Ablenkung in der Corona-Krise

Wie Escape-Games gegen Langeweile zu Hause helfen

Escape-Räume erfreuen sich großer Beliebtheit, befinden sich aktuell aber in einer Zwangspause. Wer dennoch nicht auf das Hobby verzichten will, kann auf Spiele und Bücher für zu Hause zurückgreifen.
22.04.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie Escape-Games gegen Langeweile zu Hause helfen
Von Alexandra Knief
Wie Escape-Games gegen Langeweile zu Hause helfen

Egal, ob alleine oder in der Gruppe: Das Angebot an Escape-Spielen, -büchern und anderen Rätseln für zuhause wächst.

Alexandra Knief

Eigentlich sollte es ein ganz normaler Passagierflug nach Barbados werden. Doch dann zieht ein gewaltiges Unwetter auf. Die Wolken sind fast schwarz, Blitze zucken über den Himmel, der Regen peitscht nur so gegen die Maschine. Die erste rote Alarmleuchte geht an. Dann noch eine. Und noch eine. Die Lage ist ernst. Nun gilt es schnell zu handeln. Die Crew hat maximal 90 Minuten Zeit, um die Sache in Ordnung zu bringen.

Schon das Lesen dieser Zeilen mag bei dem einen oder anderen für Schweißperlen auf der Stirn sorgen. Für Adrenalin im Blut, für eine leichte Anspannung. Und das alles, obwohl die beschriebene Situation rein fiktiv ist. Sie findet nur auf dem Papier statt und schildert die Ausgangslage des „Exit“-Spiels „Der Flug ins Ungewisse“. Live-Escape-Spiele erfreuen sich vielerorts großer Beliebtheit: Besucher lassen sich dabei 60 Minuten lang in einen Raum einsperren und versuchen gemeinsam, Rätsel zu lösen, um so ihrem fiktiven Gefängnis zu entkommen. Deutschlandweit gibt es mittlerweile mehrere hundert Spielstätten. Alleine in Bremen gibt es vier Anbieter. Besuchen kann man diese aufgrund der Corona-Krise gerade allerdings nicht.

Escape-Games für zu Hause

Wer trotzdem nicht auf dieses Hobby verzichten möchte, kann auf fiktive Fluchtsituationen für zu Hause zurückgreifen. Auch dieser Markt hat sich seit 2016 eine wachsende Spielerschaft aufgebaut. Alleine Kosmos, einer der ersten Verlage, die Escape-Spiele für zu Hause auf den Markt gebracht haben, hat mittlerweile 17 Spiele veröffentlicht, zwei weitere erscheinen im Mai. Weltweit wurden bereits sechs Millionen „Exit“-Spiele verkauft.

2019 belegte die Serie nach Angaben des Verlags den ersten Platz bei den umsatzstärksten Spielen in der Kategorie Familienspiele. Und die Nachfrage wächst: „Diesen April haben wir bereits in den ersten zwei Wochen so viele Exit-Spiele verkauft, wie innerhalb des gesamten Aprils letzten Jahres“, sagt Heiko Windfelder, Verlagsleiter bei Kosmos-Spielwaren. Ob dies an der Corona-Situation liege, sei schwer belegbar, aber grundsätzlich spüre man aktuell eine steigende Nachfrage nach Spielen für zu Hause.

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Ralph Querfurth, Spieleredakteur bei Kosmos, hatte 2014 die Idee zur „Exit“-Reihe. Das ganze Spiel passt in eine kleine Schachtel, gespielt wird mit Rätsel- und Hinweiskarten, ein Spielbrett oder gar einen Spielleiter braucht es nicht. Ihn wundert nicht, dass die Spiele gerade so beliebt sind: „Man sieht jeden Tag die gleichen vier Wände, durch die Spiele kann man in eine andere Welt entfliehen.“

Neben den „Exit“-Spielen (ab 12,99 Euro) gehören die „Escape Room“-Serie von Noris (ab 12,99 Euro), die „Unlock“-Spiele von asmodee (ab 18 Euro) sowie „Decscape“ von Abacus-Spiele (ab 9,99 Euro) zu den umfangreichsten Reihen auf dem Brettspielmarkt. Wichtig zu wissen: Oftmals sind die Spiele nur ein Mal spielbar. Zum einen müssen häufig Spielmaterialien zerschnitten werden, zum anderen ist die Spannung weg, sobald die kniffligen Rätsel gelöst wurden.

Escape-Bücher

Wer lieber alleine rätselt oder gerade kein Team zur Hand hat, ist mit Escape-Büchern gut beraten. Diese gibt es zum Beispiel von Kosmos (ab 12,99 Euro), Topp (ab 9,99 Euro) oder von Ullmann (ab 5,99 Euro). Acht Bücher sind bisher im Kosmos-Verlag erschienen, Ullmann bietet neben diversen anderen Strategie- und Rätselbüchern für zu Hause die Reihe „Escape Quest“ sowie die Serie „Pocket Escape Book“ an. Eines der Bücher in dieser Reihe ist „Das Mega Game“.

Der Leser muss in der Geschichte herausfinden, was mit seinem besten Freund Tom passiert ist. Dieser verschwand, kurz nachdem er eine alte Spielekonsole auf dem Dachboden wiedergefunden hatte. Aufgebaut ist das Buch wie die Point-and-Click-Escape-Spiele, die man im Internet findet. Der Leser bekommt eine Übersicht über alle Gegenstände in dem Raum, in dem er sich gerade befindet und kann sie untersuchen, verschieben, öffnen und mit anderen Gegenständen kombinieren. Im Buch hat jede Aktion einen Code.

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Durch Hin- und Herblättern zu den entsprechenden Codes erfährt der Leser, ob ihn eine Aktion weiterbringt oder nicht. Wie bei allen anderen Escape-Angeboten muss er so Schritt für Schritt Rätsel lösen, Hinweise finden und Türen öffnen. In Buchform ist all das etwas umständlicher als virtuell oder beim (Brett-)Spiel. Es muss sehr viel geblättert und notiert werden. Nach einiger Zeit hat man sich daran gewöhnt, Geduld sollte der Leser dennoch mitbringen.

Online Escape-Spiele

Wer es grundsätzlich lieber digital mag, findet eine große Auswahl an kostenlosen Escape-Spielen nach dem Point-and-Click-Prinzip online oder als App zum Download. Zudem bieten immer mehr reale Escape-Räume ein digitales Alternativ-Angebot für ihre Spieler an. Auch die in Bremen vertretenen Anbieter Locked und Exit the Room haben digitale Räume im Angebot. Einige Anbieter haben diese sogar an die aktuelle Lage angepasst.

„Ausgangssperre“ heißt zum Beispiel ein virtueller Escape-Room, den ­Betreiber unter anderem aus Dortmund, Duisburg oder Dresden online verkaufen (20 Euro). Gespielt werden kann in kleiner Gruppe mit der Familie zuhause vor einem PC oder auch über Skype und Co. mit Freunden. In der Geschichte geht es um sieben junge Menschen, die trotz Versammlungsverbots ein Partywochenende in einem Ferienhaus verbringen. Plötzlich ist einer von ihnen tot. Unfall oder Mord? Dieses Rätsel gilt es zu lösen.

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