Interview mit Mario Adorf

„Erfolgsgeschichten sind doch langweilig“

Mario Adorf ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler und dem Publikum vor allem durch seine mehr als 200 Film- und Fernsehrollen bekannt. Nun ist der 84-Jährige mit seinem Programm „Schauen Sie mal böse!“ unterwegs, das er auch in Bremen vorstellt.
20.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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„Erfolgsgeschichten sind doch langweilig“
Von Iris Hetscher

Mario Adorf ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler und dem Publikum vor allem durch seine mehr als 200 Film- und Fernsehrollen bekannt. Nun ist der 84-Jährige mit seinem Programm „Schauen Sie mal böse!“ unterwegs, in dem er Geschichten aus seinem Schauspielerleben erzählt und auch vorspielt. Iris Hetscher hat mit Mario Adorf gesprochen.

Herr Adorf, der Titel Ihres Programms klingt ja ganz schön ruppig und nicht so nett. Warum haben Sie den Titel gewählt?

Mario Adorf: Ich finde das nicht so negativ. Das ist ein Zitat, das im Programm vorkommt, in einer meiner Hauptgeschichten. Da hat ein Regisseur zu mir gesagt: „Jetzt schauen Sie doch mal böse!“, als ich für eine Rolle vorgesprochen habe.

Für welche Rolle war das?

Das war für „Nachts, wenn der Teufel kam“ von Robert Siodmak, der 1957 gedreht worden ist. Die Rolle habe ich dann auch bekommen.

Sie erzählen in Ihrem Programm Geschichten über berühmte Schauspielerkollegen. Wie ist es dazu gekommen?

Mein Verleger hat sich gewünscht, dass ich dieses Jahr, in dem ich ja im September einen halbrunden Geburtstag begehe (Mario Adorf wird 85 Jahre alt, Anm. d. Red.), ein neues Buch schreibe. Ich habe dann einige Anekdoten aufgeschrieben, und dann haben wir überlegt, dass die sich gut für ein Leseprogramm und eine kleine Tournee eignen.

Sie lesen Geschichten über Kollegen wie Heinz Rühmann, Hans Albers oder Fritz Kortner. Diese großen Namen des deutschen Theaters und Films sind heute nicht mehr unbedingt jedem geläufig. Welches Publikum kommt zu Ihren Veranstaltungen?

Ich kann ja nur aus meiner Erinnerung und von meiner Theaterzeit erzählen. Und die liegt 50 Jahre zurück. Aber daran sind offenbar viele Leute interessiert und wollen erfahren, wie das damals war. Ich denke, es wäre weniger spannend, wenn ich beispielsweise über die Arbeit an der Verfilmung der „Blechtrommel“ oder über den „Großen Bellheim“ sprechen würde.

Warum?

Das sind Erfolgsgeschichten, das ist doch langweilig. Die Leute wollen wissen, wie die Anfänge einer Karriere aussehen – auch die jungen Leute. Da geht es darum, wie man beginnt, warum man überhaupt Schauspieler werden will, wie man es dann schafft, und was man dafür tun muss. Das sind die spannenden Fragen, das ist auch bei jeder Biografie der einzige Teil, der interessant ist. Über die Erfolge wissen die Leute sowieso immer schon alles. Deshalb ist es auch unwichtig, ob die Zuschauer die Menschen kennen, von denen ich rede.

Weil es um das „wie“ geht und nicht um die Personen an sich.

Ja, das ist das Komische daran. Da wird über einen Fritz Kortner gelacht, obwohl viele gar nicht mehr wissen, wer das war, weil der Zusammenhang interessiert.

Welches ist die früheste Erinnerung, von der Sie erzählen?

Es beginnt damit, dass ich mit vier Jahren den siebten Zwerg in einer Märchenaufführung gespielt habe. Dann geht es um mein Studium in Mainz, in Zürich und in München.

Haben Sie eine Lieblingsanekdote?

Das ändert sich von Abend zu Abend, manchmal ist es eine komische, mal eine nachdenkliche. Ich überdenke das Programm aber auch ständig und schaue: Was kommt an, was nicht. Das ist eher ein Prozess, da ist nichts festgemauert. Auf jeden Fall soll das Programm unterhalten und nicht belehren.

Mario Adorf: „Schauen Sie mal böse!“, Mittwoch, 25. Februar, 20 Uhr, Die Glocke

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