Konzertkritik

Episch-humorvoller Auftritt

Mit Humor und Leidenschaft spielen das Orchester und der Chor der Universität Bremen ein komisches Oratorium der britischen Comedygruppe Monty Python.
03.02.2020, 16:26
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Episch-humorvoller Auftritt
Von Elena Matera
Episch-humorvoller Auftritt

Susanne Gläß

Kuhaupt

Bremen. Erzähler Stan trägt singend vor, wie er das Buch Brian von Monty Python im Jahr 1940 entdeckte. Es veränderte sein Leben – er wurde zur Frau. In sanfter Begleitung des Orchesters singt Stan, gespielt von dem Solisten Patrick Köhn, aus dem ersten Buch Brian. Köhn steht mit vier weiteren Solisten auf der Bühne im großen Saal der Glocke. Hinter ihnen sitzt das Orchester der Universität Bremen, auf der Empore steht der Chor. Köhn berichtet: Die Welt ist im Chaos, ähnlich wie im ersten Buch Mose des Alten Testaments. Kaum spricht der Solist das Wort Chaos aus, spielen die Streicher ein spannungsaufbauendes Tremolo, ein schnelles Streichen ohne Pause. Es folgt ein Trommelwirbel und der Chor stimmt mit voller Kraft ein: „Chaos“.

Das komische Oratorium „Not the messiah – He's a very naughty boy“ am Sonnabend in der Glocke begann dramatisch. Das Orchester und der Chor der Universität Bremen spielten das Stück unter der Leitung von Susanne Gläß. Der Inhalt des Oratoriums bezieht sich auf den Satirefilm „Das Leben des Brian“, der 1979 von der britischen Comedygruppe Monty Python veröffentlicht wurde. Eric Idle, ein Mitglied der Gruppe, und der Komponist John du Prez haben die Geschichte an die musikalische Form des Oratoriums angepasst, die in der Barockzeit für religiöse Inhalte entwickelt wurde.

Die Handlung: Brian wird in der derselben Nacht wie Jesus geboren – nur einen Stall weiter. Seine Mutter heißt nicht Maria, sondern Mandy und sie ist auch keine Jungfrau. Durch einen Zufall wird Brian zum Messias, dem Propheten, ausgerufen, allerdings gegen seinen Willen. Zum Schluss des Films wird Brian wie Jesus gekreuzigt.

Mit Humor und Leidenschaft stellen das Orchester und der Chor der Uni Bremen die Geschichte über das Leben von Brian dar. Besonders die fünf Solisten brillieren in ihrer Rolle: Bariton Patrick Köhn, Tenor Jan-Hendrik von Stemm, Sopranistin Sanaz Sadat Afzali, Mezzosopranistin Hanna Deutschmann und Bass Robert Gaitzsch. Die Herausforderung eines Oratoriums: Im Gegensatz zur Oper gibt es keine szenische Handlung. Humor, Ausdruckskraft und Schauspiel werden alleine durch den Gesang, die Erzählung und durch die Mimik und Gestik verkörpert. Den Solisten gelingt das. Sie sorgen in der gut zweistündigen Aufführung immer wieder für Lacher im Publikum.

Einer der musikalischen Höhepunkte des Abends ist das Stück „You're the One“, in dem Brian, gespielt von Jan-Hendrik von Stemm, von der Bevölkerung fälschlicherweise für den Messias gehalten wird. Zu Beginn singen nur die beiden Solistinnen Sanaz Sadat Afzali und Hanna Deutschmann die sanfte Melodie. Der Chor stimmt ein, in den Händen halten die Sänger die Lichter ihrer Smartphones in die Höhe und schwingen sie in der Luft. Einige Zuschauer im Saal machen es ihnen nach. Nach einiger Zeit setzt die Trommel ein und das Stück hört sich nun wie Marschmusik an, Dudelsackspieler Ivica Ilievski tritt mit einem Kuscheltierschaf auf die Bühne. Das gesamte Orchester spielt, der Chor singt – ein episch-humorvoller Auftritt.

Nach fast jedem Musikstück klatschen, pfeifen und jubeln die Zuschauer. Dirigentin Susanne Gläß dreht sich in diesen Momenten immer wieder zum Publikum um. Sie tritt leicht zur Seite, zeigt auf das Orchester und den Chor, ganz so, als würde sie sagen wollen: Das sind diejenigen, die das hier alles geschafft haben.

In der letzten Szene des Oratoriums wird Brian wie auch im Film gekreuzigt. Der Song „Always Look On The Bright Side Of Life“ ist dank eben jener Filmsequenz weltweit bekannt geworden. Das Publikum in der Glocke singt und pfeift mit. Zum Schluss gibt es für das Orchester und den Chor der Universität Bremen Standing Ovations.

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