhaus und erzählen aus ihrem Leben. Wie ist es zu diesem spontanen Termin gekommen?

Ich drehe in Berlin gerade einen Film über Shakespeare, bei dem Roland Emmerich Regie führt, und sobald ich wusste, dass ich ein paar Tage frei haben würde, habe ich Bernhard Docke (den Bremer Anwalt von Murat Kurnaz, Anm. d. Red.) angerufen und vorgeschlagen, für eine Diskussionsveranstaltung plus Lesung nach Bremen zu kommen. Dies alles geschieht nun und ich bin sehr dankbar dafür.

Woher kennen Sie Murat Kurnaz und Bernhard Docke?

Ich habe Murat Kurnaz kennengelernt, als er im Frühjahr 2008 sein Buch "Fünf Jahre meines Lebens: ein Unschuldiger in Guantanamo" in London vorstellte. Seine Mutter habe ich ebenfalls in dem Jahr getroffen, als ich in Hamburg gedreht habe. Damals habe ich Bernhard Docke gebeten, bei den Bremer Theatern nachzufragen, ob Interesse an einer Lesung und öffentlichen Veranstaltung mit mir besteht. Für mich sind die Anwälte, die sich für die Menschenrechte engagieren, die Helden unserer Zeit - daher hege ich tiefen Respekt für Bernhard Docke. Ihn kenne ich seit sechs Jahren, als mein Bruder Corin und ich in Washington eine Abordnung von Familienangehörigen deutscher und französischer Guantanamo-Gefangener und von deren Anwälten organisiert haben. Das war vor der Entscheidung des Supreme Courts vom Juni 2004, die den Weg dafür frei machte, dass Anwälte Insassen vor Gericht vertreten konnten. Keiner der Gefangenen war irgendeines Verbrechens angeklagt; ich wüsste gerne, wie viele Menschen sich dieser Tatsache eigentlich bewusst sind.

Sie sind seit Jahrzehnten als politisch stark interessierte und engagierte Schauspielerin bekannt. Einerseits Künstlerin zu sein, andererseits die Gesellschaft aktiv mitgestalten zu wollen, birgt das nicht die Gefahr, plakative Kunst zu machen?

Dazu gibt es eine Geschichte: Als ich zwölf Jahre alt war (1949, Anm. der Red.), habe ich im Radio eine Sendung über die Deklaration der Menschenrechte gehört. Einige amerikanische und britische Schauspieler lasen dramatisierte Szenen einzelner Artikel, was deren Wirkung auf mich nur noch verstärkte. Ich war danach völlig überzeugt davon, dass die Regierungen nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs endlich einen Weg gefunden hatten, dass so etwas nie wieder geschehen könnte. Vor allem die Passage über die Folter hat großen Eindruck auf mich gemacht. Diese Deklaration hat viele Menschen in der ganzen Welt inspiriert, in der Sowjetunion beispielsweise, auch Nelson Mandela erwähnt sie in seiner Autobiographie. Es ist also möglich, Kunst und Politik so geschickt zu kombinieren, dass man die Menschen erreicht.

Schauspieler beklagen immer wieder, dass wegen Ihres politischen Engagements Ihre Karriere ins Stocken gerät. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Es kann manchmal in der Tat schwierig sein, aber ich habe es irgendwie hinbekommen. Ich habe damit aber immer auch positive Erfahrungen gemacht: Es gibt viele Menschen, die bereit sind, eine gerechte Sache zu unterstützen, wenn es um Grundsätzliches geht.

Teilen Sie die Auffassung, dass in Hollywood heute erheblich mehr Filme über politische Themen produziert werden als noch vor fünf Jahren?

Es gab in der Tat einige bemerkenswerte amerikanische Filme in den vergangenen Jahren, beispielsweise die beiden Filme von Clint Eastwood über die Schlacht in Iwo Jima ("Letters from Iwo Jima" und "Flags of our Fathers", Anm. der Red.). Hier wird die Geschichte aus der Sicht amerikanischer und japanischer Soldaten erzählt.

Derzeit drehen Sie in Berlin mit Roland Emmerich. Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich bin demnächst in der Verfilmung von Shakespeare's "Coriolan" unter der Regie von Ralph Fiennes zu sehen, wir drehen in Belgrad. Außerdem werde ich einen Dokumentarfilm über Unicef präsentieren, den ich produziert habe.

Die Veranstaltung mit Vanessa Redgrave findet am Karsamstag, 20 Uhr, im Schauspielhaus des Bremer Theaters statt

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