Der Bremer Autor Mathias Groll

Erst Gesundheit, dann Gedichte

Mathias Groll hat sein Leben lang als Mediziner gearbeitet. Aber auch Literatur und Sprache haben ihn immer interessiert. Mit über 70 begann er, mehr aus seinem Hobby zu machen und wurde Autor.
23.03.2018, 17:52
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Erst Gesundheit, dann Gedichte
Von Alexandra Knief

Wie er zum Schreiben gekommen ist? Da muss Mathias Groll nicht lange überlegen: Alles begann mit einer alten Familientradition. Mit einem Schreibspiel, das seine Eltern einführten, als er noch klein war und fortführten, bis er und seine Schwester auszogen. Das Prinzip: Schriftlich Fragen zu den anderen Mitspielern beantworten.

Was einfach, zum Beispiel mit der passenden Farbe zur jeweiligen Person begann, wurde im Laufe der Jahre komplizierter. Was könnte die Person erfinden? Welches Verbrechen wäre typisch? Immer kniffliger werdende Aufgaben, wie die Beantwortung der Fragen im Stil eines bestimmten Schriftstellers, forderten die Mitspieler zusätzlich.

Nachdenken, die Fantasie anregen und ein Gefühl für, beziehungsweise Spaß an Sprache entwickeln. Nicht die schlechtesten Eigenschaften, die Eltern ihren Kindern spielerisch mit auf den Weg geben können. Und im Fall von Mathias Groll ist dabei auch langfristig etwas hängen geblieben. Der kleine Junge von damals ist heute 77 Jahre alt und hat mehrere Gedichtbände veröffentlicht. Im vergangenen Jahr den ersten Band, der nur mit seinen eigenen Werken gefüllt ist.

Groll wollte anderen Weg gehen als sein Vater

Lange war das Schreiben für ihn aber nur ein Hobby. Nach der Schule entschied der 1940 in München geborene und dort auch aufgewachsene Groll sich für ein Medizinstudium. "In der Schule dachten eigentlich alle, ich würde mich den Geisteswissenschaften widmen, weil ich so gut in Deutsch war", erinnert er sich. Da aber schon sein Vater (Gunter Groll, Lektor sowie bekannter Filmkritiker der "Süddeutschen Zeitung" in den 1940er- und 1950er-Jahren) diesen Weg eingeschlagen hatte, wollte Groll einen anderen gehen.

Er verbrachte Studiensemester mit dem Schwerpunkt Psychologie und Parapsychologie in Freiburg und promovierte am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Anschließend arbeitete er in den Bereichen Neurologie, Psychiatrie und Psychoanalyse. 1974 verschlug es ihn nach Bremen, wo er einige Jahre in der Krankenhaus-Psychiatrie tätig war, bevor er eine Ausbildung zum Psychoanalytiker machte und als Psychotherapeut in einer eigenen Praxis arbeitete. "Es war immer ein spannender Beruf, aber als ich damit aufgehört habe, wollte ich mich dann doch mehr mit Literatur beschäftigen", sagt Groll.

Also verbrachte er viel Zeit mit Lesen und schrieb hin und wieder mal etwas. Aber nur für sich selbst, "ohne größeren Anspruch", so wie er es sein ganzes Leben lang gemacht hatte. Am besten gefallen ihm persönlich bis heute kurze Gedichte in unterschiedlichen Formen. Die "Galgenlieder" von Christian Morgenstern zählen zu seinen Favoriten, auch japanische Haikus lese er oft und gern.

Zehn Gedichte für einen Freund

Dass aus seinem Hobby irgendwann Veröffentlichungen hervorgingen, war eher ein Zufall, denn Groll ist nicht der einzige in Bremen lebende Mediziner, den es in Richtung Kunst und Literatur zog: Ein Freund von ihm, Hans-Joachim Schwarz, widmet sich seit über zehn Jahren der digitalen Fotomalerei und schenkte Groll zu Feierlichkeiten immer wieder Selbstgemachtes.

"Irgendwann revanchierte ich mich und schenkte ihm zehn von mir zu seinen Bildern geschriebene Gedichte", sagt Groll. Das kam so gut an, dass die beiden 2014 ein Buch mit dem Titel "Bald kommen die Abendvögel" daraus machten. Ein Jahr später veröffentlichte Groll noch Gedichte im von der Bremer Autorin Inge Buck herausgegebenen Band "Aus dem Gepäck der Kriegskinder", in dem insgesamt acht Autoren ihre Erinnerungen und Erfahrungen während des Zweiten Weltkrieges und der Zeit danach lyrisch verarbeiten.

In "Die Kunst der Filmkritik" versammelte er im selben Jahr gemeinsam mit seiner Schwester mehr als 100 Kritiken, die sein bekannter Vater zu Lebzeiten schrieb. Ende vergangenen Jahres ist mit "Der Zikadenbaum" ein weiterer Gedichtband im Bremer Sujet Verlag veröffentlicht worden. Dieses Mal komplett gefüllt mit mehreren Dutzend von Groll geschriebenen Gedichten – älteren wie neueren.

Hoffnung auf neue Einfälle

Dabei verarbeitet er neben alltäglichen Eindrücken und vielen Bezügen zur Natur unter anderem auch Erfahrungen aus seiner Zeit als Arzt in der Psychiatrie oder Erinnerungen an den Krieg. "Ich wollte einfach gerne auch noch ein Buch ganz von mir alleine veröffentlichen", gibt Groll zu und lacht.

Und für die Zukunft? Da plant er, gemeinsam mit einem Freund eine Anthologie mit Gedichten aus der Weltliteratur zu veröffentlichen, die sich mit dem Thema Vergänglichkeit beschäftigen. "Außerdem überlege ich, auch im Bereich Prosa weiterzuarbeiten", sagt Groll. Neue Einfälle, auf die hofft er auch in den kommenden Jahren.

"Ein gutes Gedicht muss einen Überraschungseffekt haben, der einen berührt", sagt Groll. "Wenn das ausbleibt, kann das Gedicht technisch trotzdem gut sein, aber es fehlt etwas." Und wenn es beim Schreiben doch einmal hakt? Dann kann es nicht schaden, auf eine alte Familientradition zurückzugreifen.

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