Projekt: Antarktis „Es lohnt sich, seine Ziele zu verfolgen“

Drei Bremerhavener erfüllen sich einen Lebenstraum: Sie fahren in die Antarktis und drehen dort ihren ersten Kinofilm. Im Interview erzählen sie von Chancen, Kompromissen und zehn Meter hohen Wellen.
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„Es lohnt sich, seine Ziele zu verfolgen“
Von Ina Bullwinkel

Sie sagen selbst, dass Ihr Projekt eine völlig verrückte Idee war. Warum haben Sie es trotzdem gemacht?

Tim David Müller-Zitzke : Wir wollen mit diesem Film dazu motivieren, Dinge zu machen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt vernünftig erscheinen. Für uns waren die Antarktis und die Idee, dort einen Film zu drehen, ein Lebenstraum.

Es gibt bereits einige Filme über die Antarktis. Was ist bei Ihrem Film anders?

Michael Ginzburg : Die Antarktis ist für uns eine Metapher für etwas sehr schwer Erreichbares. Dort seinen ersten Kinofilm zu drehen ist nicht sehr wahrscheinlich, aber genau das hat für uns den Reiz ausgemacht. Wir wollten nicht die klassische Naturdoku machen, sondern den Zuschauer mit auf unsere Reise nehmen, damit er sie genauso erlebt, wie wir sie erlebt haben.

Müller-Zitzke : Wir haben den Film außerdem in Bremerhaven beginnen lassen, weil wir zeigen wollten, dass so ein Projekt nicht immer aus Berlin, L.A. oder Paris kommen muss.

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Am Anfang der Reise steckt Ihr Kamera-Equipment beim Zoll in Buenos Aires fest, das gesamte Projekt droht zu scheitern. Wie haben Sie das durchgestanden?

Dennis Vogt: Am Anfang haben wir es noch mit Humor genommen, aber einen Tag bevor das Expeditionsschiff zur Antarktis in Ushuaia abgelegt hat, ging uns schon der Stift. Wir hatten ja Sponsoren, die erwarten haben, dass wir in die Antarktis fahren und einen Film mitbringen.

Auf dem Schiff waren Sie krank, Equipment funktionierte nicht mehr. Haben Sie manchmal gedacht, die Zweifler hatten recht?

Müller-Zitzke : Auf jeden Fall. Das Projekt war zum Schluss wirklich Knochenarbeit, aber die ganzen Probleme stehen für das, was wir sagen wollen: Es lohnt sich, seine Ziele zu verfolgen. Wir wollen dazu anregen, dass gerade die junge Generation, die so viele Chancen hat, diese auch nutzt. Was nicht heißt, dass es einfach wird, aber es ist alles möglich.

Man könnte Ihnen vorwerfen, dass Sie es leichter hattet als andere, denn für viele Menschen erfüllen sich solche Träume nicht.

Müller-Zitzke : Wir haben alle drei keine reichen Eltern, die alles bezahlt haben. Wir haben alle irgendwann mal Bafög bekommen. Deswegen denken wir, dass man sich ganz gut mit uns messen kann. Die Sponsoren haben den Film möglich gemacht, wir selbst hätten das niemals bezahlen können. Jeder hat seine eigene Antarktis und die ist es wert, zu verfolgen.

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Drei Wochen auf einem Schiff zu verbringen ist anders als eine Hafenrundfahrt in Bremerhaven. Wie ging es Ihnen damit?

Vogt: Michael hatte schon Erfahrung auf Schiffen gesammelt, aber für Tim und mich war das Neuland, oder eher Neusee. Das ist schon eine harte Sache. Nicht nur, dass du seekrank bist, du hast auch mit der Psyche zu kämpfen, denn man kann ja nicht weg. Wenn du dann trotzdem zehn bis 15 Meter hohe Welle hast und filmen musst, ist das eine große Herausforderung.

Im Film sieht man nicht, wie Sie sich streiten. Sind Sie sich nie auf die Nerven gegangen?

Vogt: Auf dem Schiff sind wir nur einmal aneinandergeraten, als wir krank waren, keine Kraft mehr hatten und Angst, dass der Film nichts wird. Viel schwieriger war die Postproduktion. Den Mittelwert zu finden und Kompromisse einzugehen war nicht immer einfach.

Was war für Sie der bedeutendste Moment auf dieser Reise?

Ginzburg : Für mich war es das Erreichen der Kaiserpinguinkolonie. Wir saßen zu dem Zeitpunkt fast eine Woche wegen schlechten Wetters an Bord fest. Als der Funkspruch kam, dass der Helikopter zum Erkundungsflug in der Luft ist und wir uns anziehen sollen, war das ein erlösender Moment, weil wir wussten, jetzt kriegen wir unsere Aufnahmen.

Zwischendurch hatten Sie Angst, nicht genug Material für den Film zu haben.

Vogt: Irgendwann hatten wir keinen Überblick mehr. Wir hatten Punkte, an denen wir uns lang gehangelt haben wie die Hubschrauberaufnahmen und die Kaiserpinguinkolonie. Aber ob das Material für eine Spielfilmlänge reichen würde, wussten wir nicht. Erst ganz am Ende haben wir gecheckt: Wir haben die Story zusammen.

Ginzburg : Der Film ist besser geworden als der, den wir ursprünglich im Kopf hatten, weil so viel passiert ist, das nicht geplant war. Das war im Endeffekt Gold wert. Die Story hat sich auf dieser Reise entwickelt – genauso wie wir.

Das Gespräch führte Ina Bullwinkel.

Info

Zur Person

Drei Filmemacher aus Bremerhaven erfüllen sich einen Lebenstraum: Sie reisen in die Antarktis und drehen ihren ersten Kinofilm: „Projekt: Antarktis“. Drei Wochen verbringen Tim David Müller-Zitzke (24), Michael Ginzburg (30) und Dennis Vogt (25) auf einem Expeditionsschiff und halten alle Höhen und Tiefen mit der Kamera fest. In Bremen ist der Film aktuell in der Schauburg zu sehen.

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