Kunsthalle zeigt Retrospektive

Emile Bernard in Bremen wiederentdecken

Prostituierte in Paris, bretonische Bauern und der Orient: Die Kunsthalle Bremen zeigt ab 7. Februar eine Ausstellung mit Werken des Malers Emile Bernard (1868-1941).
05.02.2015, 12:53
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Emile Bernard in Bremen wiederentdecken

Die Weizenernte, 1888.

RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay / Jean-Gilles Berizzi)

Prostituierte in Paris, bretonische Bauern und der Orient: Emile Bernard (1868-1941) hat viel gemalt und experimentiert. Doch seine Künstlerfreunde Vincent van Gogh und Paul Gauguin haben ihn in den Schatten gestellt. Jetzt ist Bernard in Bremen wieder zu entdecken - in einer Retrospektive der Kunsthalle.

Sein Leben ist abenteuerlich. Als 16-Jähriger fliegt Emile Bernard (1868-1941) von der Schule, kurz darauf muss er eine private Kunstschule in Paris verlassen. Der aufmüpfige Zeichner pilgert in die Bretagne, wo er Natur und Landleben malt. Seite an Seite mit Gauguin entstehen Schlüsselwerke des Symbolismus. Als der Freund in Kunstkreisen später mehr Anerkennung erntet als er selbst, wandert Bernard tief gekränkt nach Kairo aus, wo er den Orient malt.

Am Puls der Moderne

Die von der Kunsthalle Bremen gemeinsam mit dem Musée d'Orsay in Paris entwickelte Retrospektive "Emile Bernard - Am Puls der Moderne" rückt den vergessenen Künstler ab diesem Samstag(7.2.) wieder ins Licht. 120 Werke sind hier in chronologischer Abfolge vor dezent grauen Wänden inszeniert, von frühen Schülerskizzen bis zu idealisierten Frauenakten. Dass sich dieser Rebell der Moderne später, entgegen allen Trends, der Klassik verschrieben hat, hätten ihm die Kunstkritiker nie verzeihen, sagt Ausstellungskuratorin Dorothee Hansen: "Bernard ist weitgehend in Vergessenheit geraten."

Wie radikal neu das Werk des Franzosen anfangs ist, lässt sich an der "Weizenernte" ablesen, einem Schlüsselwerk der Bremer Retrospektive. Das Gemälde des 20-jährigen Bernard zeigt bretonische Frauen vor getreidegelber Kulisse. Landschaft hat sich in eine abstrakten Farbfläche verwandelt. Inspiriert von japanischen Holzschnitten, begrenzt der Künstler seine Figuren mit schwarzen Umrisslinien. "Hier ist jemand, der vor nichts zurückschreckt", schreibt Gauguin über den Freund und tauscht dieses Hochformat gegen eine seiner eigenen Arbeiten.

Wilde Farben

Bernard malt, was er fühlt. Und das mit wilden Farben. Hinter den radikal angeschnittenen "Lumpensammlerinnen" leuchtet ein türkisblauer Fluss. Sein "Porträt der Großmutter" zeigt die alte Frau so schonungslos, dass van Gogh das Bild unbedingt haben will und mit in die Provence nimmt. Später dann der Bruch. Als es chic wird, avantgardistisch zu malen, wendet sich Bernard von der Moderne ab und lässt sich von der italienischen Renaissance inspirieren. "Er trotzte mutig dem Zeitgeist", sagt Hansen.

Selbstbildnisse spiegeln Bernards Entwicklung vom schmalschultrigen jungen Mann bis zur Inszenierung als Malerfürst der Renaissance. In einer Phase der künstlerischen Krise, von Selbstzweifeln gequält, zeigt sich er zwischen sinnlichen Aktfiguren und dem strengen Blick von Jesus mit der Dornenkrone. In der Religion hat dieser "Impulsgeber der Moderne" nach Angaben von Hansen neue Kraft und Inspiration gefunden.

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Die Kunsthalle Bremen erkennt früh die Bedeutung dieses Außenseiters. Bereits vor 48 Jahren war hier die deutschlandweit erste Bernard-Ausstellung zu sehen. Werke wurden angekauft, darunter "Die Blaue Kaffeekanne" und das alte Kassenbuch von Bernards Vater, einem Textilhändler aus Lille. In dieses Album hat der Sohn - in wildem Durcheinander - mehr als 850 seiner Zeichnungen geklebt. Jetzt sind diese Feder- und Bleistiftskizzen erstmals zu sehen: Impressionen aus Bernards Schulzeit, Porträts von seinem Vater und Männern mit Hut, Naturstudien und frühe Bildentwürfe - Arbeiten die Bernards Besessenheit und Experimentierlust spiegeln.

Die Ausstellung läuft vom 7. Februar bis 31. Mai 2015 und ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, dienstags von 10 bis 21 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen gibt es hier.

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