Kunstgeschichte Enthüllung über eine Blöße

In dem Buch „L’Origine du monde, vie du modele“ verrät ein französischer Philologe, wer Gustave Courbet 1866 für sein weltberühmtes Skandalgemälde Modell gelegen haben soll: eine Tänzerin.
25.09.2018, 17:28
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Enthüllung über eine Blöße
Von Hendrik Werner

Ein französischer Literaturwissenschaftler hat womöglich eines der größten Rätsel der Kunstgeschichte gelöst. Bei dem weiblichen Modell des französischen Malers Gustave Courbet (1819-1877), das seine bis auf reichlich Haar unbekleidete Scham für das skandalisierte Gemälde „Der Ursprung der Welt“ (1866) zur Schau gestellt hat, soll es sich um die Tänzerin Constance Quéniaux handeln. 34 Jahre alt war die Künstlerin zum Entstehungszeitpunkt des Bildes. Diese Umstände, nun ja, enthüllt Claude Schopp, der mit einer Biografie über Alexandre Dumas reüssierte, in „L'Origine du monde, vie du modèle“ (Der Ursprung der Welt, das Leben des Modells), seinem jüngsten Buch.

Auf die spektakuläre Entdeckung stieß der 75-Jährige Träger der Literaturauszeichnung Prix Goncourt beim Schreiben des biografischen Werkes, das Anfang Oktober in Frankreich erscheint. Dem Namen der einstigen Tänzerin an der Pariser Oper kam der Philologe nach eigenem Bekunden zufällig auf die Spur, als er den Briefwechsel zwischen dem französischen Dichter Alexandre Dumas der Jüngere („Die Kameliendame“) und der Vielschreiberin George Sand („Ein Winter auf Mallorca“) auswertete.

Die französische Grafik-Expertin Sylvie Aubenas pflichtet Schopps These bei. Es sei zu 99 Prozent sicher, dass es sich bei Courbets Modell um Constance Quéniaux gehandelt habe. Quéniaux soll zudem die Geliebte des türkisch-ägyptischen Diplomaten Khalil-Bey gewesen sein, der das Courbet-Bild in Auftrag gab. Unklar ist noch, ob sich der kunstsinnige Muslim die Verschleierung der Modell-Identität ausbedungen hatte.

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