Bremer Theaterprofis: Schauspieler

Einmal den Don Quijote spielen

Bremen. Martin Baum arbeitet seit sechs Jahren als Schauspieler am Bremer Theater. Er hat sich gleich zu Beginn seines Berufslebens dafür entschieden, nicht nur Darsteller zu sein, sondern auch Regie zu führen. Aktuell inszeniert er die "Komödie im
26.05.2010, 11:44
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Einmal den Don Quijote spielen
Von Iris Hetscher
Einmal den Don Quijote spielen

Martin Baum inszeniert die "Komödie im Dunkeln".

Iris Hetscher

Bremen. Martin Baum arbeitet seit sechs Jahren als Schauspieler am Bremer Theater. Er hat sich gleich zu Beginn seines Berufslebens dafür entschieden, nicht nur Darsteller zu sein, sondern auch Regie zu führen. Bei beiden Professionen steht für Baum immer eins im Vordergrund: "Ich möchte Geschichten erzählen".

Koch? Lehrer? Oder doch Schauspieler? Ernsthaft überlegen musste Martin Baum eigentlich nicht: "Ich komme aus einer Schauspielerfamilie, ich bin von klein auf mit dem Theater vertraut." Natürlich wurde der kleine Martin nicht gleich von seinen Eltern mit Faust oder Hamlet konfrontiert, aber die Welt eines "Räuber Hotzenplotz" faszinierte ihn prompt. Eines der ersten Märchen, die er auf der Bühne gesehen hat, waren, die Bremer Stadtmusikanten - "tatsächlich", betont Baum und lächelt.

Der weitere Weg in seinen Beruf verläuft danach schnurgerade: In der Schule tat er dann in der Theater-AG mit, nach dem Zivildienst absolviert eine Schauspielausbildung am renommierten Salzburger Mozarteum, danach folgen Gastverträge. Mit einem Kindermusical tourt Martin Baum durch Deutschland, er spielt einen sechsjährigen Jungen. Es folgen Gastverträge an den Bühnen in Marburg und Heilbronn, "das war eine Knochenmühle", beschreibt er diese Zeit. Fünf Hauptrollen pro Jahr studierte er ein, darunter auch gleich den Jago aus Shakespeares "Othello".

Lehrreiche Jahre seien dies gewesen, zwischendurch mit Stückverträgen in Zürich. Baum schätzt es, die Arbeitsweisen von unterschiedlichen Regisseuren kennenzulernen, entscheidet sich schließlich für einen Vertrag am Staatstheater Kassel. Sechs Jahre bleibt er dort, erinnert sich gerne an den Malvolio aus Shakespeares "Was ihr wollt", den McHeath aus der "Dreigroschenoper" von Bert Brecht und Kurt Weill oder "Peer Gynt" - "eine meiner Lieblingsrollen", sagt Martin Baum. Und warum? "Das ist der nordische Faust mit einer mystischeren Ausrichtung, das liegt mir mehr".

Außerdem handele es sich um eine Rolle, die die Entwicklung eines Menschen von ganz jung bis ganz alt umfasse. "Das ist eine große Aufgabe für einen Schauspieler, ich mag es, so herausgefordert zu werden." Nicht jede Rolle und jede Inszenierung, in der er mitgespielt habe und jetzt mitwirke, gefalle ihm, so Baum, aber: "Ein bis zwei Inszenierungen pro Jahr, die mir zusagen, reichen fürs Gemüt." Schon deshalb, weil Schauspieler zu sein nach wie vor sein Traumberuf ist - "es erlaubt mir, wieder Kind zu sein".

Seit sechs Jahren arbeitet Martin Baum in Bremen, und hier erhält er jetzt zum zweiten Mal die Chance, auch Regie zu führen. Das ist die zweite Passion des gebürtigen Österreichers, die er auch in Kassel schon ein wenig ausleben konnte. In Bremen geht er jetzt mit der "Komödie im Dunkeln" des Briten Peter Shaffer in die Vollen, am 29. Mai wird Premiere gefeiert. Ein Schauspieler als Regisseur, das sei ein anderer Ansatz, als wenn jemand die Inszenierung verantworte, der nicht selber auf der Bühne stehe. "Man kann besser nachvollziehen, welche Frage sich jemand stellt, der eine Rolle gestalten muss", sagt Baum. Aber Verständnis hin, Verständnis her - Baum hat klare Ziele: "Emotionen bei den Zuschauern wecken, sehr gute Schauspielleistungen zeigen."

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